Monday thoughts #60 – Wie viel Rechtschreibung muss sein?

MT60ABCNach dem sehr anstrengenden, und für mich emotional auch sehr durchwachsenen, Wochenende, möchte ich heute gerne zwei Dinge aufgreifen und mit dieser leidigen Angelegenheit der letzten Woche abschließen.

Diese öffentliche Anfeindung hat mich sehr verletzt, vor allem da sie nicht gerechtfertigt ist. Ich bin ein Mensch und habe Gefühle und die sind hier mit Füßen getreten worden. Um ein bisschen zu sensibilisieren, hab ich ein paar Blogger und Autoren eingeladen und hab sie gefragt, wie sie denn mit ‚emotionalen‘ Autorenreaktionen bzw. Kritik umgehen.

Des Weiteren möchte ich gerne noch ein Thema behandeln und zwar die Rechtschreibung. Die Kritik dazu hat ja dieses ganze Drama ausgelöst.

Bei der Rechtschreibung in der Buchbranche, gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Es wurden sogar Stimmen laut, die ganz klar sagen, dass nur die Geschichte zählt und sonst nichts. So einfach ist das aber leider nicht.

Rechtschreibung, Grammatik und Konjugation. Muss das denn wirklich sein?

Meiner Meinung nach, ja! Eindeutig.

Bücher leben nicht nur von den Geschichten, die sie erzählen, sondern auch vom Handwerk ihrer Autoren. Dabei muss man aber ganz klar zwischen Verlag und Selfpublisher unterscheiden sowie zwischen erfahrenen Autoren und Hobbyautoren bzw. frisch geschlüpften Autoren.

Wenn ich ein Verlagsbuch kaufe, dann weiß ich, in der Regel, dass das Buch professionell lektoriert und korrigiert wurde. Das ist natürlich keine Garantie, dass mir das Buch gefällt, aber ich weiß, dass ich für mein Geld ein gewisses Maß an Qualität bekomme. Aber hier gilt auch ganz klar, die Geschmäcker sind verschieden. Und es können auch hier Fehler auftreten. Menschen machen Fehler. Das ist nur natürlich. Aber die halten sich in Grenzen. Das ist dann mal ein Formatierungsfehler oder ein fehlender Buchstabe, ein vergessenes Wort oder Leerzeichen. Kleinigkeiten.

Wenn ich mir die Selfpublisher anschaue, dann sehe ich riesige Qualitätsunterschiede. Manche Bücher sind perfekt korrigiert, manche wiederum, machen eher den Eindruck, als wären sie vor der Veröffentlichung nicht nochmal gelesen worden.

Da gibt es das Spitzenfeld. Das sind erfahrene Autoren, die selbst sehr rechtschreibaffin sind und sehr viel Wert auf ein gutes Korrektorat legen. Da gibts dann, wie bei den Verlagsbüchern, kaum Ausrutscher. Dann gibt es das GROßE Mittelfeld. Hier ist so ziemlich alles vertreten. Das geht von kleinen Ungereimtheiten bis hin zur mangelnden Ausdrucksweise und Rechtschreibfehler, die stark an der Toleranzgrenze kratzen. Dennoch sind die Bücher lesenswert und man kann ja auch mal ein Auge zudrücken. Damit kommen wir aber zum Schlusslicht der AutorInnen und ihren Büchern. Das ist dann schon eher eine Zumutung. Wenn der Lesefluss durch kontinuierliche Fehler ausgebremst wird, kann ich daran nichts mehr tolerabel finden. Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung, grammatikalische Ausfälle und eine wirre Zeichensetzung sind nur ein paar Beispiele.

Es kommt natürlich auch drauf an, wer das Buch liest. Ich hab zum Bsp. die letzten drei Jahre, neben dem Studium, medizinische Texte korrigiert. Da geh ich schon ganz anders an Bücher ran. Ich kann da gar nichts dafür, die Fehler springen mich einfach an. Wenn mich aber ein Buch interessiert, wenn es mir Spaß macht, dann sehe ich auch ohne Weiteres über kleine Fehler hinweg. Ich bin ganz gewiss nicht fehlerfrei. Niemand ist das. Wird es aber zu bunt getrieben und ich muss teilweise den Satz dreimal lesen, bevor ich den Sinn verstehe, sieht die Sache schon anders aus. Wie sagt man so schön? „Ein Komma entscheidet über Leben und Tod.“

Hängt ihn nicht, begnadigt.
Hängt ihn, nicht begnadigt.

Wenn ich in meiner Rezension auf Rechtschreibfehler hinweise, dann heißt das nicht, dass das Buch „doof“ ist oder ich dem Autor/der Autorin das Talent absprechen möchte, sondern ist einfach eine Hilfestellung für Selfpublisher, mit dem Hinweis, sich nochmal damit auseinanderzusetzen. Ich bin in meinen Rezensionen noch nie beleidigend geworden. Dasselbe erwarte ich von der Reaktion auf meine Bewertung. Es ist keinem geholfen, wenn der Autor/die Autorin dann verbal um sich schlägt, sondern zeigt nur, wie wenig Selbstreflexion möglich und wie gering die Kritikfähigkeit ist.

Man sollte auch dies bedenken: Kaufe ich ein Buch, dann kaufe ich das Endprodukt. Ich weiß nichts über die Entstehung, noch kenne ich den Hintergrund des Autors. Weder seinen Bildungsweg, noch sein Leben mit allen Höhen und Tiefen.

Keep calm and carry on!

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Vielleicht wird es auch nochmal deutlich, wenn man hört bzw. liest, was BloggerInnen und AutorInnen zur Rechtschreibung und Kritikfähigkeit sagen.

Viel Spaß!

Interview – Blogger

Habt ihr schon mal die Erfahrung gemacht, dass AutorInnen schlecht auf Kritik bzw. Eure Rezensionen reagiert haben?

Nicole: Nein, zum Glück noch nicht. Ich bin allerdings auch noch nicht lange Blogger, erst seit etwas über einem Monat.
Sebastian: Klar, wie wohl die meisten Blogger. Besonders im SelfPublisher-Bereich scheint es zum guten Ton zu gehören, sich ach so ungerecht behandelt zu fühlen, wenn mal jemand Tacheles spricht. Also: deutlich auf’s Tapet bringt, wenn ein Buch ganz umgangssprachlich ausgedrückt scheiße ist.
Auf der anderen Seite muss man aber auch in aller Deutlichkeit sagen, dass es neben diesen Negativbeispielen auch sehr positive Rückmeldungen gibt, selbst wenn das Buch nun keine bombastische Rezi bekommen hat – und das sowohl bei den SPs als auch von Verlagsautoren. Mit zwei dieser Herren stehe ich seit mittlerweile einem Jahr in häufigem Kontakt, kenne ihre Urlaubsbilder, ihren Lebenswandel und so weiter. Das sind die Momente, die deutlich machen, dass es den Ärger, den man in (seltenen) Fällen hat, durchaus wert ist.
Merely: Nein, aber ich blogge auch erst seit recht kurzer Zeit. Bei einer lieben Freundin war es mal der Fall, dass ein Selfpublisher sie dazu aufgefordert hat, die Rezension sofort aus dem Netz zu nehmen, da ansonsten ein Schreiben vom Anwalt eintreffen würde. Sie hat nicht darauf reagiert und es kam dann auch nie wieder was von dem netten Herrn.
Sarah: Bisher habe ich noch nicht oft mit Autoren so nah geschrieben außer auf LovelyBooks. Dort war es meist so, dass die Bücher wirklich gut waren, sodass ich nichts Schlechtes auslassen konnte. Ich hatte natürlich in der Vergangenheit öfter mal Stiltechnisches, was ich kritisiert habe, aber ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass ein Autor schlecht darauf reagiert hat. Ich denke, dass es auch darauf ankommt, wie man es schreibt. Ich persönlich habe manchmal den Drang, wenn ich ein Buch gelesen habe und es für nicht toll befunden habe, sehr sarkastisch auf manche Sachen zu schreiben. Das versuche ich aber immer ein wenig zu überdecken und auch die guten Aspekte zu beschreiben.
Gerry: Allerdings. Bei BookRix habe ich früher in den Kommentaren unter den gelesenen Büchern meine Meinung gesagt. Sehr vorsichtig und höflich ausgedrückt. Wenn das gelesene Buch zu viele Fehler aufwies, egal ob Grammatik oder Logikfehler, habe ich den AutorenInnen eine PN geschrieben. Damit bin ich erbärmlich auf die Schnauze gefallen. 😦 Ich wurde geblockt oder öffentlich beschimpft. Daher schreibe ich inzwischen nur noch ganz selten Rezis.                           Evy: Ich habe bisher 2x eine persönliche Nachricht von Autoren bekommen, die mit meiner Rezension nicht einverstanden waren. Beide Male übrigens 3-Sterne-Rezensionen, also gar nicht so schlecht. Allerdings haben beide sachlich geschrieben bzw. sich gerechtfertigt für meine Kritikpunkte. Persönlich angegriffen hat mich keine(r) der beiden.                                              Juliane: Das habe ich in der Tat. Bisher ist mir das zweimal passiert – einmal ist es Jahre her, das letzte Mal liegt gerade einmal ein halbes Jahr zurück. Seit dem Vorfall vor einigen Jahren, bei dem ich mich plötzlich mit den Fans der Autorin auseinandersetzen musste, habe ich mir angewöhnt, vorab zu sagen, dass ich immer eine ehrliche Meinung schreibe und nichts beschönige. Ich schreibe, was ich über ein Buch denke, was nicht zwangsläufig für die Allgemeinheit gelten muss. Nur weil ich einem Roman nur 1-2 Sterne gebe, heißt das ja nicht, dass das Werk keine Fans hat. Das hat mir unterdessen auch einen gewissen Ruf eingebracht, der auch dafür sorgt, dass einige Autoren nicht von mir rezensiert werden wollen. Dies respektiere ich auch – ich schreibe keine Rezis, um absichtlich Autoren runterzuputzen.
Gleichzeitig sollte man bei mir kritikfähig sein und eben professionell genug, um auch eine schlechte Rezension hinzunehmen. Diese begründe ich zumindest immer, damit Autoren mit meinen Anmerkungen arbeiten und sich verbessern können.
Umso schöner ist es dann, wenn man von einigen Seiten hört, dass man sich meine Kritik zu Herzen genommen und für kommende Bücher umgesetzt hat. Solche Mails und Nachrichten, wiegen die schlechten Reaktionen mancher Autoren wieder auf.

Wie würdet ihr reagieren, wenn der Autor/ die Autorin sehr emotional reagiert und Euch öffentlich beleidigt und schlecht macht?

Nicole: Ich würde versuchen dem Autor/ der Autorin klarzumachen, warum ich diese Kritik angebracht habe und warum ich sie für gerechtfertigt halte. Außerdem würde ich öffentlich dazu Stellung nehmen, denn wenn er/sie öffentlich meinen Ruf schädigt, dann muss ich mich ja auch verteidigen dürfen. Natürlich nicht, indem ich mich auf das Niveau des besagten Autors/ der besagten Autorin herablasse, sondern ganz sachlich.
Sebastian: Im Normalfall setze ich mich einfach mit dem Hintern drauf. Was bringt es mir auch, mich drüber aufzuregen? Wenn es nun besonders persönlich wird oder generell einfach Überhand nimmt… hmm, ich möchte es mal so sagen: ich kann auch zu einem ziemlichen Arsch werden und habe wenig Probleme damit, auch mal zurück zu pöbeln. Wobei ich aber im Normalfall die erste Methode vorziehe, graue Haare habe ich auch ohne zusätzlichen Stress schon genug.
Merely: Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht. Im Grunde sollte man doch als AutorIn damit rechnen, dass es auch Menschen gibt, die eben einen ganz anderen Geschmack haben als andere Menschen & genau das würde ich dem Autor/der Autorin auch so sagen. Eine Rezension ist nur EINE Meinung von vielen. Ich würde versuchen, ihm/ihr zu erklären, dass das eben meine Meinung ist, meine Empfindungen, die ich während des Lesens gewonnen habe. Außerdem würde ich größtenteils eben versuchen, ihm/ihr ruhig klar zu machen, was genau mich gestört hat und was ich bemängelt habe; nur so kann sich ein Schriftsteller doch noch verbessern?!
Sarah: Ich denke, dass ich anfangs wohl geschockt wäre, weil ich persönlich kenne keinen Autor, der so reagiert. Jedem Autor müsste klar sein, dass es auch Menschen auf dieser Welt gibt, die ihre Geschichte nicht so toll und fesselnd fanden, wie jemand anderes. Darauf MUSS man sich einstellen. Klar, jeder Autor ist ein Mensch und auch dieser Mensch hat mal einen schlechten Tag, aber auch wenn man sehr emotional reagiert, sollte man keinen Menschen, der das Buch gelesen hat, öffentlich beleidigen und schlecht machen. Manchmal kommt bei einem im Leben auch viel zusammen, sodass man sich nicht mehr zusammenreißen kann. Ehrlich gesagt würde ich denjenigen anschreiben und fragen, warum man einen beleidigen muss oder man schaut eben drüber hinweg und muss selbst lernen sich zu beherrschen. Irgendwie sollte man da ein Gleichgewicht entstehen lassen, auch wenn der Autor nicht gerade dazu beiträgt.
Gerry: Ich habe zu Anfang versucht, diesen Leuten sachlich zu erklären, dass ich ihnen nur helfen will. Aber die wenigsten wollten Hilfe. Sie waren nur auf Herzen, Likes oder Hurra-Rufe aus.
Bei manchen habe ich leider hinreißen lassen, ein hitziges Wortgefecht zu führen. Gebracht hat es nichts, außer, dass ich mich sehr aufgeregt und geärgert habe.                                                               Evy: So was geht überhaupt nicht! Wenn mir das passieren würde, würde ich das wohl öffentlich machen, sofern ich nach wie vor überzeugt bin, dass meine Kritik in meiner Rezension gerechtfertigt ist. Eine öffentliche Beleidigung würde ich nicht auf mir sitzen lassen. Wer als Autor nicht mit Kritik umgehen kann, ist in meinen Augen einfach nur unprofessionell.                                 Juliane: Um ehrlich zu sein, lasse ich das unterdessen an mir abprallen. Ich ignoriere das weitestgehend und versuche mich nicht, mich für meine Meinung zu rechtfertigen. Zumeist gieße ich dann nämlich nur Öl ins Feuer und sorge für zusätzlichen Unmut.
Öffentlich habe ich bisher noch nichts dazu gesagt, sondern mich nur mit Freunden darüber kurzgeschlossen. Sollte das aber irgendwann mal extrem Überhand nehmen, werde ich mich wohl auch mal an passenden Stellen äußern, auch wenn ich ehrlich gesagt nicht davon ausgehen, dass das viel Sinn hat. Da warte ich lieber einige Wochen oder Monate, bis sich die Gemüter abgekühlt haben und man auf einer sachlichen Ebene diskutieren kann.
In diesem Punkt reagieren Autorinnen meiner Erfahrung nach am emotionalsten, da sich diese Kritik mehr zu Herzen nehmen, oder sich schnell angegriffen fühlen. Männliche Schreiberlinge reagieren zumeist gelassener und nicht ganz so emotional, wobei es auch hier Ausnahmen gibt.

Wie wichtig ist Euch die Rechtschreibung, wenn ihr ein Buch lest?

Nicole: Ich bin selber freiwilliger Korrektur- bzw. Vorableser bei einem kleinen Verlag und deshalb ist mir gerade Rechtschreibung sehr wichtig. Es ist unprofessionell ein Buch zu verkaufen, das vor Fehlern nur so strotzt, egal ob es sich um das Werk eines Selfpuplishers oder eines Verlags handelt.
Sebastian: Schon wichtig. Ich bin kein bezahlter Journalist, weswegen mir das Lesen schon Spass machen muss, damit ich ein Buch auch bespreche, beziehungsweise es überhaupt beende. Zwei oder drei habe ich abgebrochen, weil es von Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotze und das den jeweiligen Verfassern der Manuskripte (ich weigere mich, so etwas als Buch anzuerkennen) auch so mitgeteilt. Ist übrigens noch viel lustiger, als einen dieser „völlig ungerechtfertigten Verrisse“ zu schreiben und zu veröffentlichen ;-).
Merely: Im Grunde ist mir schon wichtig, dass die Rechtschreibung stimmt. Ich mache aber keinen Aufstand, nur weil mal etwas falsch geschrieben ist, ein Komma fehlt oder sich ein Tippfehler eingeschlichen hat. Nur bei größerer Fehleranzahl wird es dann kritisch.
Sarah: Die Rechtschreibung ist mir schon irgendwie wichtig. Oftmals habe ich erlebt, dass ich ein Buch anfing zu lesen und sofort im Prolog ein Rechtschreibfehler gefunden habe. Irgendwie denk ich mir dann immer, dass das sicher ärgerlich ist, wenn man schon so viele Exemplare drucken lassen hat, dass diese auf jeden Fall im Umlauf sind. Ich denke nicht, dass ein Autor selbst daran Schuld ist, wenn das Buch voller Rechtschreibfehler ist. Damit das Buch überhaupt im Umlauf ist, wird es vorher ja auf alles geprüft. Da kann es schon einmal passieren. Wenn nun aber das ganze Buch voll damit ist, dann würde mich das auf Dauer ein wenig nerven. Ich empfinde Fehler meist als Stolpersteine, bei denen ich dann oftmals aus dem Konzept gebracht werde und somit die Geschichte nicht mehr richtig „einsaugen“ kann.
Gerry: Uff. Da bin ich extrem pingelig. Egal ob es um SP oder Verlagsbücher geht. Mir springt jeder Fehler sofort ins Auge.                                                                                                                               Evy: Extrem wichtig! Rechtschreibmängel in einem publizierten Buch – das geht gar nicht. Dabei rege ich mich wahrlich nicht über 1-2 Tippfehler auf. Das passiert und ist in meinen Augen auch absolut zu verschmerzen. Aber richtige Rechtschreibfehler nehmen mir die Freude am Lesen, weil ich mich ständig frage, wie man so einen Text veröffentlichen kann. Ich habe noch nie ein Buch mit vielen Rechtschreibfehlern gelesen, dass mir dann trotzdem gefallen hat.                                  Juliane: Gute Rechtschreibung und Grammatik sind mir genauso wichtig, wie die Grundidee, die inhaltliche Ausarbeitung und die Figuren. Nicht umsonst ist meine Eigene Meinung in drei Unterprunkte gegliedert: Idee/Inhalt, Charaktere und Stil. In letzteren fällt nun mal auch die Rechtschreibung und wenn die nur so vor Fehlern strotzt, nimmt mir das den Spaß beim Lesen. Als Leser erwarte ich, dass sich der Autor zumindest die Zeit nimmt, einmal drüber zu lesen oder die Rechtschreibprüfung zu bedienen. Sicherlich – Fehler können immer passieren (ich finde auch bei Veröffentlichungen großer Verlage immer wieder fehlende Buchstaben oder Satzzeichen), aber wenn das in einem Text inflationär daherkommt, macht das Lesen keinen Spaß mehr.

Um es mal mit einem Bild zu vergleichen: Eine Zeichnung kann noch so eine tolle Grundidee haben, wenn die Ausführung mangelhaft ist oder der Zeichner noch nicht das notwendige Know-How hat, um seine Idee umzusetzen, fällt die Kritik wesentlich härter aus. Gerade bei Zeichnern legt man mehr Wert auf das Können und die Umsetzung, als auf die eigentliche Bildaussage.
Warum sollte es bei Autoren anders sein? Warum muss ich schlechte Rechtschreibung in Kauf nehmen, wenn die Idee gut ist? Bei einem Zeichner werden wesentlich häufiger Fehler und mangelndes Können angeprangert, warum also die Autoren davon lossagen? Wer ein Buch veröffentlicht, sollte auch qualitativ etwas Gutes abliefern. Eine gute Idee rechtfertigt keine stilistischen Fehler. Doch leider scheinen gerade in der heutigen Zeit der eBooks und der extremen Publikationsrate des Selfpublisher Rechtschreibfehler immer seltener angeprangert zu werden und werden von den Lesern als gegeben hingenommen, eben weil es ja „nur“ Selfpublisher sind. Doch gerade diese Autoren müssten um eine genauere Arbeitsweise bemüht sein, eben um zu zeigen, dass sie ebenso solide arbeiten können, wie Verlagsautoren.

Nehmt ihr eine mangelhafte Rechtschreibung in Eure Rezensionen mit auf?

Nicole: Wenn es ein Werk von einem Selfpuplisher ist, dann würde ich durchaus darauf eingehen, denn die sind ja selber dafür verantwortlich, ihr Werk korrigiert und mit so wenig Fehlern wie möglich auf den Markt zu bringen. Sollte mir so etwas bei einem Verlagsbuch passieren, dann würde ich in der Rezension nicht darauf eingehen, denn dann ist es ja das ‚Verschulden‘ des Verlags, der dafür zuständig ist. Natürlich kann es passieren, dass vereinzelt mal ein Fehler übersehen wird, aber das sollte natürlich nicht Überhand nehmen. In diesem Fall würde ich die Fehler aufschreiben und dem Verlag eine E-mail mit der Liste schicken. Der Verlagsautor verlässt sich ja darauf, dass der Verlag ein professionelles Lektorat und Korrektorat hat und deshalb die, von dem Autor übersehenen Fehler, ausgemerzt werden.
Sebastian: Ja. Ich denke, dass man als Rezensent schon darauf hinweisen sollte, schließlich trübt es den Lesespass ungemein, wenn es sich häuft. Ich gehe immer davon aus, dass meine Stammleser einen ähnlichen Geschmack und ähnliche Lesegewohnheiten haben wie ich – und damit auch direkt von solchen Dingen betroffen sind und eben im Zweifelsfall darauf hingewiesen werden sollten. Bei einem Film kann ich schließlich auch eine schlechte Synchro nicht einfach unter den Tisch fallen lassen.
Merely: Es kommt immer drauf an. Letztens habe ich ein Buch verschlungen, in dem 3x die Namen der Figuren vertauscht wurde… bzw. verwechselt. Ich habe das in meiner Rezension dazu nicht erwähnt, weil ich der Meinung bin, dass wir alles nur normale Menschen sind und wir auch mal Fehler machen können, und dass wir mal was überlesen/übersehen können beim Schreiben oder beim Korrektur-Lesen… deswegen finde ich das nicht weiter schlimm. Wenn es sich aber um eine Vielzahl von Rechtschreib-Fehler handelt [was ich bisher nur bei Selfpublisher hatte] dann werde ich es auch erwähnen. Bevor ich meine Karriere als Rezensent [sowohl bei Blogger als auch bei Youtube] begonnen habe, habe ich ein Buch[Selfpublisher] gelesen – das ich jetzt nicht erwähnen möchte – das nur so vor Rechtschreibfehlern, falschen Satzzeichen und welchselnde Zeiten [Vergangenheit und Gegenwart] gestrotzt hat – also das hat mich dann schon massiv genervt, da man manchmal echt Sätze 5x lesen musste, um zu verstehen was der Autor/die Autorin mir sagen wollte. Sowas würde ich definitiv in meiner Rezension erwähnen!
Sarah: Wenn ich so darüber nachdenke habe ich noch nie in einer Rezension über eine mangelhafte Rechtschreibung etwas verlauten lassen. Manchmal, wenn ich ein Buch lese und dann einen Fehler sehe, will ich oftmals irgendwem vom Verlag oder dem Autor Bescheid sagen. Ich weiß ich immer nicht, ob das wirklich so gut ist und wer dann der richtige Ansprechpartner dafür ist. Gefällt mir ein Buch von der Geschichte nicht und es sind unglaublich viele Rechtschreibfehler, dann würde ich es wohl in die Rezension schreiben.
Gerry: Wenn die Fehler zu arg sind, schreibe ich es auf jeden Fall mit rein.                                        Evy: Ich habe auch schon mal ein Sachbuch (!) eines Self-Publishers gelesen und war einfach nur entsetzt. Ich habe das auch in meiner Rezension erwähnt. Meines Erachtens hat nie ein Lektorat über diesen Text geschaut. Da waren so viele offensichtliche Rechtschreib- bzw. Tippfehler enthalten – so etwas kann ich nicht ignorieren. Ich habe dieses Buch aufgrund dessen auch schlechter bewertet.                                                                                                                          Juliane: Natürlich nehme ich mangelhafte Rechtschreibung mit in meine Rezension auf. Wie oben erwähnt macht das gut 1/4 bis 1/3 meiner Rezensionen aus und sorgt auch dafür, dass ich mitunter 1-2 Sterne abziehe, wenn grobe Fehler vorliegen. Die Gründe habe ich unter Punkt 3 aufgelistet – vielleicht ist der Umstand, dass ich selbst schreibe einer der Hauptgründe, weswegen mir Rechtschreibung und Grammatik so wichtig sind und ich stilistische Fehler schneller ankreide. Ich hab selbst mit Lektoren zusammengearbeitet und eine Menge gelernt. Das schlägt sich auf meine Rezensionen nieder und sorgt mitunter dafür, dass ich ein Buch gar nicht ehr „frei“ lesen kann, sondern immer auf solche Fehler anspringe und diese bei mir noch stärker ins Gewicht fallen, als bei normalen Lesern.

AutorInnen – Interview

Wie wichtig sind für Euch Blogger?

Chris: Sie machen sich enorme Arbeit, indem sie Bücher vorstellen und rezensieren. Ich sehe sie als wichtige Multiplikatoren.
Katharina: Sehr wichtig. Blogger haben meiner Meinung nach heutzutage einen großen Einfluss; insbesondere für Indie-Autoren wie mich. Ein gut geführter Blog hat viele Leser und wenn auf einem solchen Blog eine Bewertung meines Buches veröffentlicht wird, zieht es entsprechende Kreise. Ich weiß, dass Blogger viel Arbeit in ihren Blog stecken müssen, um ihn interessant und erfolgreich zu gestalten. Auf Blogger hinabzuschauen ist der größte Fehler, den man machen kann. Das ist nichts, was man „einfach so“ macht, es nimmt viel Zeit und Herzblut in Anspruch. Und in dem Punkt unterscheiden sich Blogger und Autoren nicht. 🙂
Gerry: Ich finde es sehr gut, dass es Menschen/Blogger gibt, die sich die Mühe machen, unsere Bücher ausführlich zu rezensieren. Ich kann auch damit leben, wenn jemand einen Punktabzug vornimmt. Bücher sind immer an den Geschmack des Lesers/der Leserin gebunden. Nicht jedem können unsere Geschichten gleich gut gefallen, also muss ich damit rechnen, dass mal jemand etwas negatives anmerkt.
Ann-Kathrin: Ich finde sie sehr wichtig. Blogger bieten Werbung und Meinungen, die von vielen gelesen werden. Und sie können so schöne Rezensionen schreiben, dass einem Autor das Herz aufgeht.
Anne: Mittlerweile kooperiere ich mit einigen Bloggern, die Rezensionen für meine Bücher geschrieben haben, und kann mit Gewissheit sagen: Blogger sind eins der wichtigsten Marketing-„Instrumente“, die wir in der heutigen Zeit haben. Eine Rezension in einem vielbesuchtem Blog kann uns Türen öffnen, aber auch Blogger mit eher wenigen Lesern liefern uns wichtige Rezensionen und Meinungen, die wir uns zu Herzen nehmen sollten.                                           Juliane: Blogger sind für mich teilweise wichtig, teilweise nicht. Letzteres liegt vor allem daran, dass mir als Kinder/Jugendbuchautor die Rezensionen nur bedingt viel bringen. Zumindest in diesem Bereich lesen (meine) potenziellen Käufer keine Blogs, so dass mich positive Rezensionen zwar freuen, ebenso ausführliche Kritik, ich aber alles in allem keine neuen Leser gewinne oder interessierte Kunden auf mich aufmerksam mache. Vielleicht ändert sich das ja noch, wenn ich mich zu anderen Genres vorwage – zur Zeit sind Blogger und deren Rezensionen eher was „für’s Ego“, ganz besonders, wenn die Kritiken positiv ausfallen. Dennoch denke ich, dass Blogger wichtig sind, insbesondere wenn man als Selfpublisher an die Öffentlichkeit tritt und nur wenig Werbemöglichkeiten hat. Da können entsprechende Bloggeraktionen wahre Wunder bewirken und für einen tollen Werbeeffekt sorgen.

Jeder Autor wünscht sich, dass sein Buch gut ankommt und die Leser in Lobeshymnen ausbrechen, aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Wie reagiert ihr auf Kritik?

Chris: Es kommt immer ganz auf die Kritik drauf an. Konstruktive, ehrliche und faire Kritik lese ich eigentlich gerne. Es ist illusorisch zu glauben, man kann jedermanns Geschmack treffen, insofern finde ich es nicht schlimm, wenn jemand weniger Sterne vergibt.
Was mich sauer macht, sind offensichtliche und böswillige Verrisse. Ich sehe keinen Unterschied darin, wenn jemand mit Worten oder Waffen bewusst verletzen will und ärgere mich schon darüber. Aber ich reagiere nie darauf. Zum einen ist das ja oft die Intention der Trolle, die sich über den Zuspruch definieren, zum anderen gibt es nichts, wofür ich mich rechtfertigen müsste.
Wenn es jemandem nicht gefällt: ist eben so. Meist fluche ich vor mich hin, schreibe eine geharnischte Antwort … und lösche sie wieder 🙂
Katharina: Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich sie einfach so wegstecke. Prinzipiell versuche ich aber, mein kleines Ego abzuschalten und dann genau aufzunehmen, was die Kritik beinhaltet. Hinweise auf Orthographie, Grammatik und Interpunktion sind natürlich peinlich – diese gehen aber trotz mehrfachem Korrektorat und Lektorat schon mal durch; da bin ich dankbar, wenn ich (konkret) darauf hingewiesen werde.
Subjektive Kritik in Bezug auf den Inhalt – nun, die kann und muss ich stehenlassen, denn, wie Du schon sagtest, Geschmäcker sind verschieden.
Ungerechtfertigte Kritik, die mich persönlich angeht – da bin ich ehrlich, die tut weh. Das kommt aber selten bis gar nicht vor!
Insgesamt versuche ich, Anmerkungen anzunehmen und, soweit möglich, einzubinden und umzusetzen. Immerhin schreibe ich für die Leser und wenn diese etwas anmerken, sollte ich mich damit auseinandersetzen.
Gerry: *hihi* Die Hälfte habe ich ja oben schon beantwortet. ^^
So – ganz ehrlich – Kritik ärgert mich, lässt mich an mir und meinem Können zweifeln. Daher reagiere ich auch nie sofort auf Kritik, sondern lasse sie sacken und versuche, am nächsten Tag objektiv zu sein.  Ist die Kritik gut und fundiert vorgebracht, muss ich sie akzeptieren und schauen, etwas zu ändern und mich zu verbessern. Also – Kritik ist okay.
Was ich nicht akzeptiere ist Kritik, die den Autor persönlich angreift (schon bei einer Freundin erlebt). Das hat in einer Rezension nichts zu suchen und dagegen würde ich mich immer zur Wehr setzen.
Ann-Kathrin: Ich schließe mich fünf Minuten lang in mein Kämmerchen ein, ärgere mich darüber, wie man mein „geniales Werk“ denn nur kritisieren könnte. Dann werde ich wieder ruhiger, überlege, ob vielleicht was dran sein könnte und frage mich, welche der Kritik ich beim nächsten Buch annehmen kann, um es besser zu machen. 
Anne: Es gibt meiner Meinung nach verschiedene Arten von Kritik. Solche, die berechtigt und konstruktiv ist, nehme ich gern an und versuche, sie umzusetzen. Wenn manchen Leuten meine Bücher nicht gefallen, dann ist das vollkommen in Ordnung. Es gibt schließlich auch Bücher, die ich nicht gern lese, auch wenn sie sonst beliebt sind.
Allerdings gibt es auch Kritiken, die einfach darauf aus sind, einen Autor „niederzumachen“, die meist leider von anderen Autoren kommen. Solche Art von Kritik ist zwar ärgerlich, aber man sollte sie einfach ignorieren. Sich darüber aufzuregen, erhöht nur unnötig den Blutdruck.                Juliane: Das kommt immer darauf an, wie sie formuliert ist und ob man sie nachvollziehen kann. Rezensionen á la „Buch ist doof und nicht empfehlenswert“ oder „Leseprobe hat mir nicht gefallen – denke mal, das Buch ist nicht lesenswert“ lasse ich einfach links liegen und beachte ich gar nicht. Ist zwar ärgerlich, aber viel bringen mir solche Rezensionen nicht, schon gar nicht, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen, oder eine Streit vom Zaun zu brechen.
Bei berechtigter Kritik, die auch begründet wird, versuche ich immer offen zu reagieren und mir die Rezension nicht allzu sehr zu Herzen zu nehmen. Sicherlich tut es weh, wenn das eigene Werk zerrissen wird und einfach nicht beim Leser ankommt, aber bei der betreffenden Rezension handelt es sich um eine Einzelmeinung, die nicht zwangsläufig die Allgemeinheit wiederspiegeln muss. Ich für meinen Teil versuche aus den genannten Kritikpunkten zu lernen und auch aus schlechten Rezensionen etwas Positives zu ziehen – und seien es nur Hinweise zur Verbesserung meines Stils oder allgemeiner Schwächen, um beim nächsten Buch nicht dieselben Fehler zu machen. Man lernt schließlich immer dazu, niemand ist von Anfang an perfekt.
Als Kinderbuchautor habe ich es zumindest in einem Punkt noch schwerer – Kinder sind einfach nur ehrlich und zeigen offen und ohne Scham, was sie von meinen Texten halten. So ist man beispielsweise auf einer Lesung Kritik in ganz anderer Form ausgesetzt – Kinder nehmen sich nämlich nicht aus Anstand zurück, wenn ihnen die Geschichte zu langweilig und unspannend ist. Die zeigen das offen und damit muss man auch erst mal lernen umzugehen.

Habt ihr in Eurem Kollegenkreis bereits emotionale Ausbrüche, nach nicht ganz so guten Bewertungen, erlebt?

Chris: Oh ja sicher. Das geht wohl jedem nahe. Die einen äußern es öffentlich, die anderen privater, aber nahe gehen jedem wohl gerade persönliche Angriffe.
Aber der wichtigste Leitsatz im Autorenleben: Never feed trolls!
Katharina: Ja, leider. Eine Kollegin von mir betreibt auch gleichzeitig eine Rezensionswerkstatt. Als sie ein Buch von einer Autorin (nur mal nebenbei: von einem DKZV) schlecht beurteilte, teilte die Autorin auf eine Art und Weise aus, die selbst mich beschämte. Sie warf ein sehr schlechtes Licht auf die Autorenschaft. So was ist einfach ein absolutes No-Go. Lese ich von einem Autor, der derart auf Rezensionen und wohlgemeinte Kritik reagiert: Ich streiche ihn unwiderruflich und für immer aus meinem potentiellen Interessenskreis. Denn ich bin ja nicht nur Autor, sondern auch Leser. Und so was schreckt Leser ab.
Gerry: Japp, schon mehrfach und ganz ehrlich? Ich konnte diese Leute nicht verstehen. Berechtigte Kritik muss man hinnehmen können. Man muss einfach lernen, damit umzugehen, egal, wie schwer es einem fällt.
Aber es gibt leider Menschen, die können das nicht und wollen es nicht.
Was nützt mir endlose Lobhudelei, wenn meine Texte nicht gut sind? Davon kann ich nicht besser werden und dazulernen.
Ann-Kathrin: Jein. Ich kenne selbst keinen, der emotional irgendwie Probleme entwickelt hat, aber ich habe schon von einigen gehört, die bei amazon eine „lautstarke“ Diskussion geführt haben, weil dort jemand eine schlechte Rezension eingestellt hat.
Anne: Tatsächlich: ja. Es gibt einige Kollegen, die mit Kritik nicht so gut umgehen können und die eine schlechte Rezension schon aus der Bahn wirft. Teilweise kann ich es schon verstehen, es ist schließlich nicht schön, wenn jemand über dein Baby herzieht. Aber man sollte in jedem Fall sachlich bleiben und vielleicht abwägen, wie viel Wahrheit in der Rezension steckt.                          Juliane: Im direkten Bekanntenkreis kam es bisher nicht zu derartigen Ausbrüchen, allerdings erinnere ich mich an eine Autorenkollegin meines Verlages – diese reagierte öffentlich bei Lovelybooks negativ auf eine 2-Sterne Rezension und forderte die Leserin auf ihre Rezension zu löschen. Damit schadete sie sich leider selbst, da ihr Post hohe Wellen schlug und sofort auf sie zurückfiel. Viele Leser bemängelten ihre Unfähigkeit Kritik zu akzeptierten und wollten allein deswegen ihr Buch nicht lesen. Die Leserunde wurde ebenfalls abgesagt, weil nahezu alle ihre Bewerbung zurückzogen.

Wie wichtig ist Euch persönlich die Rechtschreibung in Büchern? Viele AutorInnen sind ja der Meinung, dass nur die Geschichte zählt.

Chris: Ich mag kein Buch lesen, bei dem ich in jedem Satz über Fehler stolpere. Allerdings toleriere ich sie, wenn es nicht zu viele sind und mich die Story stattdessen fesseln kann. Es gibt kein fehlerfreies Buch. Irgendwas rutscht immer durch und wer sich gezielt danach auf die suche macht, findet in jedem Buch was. Wer ein Buch in den Verkauf bringt, sollte sich größte Mühe gegen, es fehlerfrei zu bekommen, aber wo Menschen sind, da passieren eben Fehler.
Katharina: Die Rechtschreibung ist das Gerüst des Buches. Vergleichen wir es mit einem Hausbau: Die Rechtschreibung ist das Gerüst, das Gemäuer eines Hauses. Natürlich muss das Innenleben gemütlich sein, doch wenn das Gerüst wackelt, droht das ganze Haus einzustürzen.
Ich bin auch nicht perfekt und habe das eine oder andere Mal doch noch einen Fehler in meinem Buch, das kommt wegen der Betriebsblindheit einfach vor. Aber ich lasse stets mehrfach Korrekturlesen und überprüfe selber, bis ich meinen Text nicht mehr sehen kann, denn ich finde, dass eine gute Rechtschreibung ebenso unser Aushängeschild ist wie der Inhalt.
Aus Leserperspektive kann ich sagen: Ich würde ein Buch nicht zerreißen, wenn ein, zwei Fehler darin vorkommen, aber wenn mir gehäuft Fehler (auf jeder Seite, Fehler in Grammatik, Interpunktion, Orthographie…) entgegenspringen, breche ich sogar das Lesen ab (kam leider schon vor). Meiner Meinung nach zeugen zu viele Fehler von fehlender Mühe seitens des Autors und seiner „Helfer“. Auch bin ich der Überzeugung, dass es nicht ausreicht, wenn der Autor alleine Korrektur liest. Andere Blickwinkel sind – nicht zuletzt wegen der bereits genannten Betriebsblindheit – zwingend notwendig.
Und leider tauchen auch immer häufiger viele Fehler in Verlagsbüchern auf, das hat nicht ausschließlich was mit Indie-Autoren zu tun…
Gerry: Ich bin bei der Rechtschreibung ein Erbsenzähler *lach
Klar, niemand ist perfekt, niemand kann ein fehlerfreies Buch abliefern, egal, wie viele Lektoren/Korrektoren sich mit dem Text beschäftigt haben.
Aaaaaaber … ich hasse es, wenn ich auf den ersten Blick erkenne, dass niemand diesen Text gelesen oder überarbeitet hat.
Wenn ich ein Buch in den Verkauf bringe, Geld dafür haben will, dann muss ich ein gewisses Maß an Qualität abliefern. Von dieser Meinung lasse ich mich auch nicht abbringen. Die Geschichte kann noch so toll sein, wenn zu viele Fehler im Text sind, lese ich nicht weiter.
Ann-Kathrin: Ich finde sie sehr wichtig. Da ich selbst jemand bin, der gerne darauf achtet, ärgert es mich, wenn im Lektorat dann doch mal der ein oder andere Fehler durchrutscht. Die Geschichte ist natürlich wichtig, aber das Handwerkszeug auch. Ein Meisterwerk an Ideen kann noch so toll sein, aber wenn auf jeder Seite drei Fehler sind, verdirbt es einem den Spaß an der Geschichte.
Anne: Ich habe schon Bücher von „Kollegen“ gelesen, da haben sich mir sprichwörtlich die Fußnägel nach oben gedreht. Bei einem Buch, das schon vom ersten Satz vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern strotzt, komme ich meist nicht über die erste Seite hinaus. Von Autoren wird, meiner Meinung nach berechtigt, eine gute Rechtschreibung und Grammatik erwartet. Kleine, wenige Fehler sind in Ordnung, nobody is perfect. Aber vor großen können Profis euch bewahren. Deshalb an alle Indie-Autoren: Bitte, sucht euch einen
Lektor oder eine Lektorin. Ihr werdet es definitiv nicht bereuen und eure Leser werden es euch mit besseren Rezensionen danken!                                                                                                 Juliane: Rechtschreibung und Grammatik sind mir persönlich sehr wichtig, daher lege ich Wert auf ein gutes und intensives Lektorat, und gutes Korrektorat im Anschluss ans Lektorat. Bei einem Verlag ist das ganz normal und sollte auch immer so sein. Ich möchte keine Bücher unter meinem Namen veröffentlichen, die noch Fehler beinhalten (selbst jetzt stören mich noch 1-2 Fehler, die ich im Nachgang entdeckt habe). Das wäre mir einfach peinlich.
Sollte ich jemals als Selfpublisher auftreten, wird für mich ein gutes Lektorat und/oder (falls ich ein Lektorat kostentechnisch nicht stemmen kann mindestens) ein intensives Korrektorat wichtig. Ich möchte ein gutes Buch abliefern, dass die Leser verschlingen und nicht mehr aus er Hand legen können. Einen Text, bei dem man alle paar Seiten aufgrund von Fehlern aus der Handlung fliegt, will ich niemandem zumuten. Da kann der Inhalt och so toll sein, es macht einfach keinen Spaß ein Buch zu lesen, dass vor Fehlern nur so strotzt.

 ——————————————–

Vielen Dank an die BloggerInnen und die AutorInnen für ihre Meinungen und ihre Zeit.

8 Gedanken zu “Monday thoughts #60 – Wie viel Rechtschreibung muss sein?

  1. Bianca.G.81 schreibt:

    Ich hab jetzt ehrlich gesagt nicht alle Interviews durchgelesen, das war mir ein bisschen zu viel. 😉 Aber das Thema Rechtschreibung/Grammatik ist auch für mich wichtig. Wenn ein Buch sehr viele Fehler aufweist, ist das für mich durchaus ein Kritikpunkt, wenn es ganz schlimm ist, ziehe ich dafür auch einen Stern ab, v. a. wenn das Buch in einem renommierten Verlag erschienen ist, bei dem ich davon ausgehe, dass die auch Lektoren haben. Ich hatte mal einen Kurzgeschichtenband mit düsteren Liebesgeschichten, der sowohl inhaltlich absolut nicht mein Fall war, als auch sehr sehr viele Fehler aufwies (mehrere pro Seite!). Auf meine Rezension hat die Autorin etwas gekränkt reagiert und schnippisch gemeint, dass nicht jeder ein Buch so aufmerksam liest wie ich. Also im Endeffekt wollte sie darauf hinaus, dass ich wohl die Fehler auch mit der Lupe suche. Woraufhin ich meinte, dass man nicht aufmerksam lesen müsse, damit einem die vielen Fehler ins Auge springen. Auch andere Rezensenten teilten meine Meinung. Klar kann ich verstehen, dass man sich als Autor angegriffen fühlt. Aber für mich gehört es dazu, dass bei einem Buch, für das der Leser Geld zahlt, auch ordentlich lektoriert wurde. Da muss sich auch der Verlag an die Nase fassen, nicht (nur) der Autor.
    Am Wochenende traf ich eine gute Bekannte, die wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht hat. Sie meinte, dass die Verlage, in denen sie publiziert, keine Lektoren zur Verfügung stellen und man diese selbst bezahlen müsse, was schweineteuer sei. In diesem Fall sucht man sich eben privat Leute, die einem das Buch Korrektur lesen. Ich selbst lese auch Abschlussarbeiten Korrektur. Wenn man etwas veröffentlicht, sollte man mind. 2 Leute drübergucken lassen. Normalerweise ist das nicht teuer, wenn man diese Leute im Bekanntenkreis sucht (Ich mach das ja auch für lau.).
    So, meine Meinung. 🙂
    LG, Bianca

  2. bigeyesramona schreibt:

    Hallo Bianca,
    vielen Dank für deine Meinung 🙂
    Ich sehe das genauso.

    Wenn man was veröffentlicht, sollte man das nach bestem Wissen und Gewissen machen. Am besten lässt man noch mal zwei, drei Leute drüber schauen. Das ist ja in der Regel kein großes Problem.

    Es ist aber auch, wie du sagst, bei manchen Verlagen der Fall, dass da mehr Geld in die Werbung fließt, als darin, das Buch „ausgeh fertig zu machen“

  3. Sabrina schreibt:

    Ein interessantes Interview ich habe es auszugsweise zu jedem Thema gelesen.

    Ich finde Rechtschreibung wichtig ich selbst habe oft keine Ahnung wie man ein Wort nach der „neuen Rechtschreibung“ schreibt oder von Grammatik aber wenn ich offensichtliche Fehler finde wird das erwähnt. Ich habe mal ein Buch rezensiert bei dem ich offen gestanden ein wenig Angst hatte vor der Reaktion des Autors. Es waren teilweise Sätze nicht ganz gelöscht worden die man korrigiert hat usw. auch Rechtschreibfehler die mich einen Satz mehrmals lesen lassen sind nervig. Klar ist die Geschichte das wichtigste aber wenn ich sie nicht wenigstens nahezu flüssig lesen kann geht meine Lust daran verloren und mehr noch verliert man irgendwann den Zusammenhang so ala „was war nochmal passiert dass es dazu kam“.

    Bei einzelnen oder kleineren Fehlern erwähne ich sie nicht. Gerade bei Indie Autoren hat man ja öfter die Möglichkeit es ihnen direkt zu sagen da schreibe ich es nicht auch noch, es sei denn es führt zum Wertungsabzug aber auch da ist es eine Frage der Formulierung warum. Aber ich würde nie ein fehlendes Komma erwähnen auch wenn es Leben rettet. „Komm wir essen Opa ;)“

  4. Kastanies-Leseecke schreibt:

    Für mich ist Rechtschreibung, Interpunktion und Ausdrucksweise sehr wichtig für ein Buch. Gerade bei vielen selbstverlegten Büchern (hauptsächlich ebooks) strotzen diese nur so vor Fehlern, daß das mit der Hauptgrund ist, warum ich abbreche.
    Für mich ist das einfach ein Zeichen, daß der Autor sich keine Mühe gegeben hat und ihm der Leser letztendlich egal ist.
    Wir sind alle nicht fehlerfrei, aber man kann das Buch vorher Freunden und/oder Familie zum Lesen geben, um die Fehler auszumerzen. Und ab und an mal ein Fehler stört natürlich nicht, das hat man auch bei Büchern der großen Verlage.

    Und als Beispiel für schlechte Ausdrucksweise, wie romatisch ist denn ein Satz wie: Und dann tut er sie küssen?!

  5. sprachmagie schreibt:

    Nachdem ich mir die Meinungen der Blogger durchgelesen habe, muss ich ganz ehrlich sagen: Juliane, hättest du Lust, eins meiner Kinderbücher zu rezensieren? Ich finde es gut, wenn Rezensenten wirklich ehrlich sind, und ich sehe es als Herausforderung, wenn ich weiß, dass ein Rezensent besonders ehrlich und „streng“ ist — und falls die Rezi dann nicht so gut ausfallen sollte, atme ich einmal tief durch und ziehe meine Schlüsse daraus, um besser zu werden.

    Vielleicht kann Ramona ja den Kontakt herstellen, wenn du Interesse hast? (Meine Emailadresse: saoirse.omara (at) gmail.com)

  6. j125 schreibt:

    Hallo 🙂

    um schon die Titelfrage zu beantworten: Sehr viel. Um nicht zu sagen nährungsweise 100%.
    „So einfach ist das aber leider nicht.“
    Seh ich ganz genauso. Ich verstehe nicht, wie man nur die Geschichte bewerten kann, wenn man den eigentlich Inhalt nicht versteht, weil die Rechtschreibung und Grammatik katastrophal ist.

    Ich denke auch, dass Fehler menschlich sind und gerade hab ich’s wieder selbst erlebt: man wird „Betriebsblind“. Man kann seinen Text 1000x lesen, aber weil man ihn kennt, wird man die Fehler irgendwann überlesen. Ist ja auch okay. Aber dann sollte man allein schon aus eigenem Interesse jemand anderen bitten, den Text noch einmal mit einem wachen Auge zu lesen.
    „Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung, grammatikalische Ausfälle und eine wirre Zeichensetzung sind nur ein paar Beispiele.“ Glücklicherweise habe ich so ein Extrembeispiel noch nicht erlebt, aber hier frage ich mich dann, wie man als Autor so etwas abliefern kann? Ich schreibe selbst und würde nie nie niemals einen solchen Text abgeben, da würde ich mich schämen. Wenn man nicht gut in Rechtschreibung und Grammatik ist, was wirklich kein Problem ist, dann muss diese Aufgabe ganz einfach jemand anderer übernehmen. Ganz abgesehen davon, dass ich es als Autor selbst einfach blöd fände, finde ich das auch eine Frechheit den Lesern gegenüber. Die bezahlen (in der Regel) für ein Buch und dann sollten sie auch eine angemessene Qualität erwarten können. Über Geschmack lässt sich streiten, über Rechtschreibung nicht!

    Zum Thema Kritikfähigkeit fällt mir allgemein noch eine Leserunde auf Lovelybooks ein. Ich hab selbst nicht teilgenommen, bin darauf aber aufmerksam geworden, weil sehr viele ihre Meinung dazu loswerden mussten. Das Buch ist von vielen Teilnehmern nicht so gut bewertet worden und die Autorin hat wirklich sehr unverschämt auf die Kritiken reagiert und musste überall ihren Senf dazu geben. Irgendwann sollte man es doch mal gut sein lassen, oder?

    Liebe Grüße
    Julia

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