‚Gay Friday‘ #7 – Gewalt in der schwulen Literatur

 gayfriday7

Gerade eben habe ich „Kalte Ketten“ von T. C. Jayden beendet, einen SM Roman, aber um diese Form der Gewalt soll es gar nicht gehen.

Dieser Beitrag richtet sich vor allem an die AutorInnen.

Warum trifft man in der schwulen Literatur derart oft auf Gewalt in Form von Vergewaltigungen und Misshandlungen?

Und ich rede jetzt nicht von Schlägereien oder Gewalt mit homophobem Hintergrund, was es ja auch öfters zu lesen gibt, sondern schlicht und einfach von Vergewaltigungen und Demütigungen en masse.

Natürlich ist es verständlich, dass auch unschöne und schmerzhafte Themen in Büchern behandelt werden, schließlich sollte es in der Literatur nur wenige Grenzen geben, aber warum muss das in diesem Genre so extrem ausgebreitet und aufbereitet werden? Ich kann auf die Schnelle kein Heterobuch nennen, das sich explizit damit beschäftigt. Möglicherweise ist dieses Genre auch noch so klein, dass diese Werke eben rausstechen.

ABER mir stößt das gerade ziemlich auf. Ich hab gestern ein Buch begonnen, eigentlich eine Fantasy – Geschichte, und was passiert. Der Protagonist wird durch die Mangel gedreht, vergewaltigt und erniedrigt. Muss das denn immer sein? Ich hab es abgebrochen und weiß nicht, ob ich nochmal in die Hand nehme. Die einzigen Gefühle, das bei mir aufkamen, waren Widerwille und Beklemmung. Klar löst so eine Thematik keine freudigen Emotionen aus und sie soll auch schocken, aber nicht dermaßen, dass man das Buch nicht mal mehr in die Hand nehmen will. Vielleicht bin ich auch einfach zu zart besaitet, was das angeht, aber ich kann es nicht ab, wenn mich eine Geschichte so anwidert und es mir eiskalt den Rücken runterläuft aus Ekel und Grauen und damit meine ich keine Horrorgeschichten, denn da weiß ich, auf was ich mich einlasse.

Ich kann mir schon denken, dass da natürlich mehr Dramatik erzeugt wird und oftmals passt es auch in die entsprechende Zeit oder eben einfach zur Rahmenhandlung – wie z. Bsp. beim „Schlangenfluch“ – wer weiß, was aus Samuel und Raven geworden wäre, wenn sie keine so schreckliche Zeit hinter sich hätten, möglicherweise hätte die Geschichte mit „Friede-Freude-Eierkuchen“ – Atmosphäre gar nicht funktioniert.

Aber wenn man seinen Protagonisten in so eine Situation hineinstößt, sollte man das richtige Einfühlungsvermögen mitbringen. Es ist oft extrem unglaubwürdig, wenn der Figur so eine abscheuliche Misshandlung widerfährt und er dann am Ende freudestrahlend in die Abendsonne reitet und alles vergeben und vergessen ist und er zusammen mit seinem Freund/Mann glücklich bis ans Ende ihrer Tage lebt. So geht das nicht. So funktioniert das auch nicht.

Wenn, dann sollte man es richtig machen. Zum einen fällt mir da die Autorin Mathilda Grace ein. Ihre Protagonisten haben in der Regel alle schlimme Erfahrungen hinter sich, aber das geschah meist bevor die Geschichte ansetzt und es wird dann innerhalb dieser verarbeitet, aber realistisch. Es bleibt einfach immer was hängen und ihre Figuren haben auch in den Nachfolgebänden stark mit den Folgen zu kämpfen, wobei sie natürlich die tatkräftige Unterstützung von Familie und Freunde haben.

Oder auch „Bodycaught“ von Chris P. Rolls. Der junge Alec wird auf übelste Weise traumatisiert und misshandelt. Es wird nichts beschönigt. Aber man hat die Chance ihn auf seinem Weg zu begleiten. Rückschläge, Angst, Verzweiflung, Hoffnung und Liebe, aber eben auch die ständige Angst und vor allem die Tatsache, dass es auch an den Mitmenschen, in dem Fall seinem Freund Mike, nicht spurlos vorbei geht. Das auch die mit Problemen zu kämpfen haben, obwohl sie nicht selbst Opfer sind.

[Kurze Info, weil das wohl falsch verstanden worden ist: Chris P. Rolls und Mathilda Grace haben mit ihren Geschichten eine hochsensible Thematik sehr einfühlsam und nachhaltig verpackt und erzählt und sind in diesem Kontext natürlich Paradebeispiele, wie man es machen sollte.]

Ein Punkt, der mir auch sehr stark zu schaffen macht, ist das Gestalten einer solchen Szene. Muss es denn wirklich bis ins allerkleinste Detail festgehalten und ausgeschmückt werden? Kann man das nicht weniger bildlich, sondern eher emotional verpacken?

Ich hab schon öfters erwähnt, dass ich dieses Genre deswegen so mag, weil man sich eben nicht an Konventionen hält, Grenzen überschreitet und als Leser selbst an die Grenzen und darüberhinaus geführt wird.

Aber muss das denn wirklich sein?

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Diskussion auf Facebook *klick* – da kamen schon einige Ideen zusammen. Hier mal eine kleine Auswahl.

  • Geld: SM – Schiene boomt gerade im Gay – Genre, da wir dann nachgelegt wie nichts, ohne sich über den Unterschied von heftiger Gewalt und BDSM Gedanken zu machen. Wenn es sich verkauft, dann wird eben so lange weiterproduziert wie es Nachfrage gibt.
  • Die extreme Gewalt hat möglicherweise ihren Ursprung in FanFictions und Mangas und strömt jetzt auch ins Gay-Genre.
  • Der Autor will den Leser auf eine intensive Reise mitnehmen. Leid und Schmerz fühlen lassen.

34 Gedanken zu “‚Gay Friday‘ #7 – Gewalt in der schwulen Literatur

  1. Katrin Wirth schreibt:

    Tja, Deine Frage ist berechtigt, wobei ich Deine Beispiele nicht sehr gelungen finde.
    Chris P. Rolls hat in “Bodycaught” ein schwieriges und sehr sensibeles Thema meiner Meinung nach hervorragend verarbeitet.Es gibt von ihr aber auch genügend andere sehr tolle Bücher ohne diese Gewalt als dramatisches Mittel einzusetzen. Auch Mathilda Grace schreibt recht realistisch eben über dieses Thema. Was mir aber aufgefallen ist, einige Autoren/innen nutzen gerade diese Form der Gewalt als dramatisches Mittel für ihre Storys. Nach dem Motto: Es hat sich bewährt, also reiten wir darauf rum. Immerhin hat es sich ja gut verkauft.

    • bigeyesramona schreibt:

      Mathilda Grace und Chris P. Rolls haben diese Thematik sehr gut verpackt und das hab ich ja auch ganz klar gesagt. Und beide können natürlich auch in ganz anderen Aspekten glänzen.

  2. swantjesgeschichten schreibt:

    Gute Frage. Für mich kann ich es nur so beantworten, dass in allen meinen Geschichten Gewalt vorkommt. Mal mehr, wenn ich unter Sasori schreibe, mal weniger, wenn ich unter meinem Klarnamen eine Geschichte erzähle. Das hat mit SM in meinen Romanen nichts zu tun, sondern nur mit dem Leben der Protagonisten. Du weißt ja, dass ich gerne Schwarz und Weiß dicht nebeneinander male. Einmal für den dramatischen Effekt und zum anderen weil meine Geschichten einfach so sind. Einen konkreteren Grund kann ich dir gar nicht nennen, weil mir keiner einfällt.
    Was mich allerdings auch oft nervt: Wenn erfahrenes Leid kaum reflektiert und gar nicht verarbeitet wird. Wie du sagst: Kein gemarterter Held reitet jubelnd in den Sonnenuntergang.
    Halt! Vielleicht fällt mir doch ein Grund ein.
    Genau so, wie Schmerz eine Grenzerfahrung ist und das Leben, wenn auch auf schlechte Weise ,intensiviert, dient er in Geschichten dazu, den Helden intensiver wahrzunehmen. Lust und Leid lassen sich leichter mitempfinden als Freude und Heiterkeit. Jedenfalls geht es mir so.

    • bigeyesramona schreibt:

      Hi Swantje,
      bei dir weiß ich, dass mich keine Liebesgeschichte erwartet 😉
      Ich finde auch, dass Schmerz bzw. Leid eine Geschichte intensivieren und ihr durchaus das gewisse Etwas geben, aber man muss doch nicht in jede Geschichte so was rein packen und es kommt auch auf die Umsetzung an. Was da teilweise verkauft wird ist unter aller Kanone und für mich manchmal kaum zu ertragen. Man sollte sich, wenn man schon so eine Thematik, wie Vergewaltigung, Misshandlung etc. wählt vorab damit auseinandersetzen und es einigermaßen realistisch gestalten.
      Es ist schon merkwürdig, dass SO viele diese Schiene fahren. Aber wie schon gesagt worden ist, es verkauft sich eben.

  3. tonikuklik schreibt:

    Ich fasse mich kurz: Du solltest die Fortsetzung von „Kalte Ketten“ vielleicht auslassen und erst ab dem dritten Band weiterlesen 😉
    (Band zwei wird nicht für Band 3 benötigt *gg*)

    • bigeyesramona schreibt:

      Oje, du machst mir ja Mut 😉

      Vielleicht kommt es auch ein bisschen verfälscht rüber: Ich hab nichts dagegen, wenn Protagonisten gequält werden und auch nicht wenn mal ein schwieriges Thema wie Vergewaltigung angesprochen wird, dennoch überrascht es mich, wie viele auf diesen Zug aufspringen und das nicht immer sehr angemessen.
      Teilweise ist es extrem grenzwertig und unrealistisch.

      Aber Kjell und Riley lasse ich mir nicht entgehen – und jetzt weiß ich ja, dass es etwas härter zugehen wird 😉

      • tonikuklik schreibt:

        Ja, das wird es in der Tat!
        Aber ich werde auf jeden Fall auch ein entsprechendes Vorwort verfassen und einen dazugehörigen Blogeintrag, sobald das zweite Buch erscheint. Nach (oder während) dem Lesen soll mir keine vorwerfen können, ich hätte ihn nicht gewarnt 😉

      • bigeyesramona schreibt:

        Als ich „Kalte Ketten“ zu lesen begonnen habe, war ich mir bewusst, dass es härter zugeht und ich möglicherweise auch abgeschreckt werden könnte, weil mir, wie gesagt, diese Szene sowohl büchertechnisch als auch privat, fremd ist.

      • tonikuklik schreibt:

        Das erste Buch dieses Genres, das ich gelesen habe, war der Klassiker: „Die Geschichte der O“. Kann ich nur empfehlen, auch wenn es schon alt und dementsprechend geschrieben ist.

      • bigeyesramona schreibt:

        Danke für den Tipp 🙂

        Ich muss gestehen, dass mir prophezeit wurde, dass nicht sehr viel Reaktion auf so einen Beitrag kommen wird 😉
        Aber es haben sich auch sehr viele Autoren per Mail zu Wort gemeldet, die es genau so sehen, aber ihre Meinung nicht mehr öffentlich zur Schau tragen, weil es eben zu „Zickenkriegen“ wegen solcher Äußerungen in der Vergangenheit gekommen ist.

      • tonikuklik schreibt:

        *lach* Auf Zickenkriege lasse ich mich gar nicht erst ein. Jeder hat seine eigene Meinung zu diesem Thema. Bin ich böse, weil ich grausam zu meinen Protagonisten bin? Mag sein. Aber es ist nun Mal realtität. Das Grausame formt uns. Das Grausame ist Realität und trifft jeden von uns. Die Frage ist nur, wer die Augen davor verschließt und wie man damit umgeht.
        Ich kann davon ausgehen, dass Jaydens zweiter Band zu Kjell und Riley nicht so „frohe Reaktionen“ hervorruft, aber soll ich die Geschichte deswegen ändern? Nein … Sie steht. Sie ist da. Ich schreibe sie nur auf. Unverschönt. Und wer es nicht verkraftet, soll die Finger vom zweiten Band lassen 😉

      • bigeyesramona schreibt:

        Bisher wurde ich von den Zicken auch verschont – zumindest was den Beitrag angeht. Ich hab ja auch niemanden persönlich angegriffen 😉
        Es ist wie du sagst. Gewalt ist ein Teil von uns Menschen und jeder begegnet ihr, sei es nur körperliche oder verbale Gewalt.

        Ich glaube nicht, dass man böse ist, wenn man seine Protas quält, vielleicht brauchen die auch mal eine Abreibung. Ich lese extrem viel in diesem Genre und ich bin schon oft auch Bücher getroffen, die sehr viel Gewalt beinhalten, das ist auch gar nicht das Problem, sondern eher diese unausgegore und sinnlose Gewaltverherrlichung. Es ist egal was du für ein Buch du aufschlägst, man trifft immer wieder auf Vergewaltigungen.

      • tonikuklik schreibt:

        Verwunderlich ist es aber eigentlich nicht. Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber es sind sehr viele Deutsche (sicher auch Menschen aus anderen Ländern) Opfer einer Vergewaltigung. Das fängt schon bei sexueller Belästigung an. Ich wage mal zu behaupten, dass sich nicht „nur“ jeder zweite in irgendeiner Weise schon mal belästigt gefühlt hat. In den Köpfen artet das aus, wird zu Vergewaltigung und je schlimmer diese geschildert wird, desto besser fühlt man sich vielleicht als tatsächlich Betroffener.
        Leser wurde mal begrabscht? Nicht so schlimm, denn besagter Leser hat schon von schlimmerem gelesen. Vielleicht ein weiterer Aspekt, weshalb Gewalt in Büchern so gut ankommt – egal in welchem Genre.

      • bigeyesramona schreibt:

        Eine sehr schwere Thematik und die genauen Gründe, warum das so einen Absatz findet, werden vermutlich nie offen auf den Tisch gelegt.
        Aber mir kommt es immer ein bisschen so vor, als würden nur wenige Autoren sich wirklich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Den Folgen und Auswirkungen. Alle anderen fahren halt diese Schiene, weil sie merken es klappt und als möglicherweise „naiver“ Leser wird einem dann eine Welt vorgegaukelt, die in keinster Weise der Realität entspricht, aber eben so hingenommen wird.

      • tonikuklik schreibt:

        Ich muss feststellen, dass ich derlei Diskussionen gerne mit dir führe 🙂 Und ich werde mich jetzt gleich mal an ein Brainstorming machen – Gedanken sortieren!

      • tonikuklik schreibt:

        Der Schlafzimmerboden füllt sich gerade mit einem Brainstormingplot zu den Themen „Gewalt durch Frauen“, „Gewalt gegen Frauen“, und so weiter. Macht richtig Spaß sich da die verschiedensten Mittel auszudenken, die gegen jedes Klischee gehen 😉
        Und ja, die altbekannte, böse Stiefmutter war auf dem ersten Blattpapier auch noch vertreten, wurde aber schnell „aussortiert“.

  4. swantjesgeschichten schreibt:

    Ich muss auch noch was dazu loswerden. Schreiben ist nicht nur Leser–Bespaßung. Manchmal nimmt es therapeutische Züge an und manche Szenen werden für den Autor zur Notwendigkeit. Vieles schreibt der Autor nicht nur für andere, sondern in erster Linie für sich. Er wirft es in die Öffentlichkeit und freut sich, wenn es ankommt. Aber diese Bücher waren nie dazu gedacht, zu scheffeln. Da du, Ramona, eine sensible und versierte Leserin bist, fällt es dir leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen und plattes und unrealistisches Sensationsgeschreibsel von den wirklichen Geschichten zu trennen. Ich kann deine Aversion von zu viel Gewalt in Romanen absolut nachvollziehen. Aber in manche Bücher gehört sie einfach hinein, weil sie ein Teil der Seele des Autors ist. Wenn er sich und seine Romane ernst nimmt, dann kann er sich beim Schreiben nicht verleugnen oder verbiegen. Er muss erzählen. Und zwar so, wie er es empfindet.
    Aber ich bin ganz bei dir, wenn es um die Kritik an platter, sinnfreier Gewalt geht, die nur dazu dienen soll, Leser anzulocken.

  5. tonikuklik schreibt:

    Hat dies auf Toni Kuklik rebloggt und kommentierte:
    Du viel Gewalt in homoerotischer Lektüre? Als Autorin interpretiere ich das mal ganz anders: Ist die Hemmschwelle höher, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht?
    Herausforderung angenommen!

  6. celia Jansson schreibt:

    Hey, ein interessantes Thema. Ehrlich gesagt lese ich nicht gerne ausführliche Gewalbeschreibungen oder über Vergewaltigung. Das ist einfach Geschmackssache. Es kommt immer darauf an, wie es dargesellt wird. Jeder Leser muss für sich entscheiden, wass er aushalten kann und was nicht. Ich kann mir schon vorstellen, dass es einige Autoren eingebaut haben und andere gucken sich das dann wieder ab, wenn solche Storys erfolgreich sind. Ich persönlich brauche weder übermäßiges Drama noch übermäßig Romantik in einer guten Story. Was ich jedoch manchmal schade finde: bein fanfiktion und anderen Foren gibt es Warnungen. Ich kann sagen, Gewalt etc. will ich nicht lesen. Bei Büchern fände ich das auch nicht schlecht. Da wüsste ich dann gleich, ob das Buch was für mich ist oder nicht. Klar wenn schon SM drauf steht, ist es deutlich, aber manchmal weiß man es vorher nicht.
    Gewalt als reine Effekthascherei stört mich auch, besonders wenn am Ende einfach alles vergessen wird. Dass heißt natürlich nicht, dass ich denke, Autoren sollten es generell meiden, über diese Themen zu schreiben. Aber wie du sagst, sollte man sich eben schon damit auseinandersetzen.

    • bigeyesramona schreibt:

      Eine schwierige Angelegenheit. Manchmal passt Gewalt in den Kontext, manchmal aber nicht und oftmals ist es eben sehr unausgegoren und eigentlich sinnlos, vor allem wenn dann die Gewaltexzesse in aller Ausführlichkeit geschildert werden.

  7. ChrisPRolls schreibt:

    Gewalt nie um der Gewalt willen.
    Für mich war und ist es wichtig, den Weg meines Charakters zu begleiten. Oft gehören Tiefen dazu, um ihn kämpfen zu lassen und gestärkt daraus hervorzugehen. Das Leben formt ihn. Ich habe eine Fantasystory, in der mein Charakter durch eine wahre Hölle muss, aber dort liegt vor allem der Gedanke dahinter: „Was muss er erleiden, um derart hassen zu lernen, dass er zu töten bereit ist?“ Und defintiv geht diese Zeit nicht spurlos an ihm vorbei, sondern beeinträchtigt sein weiteres Leben.
    Was leider wenige beachten: Jede Gewalttat zieht unweigerlich ein Trauma nach sich und das ist niemals mit ein paar Streicheleinheiten vergessen. Auch Stricher haben kein ungestörtes Verhältnis zu ihrem Körper, wenngleich die Folgen meist nicht so dramatisch wie bei Vergewaltigungen und vor allem Missbrauch im Kindesalter sind.
    Das Thema Gewalt/Vergwaltigung beschäftigt mich vor allem von der psychologischen Seite und findet daher in der einen oder anderen Story Verwendung. Und wird es auch öfter.
    Allerdings glaube ich, durch Studium und sehr intensive Beschäftgung/Arbeit mit dem Thema, genügend Wissen mitzubringen, um mich dem Thema vorsichtig genug anzunähern.
    Was mich oft so masslos ärgert ist die unreflektierte Verwendung des real existierenden Stockholmsyndroms, mit dem praktischerweise „Liebe“ vom Opfer dem Täter gegenüber „erklärt“ wird. Dass dies eine reine Schutzfunktion mit dramatischen Folgen ist, wird dabei einfach außer Acht gelassen.
    Das Thema ist tatsächlich äußerst beliebt in Mangas und auch Fanfiktions, findet aber nicht nur im Gaybereich seine Anwendung.

    • bigeyesramona schreibt:

      Ja, ich hab schon gehört, dass diese Thematik sehr gerne in Mangas und FanFictions wiedergegeben wird. Gewalt ist ein Bestandteil des menschlichen Seins und eben auch der fiktiven Welt, aber die Frage ist halt, wie man damit umgeht und ich bin wirklich schockiert, wie stümperhaft teilweise an sexuelle Gewalt herangegangen wird und die Leser das auch einfach für gegeben hinnehmen. Da wird sich dann eher über einvernehmlichen Sex zwischen Brüdern aufgeregt, als über jemanden der vergewaltigt, missbraucht und erniedrigt.

      • swantjesgeschichten schreibt:

        Zu dem Thema „Bruderliebe“ habe ich mir ja satt was anhören müssen 😉 Damals zog sich das bis in die PN’s. Inklusive der Bitte, so etwas nicht mehr zu schreiben. Samuels Vergewaltigung wurde aber brav geschluckt. Wie du war auch ich erstaunt, wo der Fokus mancher Leser lag.

      • bigeyesramona schreibt:

        Ich kann mir schon denken, wer da u.a. dabei war 😉
        Der Fokus ist teilweise wirklich extrem verschoben.
        Wobei ich mir auch denke, wenn etwas in bds. Einverständnis geschieht und keiner irgendwie zu Schaden kommt, ist es doch absolut egal, wer was mit wem macht.

  8. ChrisPRolls schreibt:

    Es kommen leider von Schreiber- und Leserseite teilweise bei Vergewaltigungen dieselben „Erklärungen“, die auch Täter sehr oft angeben: Sie/er wollte es doch eigentlich auch. Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Opfers. Vergewaltigung hat nichts erotisches, sollte nie verklärt werden.
    Ich finde es extrem erschreckend, wie wenig kritisch damit umgegangen wird. Leider ist das Thema besonders im Bereich BDSM zu finden, wenngleich es im völligen Widerspruch dazu steht und damit eigentlich gar nicht zu dem Thema gehört.
    Gewaltszenarien scheinen allerdings teilweise eine Faszination auszuüben, die der beim Zuschauen bei einem Verkehrsunfall entspricht.

    • bigeyesramona schreibt:

      Diese „Sie/er wollte es doch eigentlich auch“ – Einstellung geht gar nicht – so ein Verhalten bzw. so eine Tat ist mit nichts zu entschuldigen.
      Genau deswegen hab ich bisher einen Bogen um das BDSM – Genre gemacht. Ich hab ein Buch gelesen und das war dann nicht anregend, sondern eher schockierend.

      Ich glaube, dass es schon, wie du sagst, viele gibt, die von solchen Szenen faszinieret sind, möglicherweise ist dass auch eine Fantasie von ihnen, wer weiß!

  9. hexe2408 schreibt:

    Ich bin urlaubsbedingt etwas spät dran, finde das Thema aber total spannend und würde mich gern auch noch (kurz) dazu äußern.
    Gewalt taucht immer wieder in Büchern auf, das ist mir auch aufgefallen und nicht immer finde ich es angebracht oder gerechtfertigt bzw. gut umgesetzt. Es ist schwierig das so allgemein zu sagen. In einigen Büchern passte es, für mich, einfach in die Geschichte, in anderen war es mir zu viel oder zu extrem beschrieben. Vermutlich kommt es auch immer ein wenig drauf an, ob man schon einen Bezug zu den Figuren hat, ob man dadurch dann noch mehr mitleidet, wenn ihnen etwas Schlimmes passiert, oder ob man noch recht unbefangen ist UND wie ich finde ein wichtiger Punkt, ob man selsbt Erfahrungen in dem Bereich hat. Wenn man persönlich betroffen ist von Gewalt, Missbrauch, Misshandlung und solchen Dingen, dann empfindet man es im Buch auch noch einmal ganz anders, weil man z.B. an seine eigenen Erlebnisse erinnert wird usw.
    Es kommt also beim Lesen doch irgendwie viel zusammen und für mich muss das GEsamtpaket am Ende stimmen.
    Was ich selbst nicht besonders mag, wenn die Charaktere von jetzt auf gleich über alles hinwegkommen, nie wieder an die schlimmen Erlebnisse denken und das tollste Leben überhaupt führen. Das ist einfach nicht realistisch. Und auch wenn Bücher nicht immer realistisch sein müssen, gibt es einfach Dinge, die man beachten sollte, damit man die Geschichte noch mitgehen kann.

    • bigeyesramona schreibt:

      Ich finde auch, dass es einfach auf die „Art“ der Geschichte ankommt. Manchmal braucht man einfach ein bisschen Gewalt.
      Aber es sollte doch in einem normalen bzw. realistischen Rahmen stattfinden.

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