Rezension: Der Sodomit – S. B. Sasori

der-sodomit

Inhalt:

Weil die dunkelste Stunde uns stets vor dem Sonnenaufgang packt (S. 4)

Ungarn 15. Jahrhundert:

Mihály ist Wundarzt, hat sich der Medizin voll und ganz verschrieben. Tagsüber flickt er Verletzte zusammen und nachts forscht er im Geheimen an Toten, um noch mehr über den menschlichen Körper zu erfahren. Er weiß, dass das seinen Kopf kosten kann, doch die Gefahr ist er gewohnt. Seine Liebe zu Männern stellt die größte dar. Einmal hat er sich schon auf seinen Gesellen Dávid eingelassen, Liebe und Lust zugelassen. Ein Moment der Unachtsamkeit, der Sehnsucht nach Nähe und Liebe hat seinen Liebsten das Leben gekostet. Soweit soll es nie mehr kommen.

Fortan hält er seine Gefühle und Gedanken tief in sich eingeschlossen, lebt nur noch für seine Arbeit, dann tritt Josias in sein Leben. Halbtot geprügelt und wegen seinem Buckel als Teufelsbalg verschrien. Dieser junge Mann lässt sein kaltes Herz wieder erwachen – doch die Gefahr lauert an jeder Ecke, ist näher als jemals zuvor…..

Meinung:

Mit „Der Sodomit“ ist S.B. Sasori eine weitere homoerotische Geschichte gelungen, die begeistert und fesselt. Dieses Mal geht es ins mittelalterliche Ungarn. In eine Zeit als die Männerliebe, die Sodomie, als widernatürlich und pervers galt und mit dem Tod bestraft wurde.

Ich muss gestehen, dass ich nicht ganz unvoreingenommen an das Buch herangegangen bin. Durch mein Studium hab ich mich ausführlich mit dem Mittelalter beschäftigt und bin mit dieser Epoche sehr vertraut. Dadurch kann ich aber auch ganz klar sagen, dass in dem Buch sehr viel Recherche und Liebe zum Detail steckt. Wer sich bisher aber noch nicht so oft in diesem Zeitalter aufgehalten hat, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es nichts für zarte Gemüter ist. Das Mittelalter war grausam, in jeglicher Hinsicht. Krankheit und Tod immer zugegen.

Sehr gut gelungen sind die Beschreibungen der hygienischen Zustände in dieser dunklen und grausamen Zeit. Mir ist der Ekel bis in die Nase gekrochen. Die stinkenden Gassen, die mangelnde Hygiene der Menschen und der faulige Gestank des Todes. Wut hat sich in mir breit gemacht über die Schauermärchen und die falschen Moralvorstellungen der Kirche, die den Nährboden geliefert haben, um Kranke, Behinderte und Homosexuelle aus der Gesellschaft zu stoßen, sie zu quälen und zu töten.

Begeistert hat mich der Kontrast dieser harten Zeit, die sich auch ganz klar in der Ausdrucksweise und dem Stil der Geschichte wiedergefunden hat, und der zarten Liebesgeschichte zwischen Josias und Mihály. Vielleicht war es wirklich nur der extreme Gegensatz, aber mir kam die Liebe der beiden wie eine duftende und leuchtende Auszeit von all dem Dreck und der Brutalität vor. Möglicherweise ist diese Interpretation meiner sehr ausgeprägt romantischen Ader zuzuschreiben, aber ich fand es einfach nur wunderschön. So unschuldig, so zart. Wie kann so etwas Schönes Sünde sein?

Fazit:

Ein Balanceakt zwischen Brutalität und Liebe, Leben und Tod, Dreck und Reinheit, Schuld und Unschuld.

5stars

  • Taschenbuch: 312 Seiten oder als Ebook: epub & mobi  (6,99€)
  • Verlag: Weltenschmiede (2014)
  • Preis: 12,90€
  • ISBN-13: 978-3944504131
  • Hier kann man es kaufen: Der Sodomit

9 Gedanken zu “Rezension: Der Sodomit – S. B. Sasori

  1. swantjesgeschichten schreibt:

    Danke für diese wunderschöne Rezension. Jetzt, wo ich weiß, dass du eine „Fachfrau“ beim Thema Mittelalter bist, freue ich mich noch mehr, dass dir die Geschichte gefallen hat.
    Liebe Grüße,
    Swantje

  2. bigeyesramona schreibt:

    Hab ich gern gemacht. Das Geschichte ist super – vor allem vom recherchierten Hintergrund her 🙂
    Aber ich glaube auch, dass da der ein oder andere, der nicht mit dieser Zeit vertraut ist, darüberstolpern wird.
    Bin mal gespannt was da alles an Reaktion kommen wird.

    Liebe Grüße
    Ramona

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