Gay Friday #22 – Interview mit der Autorin M.S. Kelts

mskeltsinterview

Ich freue mich, M.S. Kelts auf meinem Blog begrüßen zu dürfen, die mit ihrem Debüt „Loving Silver“ eingeschlagen hat, wie eine Bombe. Wer das Buch noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen. Sonst verpasst ihr nämlich was 🙂

Das Buch

lovingsilver

„Loving Silver“ ist für mich, ganz klar, das Buch des Jahres. Der Stil der Autorin ist frisch, frech und unheimlich sexy. Selbst Wochen nach dem Lesen, ist noch alles präsent. Das Mitfiebern, ein riesiger Berg Taschentücher vom Mitweinen und die glühende Leidenschaft. Eine atemberaubende Mischung. Ich will mehr!

Aber um was geht’s eigentlich?

Michael, Architekt, wohnt in einem kleinen Dorf in Baden – Württemberg. Sein Leben läuft in ruhigen Bahnen. Er ist Mitglied in einem Schottlandverein und hat eine Vorliebe für Kilts und Dudelsäcke. Dass er schwul ist, weiß niemand. Er holt sich seine Befriedigung in einschlägigen Clubs oder beim Porno schauen. Sein Lieblingspornodarsteller ist Silver. Als er auf einen Tweet von Silver antwortert, entsteht ein reger Kontakt zwischen den beiden, doch das reicht Michael bald nicht mehr. Er nimmt allen Mut zusammen und fliegt in die USA, um Silver bei einer Preisverleihung zu treffen.

Es geschieht das Unerwartete. Er bekommt nicht nur ein Autogramm von Silver, sondern auch seine Telefonnummer. Die beiden treffen sich und Michael lernt Jamie kennen, den Mann hinter Silver. Obwohl es ihn innerlich zerreißt, reist er ab, ohne mit seinem Star geschlafen zu haben. Das wiederum reizt Jamie, der sich kurzerhand ins Flugzeug setzt und seinen Michael besucht.

Vier unglaublich intensive Wochen verbringen die beiden miteinander, doch dann trennen sich ihre Wege wieder. Hat diese Liebe überhaupt eine Chance? Der preisgekrönte Pornostar und der bescheidene Architekt?

Findet es am besten selbst raus 🙂

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Interview

Liebe Martina, ich freue mich, Dich im Rahmen des `Gay Friday` interviewen zu dürfen. Stell Dich doch mal kurz vor. Wer ist M.S. Kelts?

Erst mal Hallo und danke für das Interview. Ich freue mich echt, dass so großes Interesse an mir und „Silver“ besteht. Ich bin Baujahr 69, lebe, arbeite und schreibe eigentlich genau dort, wo der Großteil des Buches spielt: Im südlichen Baden-Württemberg, genauer im Raum Wangen. Wie Michael lebe ich in einem kleinen Dorf und mag das Landleben und die Natur unheimlich gern. Außer dem Schreiben gehört meinen zwei Jackies meine ganze Liebe und mit denen verbringe ich nach Möglichkeit viel Zeit.

Ansonsten mag ich noch: Gummibärchen, lila, Milchkaffee, meine Schildkröte Blubb, alles keltische, meinen Pflegeberuf, Hardrock, Fotografieren und Stricken. (Ja, wirklich!)

Wie bist Du zum Schreiben gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis, oder war für Dich schon immer klar, dass du schreiben willst?

Ganz ehrlich? Früher habe ich überhaupt nicht gern geschrieben. Gelesen dagegen, habe ich schon immer sehr viel und gerne. Das war dann auch der Beginn von allem. Ich habe ein Buch von Anne Rice gelesen, in dem sie es meinem Lieblingsvampir echt schwer machte. Das hat mich so geärgert, dass ich spontan beschloss ein eigenes Buch zu schreiben, um die Geschichte so gestalten zu können, wie ich es will.

Das war dann der Anfang. Aus dem Vampirbuch wurde schließlich eine ganze Serie.

Wie bist du im Gay-Genre gelandet und was fasziniert Dich an der schwulen Literatur?

Das war kein plötzlicher Entschluss, sondern eine langsame Entwicklung. Irgendwie hat sich in meiner Vampirserie ein Protagonist immer wieder in den Vordergrund gedrängt und der war mehr an Männern interessiert. Dann habe ich eine Dreiecksgeschichte mit zwei Männern und einer Frau zu Papier gebracht, in der die zwei Männer eine lange Liebe verbindet. Beim Nächsten waren es dann zum ersten Mal nur Männer. Tja, und wie es aussieht, werde ich da bleiben!

Warum es mich fasziniert? Schwer zu sagen, vielleicht, weil es noch immer ein Randthema ist und ich es schön finde, wenn das sogenannte starke Geschlecht sich findet und Gefühle zeigt.

Kannst Du Dir vorstellen etwas Heteroerotisches/sexuelles zu schreiben? Oder gibt es da vielleicht schon was von Dir zu lesen?

Wie oben erwähnt, habe ich einen erotischen Vampirroman geschrieben, die „Seelenträgerin“. Es ist eine Dreiecksgeschichte zwischen zwei männlichen Vampiren und einer sterblichen Frau. Es hat auch nicht viel gefehlt, um verlegt zu werden. Hat aber dann doch nicht geklappt, deshalb ist es auch nirgends zu lesen, aber vielleicht werde ich es selber veröffentlichen.

Es hat Spaß gemacht zu schreiben, aber ich glaube momentan kann ich mir nicht vorstellen etwas in dieser Richtung zu Papier zu bringen. Aber man weiß ja nie.

Wo holst Du Dir Deine Ideen? Aus dem realen Leben, oder kommen die einfach so angeflogen?

Momentan wäre es besser für mich, in Deckung zu gehen, weil ich ohnehin schon viel zu viele Ideen habe, die ich umsetzen möchte. Eigentlich kann ich gar nicht so genau sagen, wo die Einfälle her kommen. Manchmal reicht ein Bild oder ein kurzer Text, ein Gedicht und mir fällt eine Geschichte dazu ein. Am `schlimmsten` ist es allerdings, wenn ich mit meinen Hunden spazieren gehe. Es passiert mir meistens, dass ich den Kopf voller Ideen mit nach Hause bringe, oder für das jeweilige Buch neue Facetten oder Wendungen habe.

Gerade die Natur hilft mir auch, wenn ich mal hänge, oder eine Hürde im Plot zu überqueren habe.

Wie entstand die Idee zu „Loving Silver“?

Ich mag die Frage: „Was wäre wenn.“ Zwei völlig unterschiedliche Charaktere, Leben zu vermischen finde ich spannend. Und, dass Michael auch noch praktisch hier lebt und Jamie Amerikaner ist, war ein weiterer Punkt.

Nachdem ich mir professionelle Hilfe im Internet geholt habe, hab ich losgelegt und mit der Zeit gemerkt, dass das Pornobusiness im Bereich der Gayromance echt nicht besonders gut angesehen ist. Das hat es noch interessanter gemacht, weil ich eben nicht die klischeehafte, böse Seite des Geschäfts zeigen wollte, sondern die Menschen, die dahinter stecken. Deshalb wird es auch in zukünftigen Büchern immer mal wieder um ihre Kollegen und sie gehen.

Wie lange hast Du an „Loving Silver“ geschrieben? Und wie hast Du den Entstehungsprozess erlebt?

Für das Buch habe ich nur vier Monate gebraucht. Das war ein komisches Gefühl, weil es irgendwie „raus“ musste. Das ist schwer zu erklären. Manche Geschichten machen Arbeit, „Silver“ hingegen war irgendwie fertig und musste nur in den PC. Ich kann nicht mal mehr sagen, wie viele Nächte ich mir dafür um die Ohren geschlagen habe. Besonders viel Schlaf habe ich da nicht bekommen, aber es hat sehr viel Spaß gemacht.

Den Prozess selber habe ich wahrscheinlich genauso „erlitten“ wie die Leser später auch. Meine Protas wachsen mir ans Herz, sind meine Freunde und Familie. Sie leiden zu sehen, oder ihre Dummheit mit zu verfolgen kostet Kraft. Als ich fertig war, bin ich echt in ein Loch gefallen und sie haben mir sehr gefehlt. Deshalb bin ich auch für mich froh, dass es weitere Geschichten geben wird, wo die zwei vorkommen.

„Loving Silver“ ist das erste Buch der neuen Kategorie `Cock-Lit` des Dead Soft Verlags. Hättest Du erwartet, dass das Buch solche Begeisterungsstürme auslöst?

Definitiv nein! Ich kann es irgendwie heute auch noch nicht glauben. Bei jeder Rezension frage ich mich: Die Person meint mein Buch? MEIN BUCH? Klar bin ich stolz, aber, ohne jetzt überheblich zu wirken, ich hab nur eine Geschichte geschrieben. Das mein Schreibstil anders ist, war mir auch nicht so bewusst. Es ist auch das erste Mal das ich so geschrieben habe, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Aber dabei werde ich bleiben, weil ich festgestellt habe, dass ich so in der Lage bin viel exakter und genauer, die Gefühle der Protagonisten wiederzugeben.

Du schreibst gerade an der Geschichte von Dirk, Michaels Bruder. Auf Facebook können Deine Fans bereits erste Häppchen davon kosten. Sind weitere Auskopplungen aus „Loving Silver“ geplant?

Also Dirk ist auch für mich echt spannend. Es ist ja eigentlich wieder so ein Tabuthema, weil er ja verheiratet ist und mit einem Mann eine Affäre beginnt, die sein Leben auf den Kopf stellt. Ich möchte natürlich nicht, dass er der Buhmann ist, sondern, dass die Leser ihn mögen, was in seiner Situation nicht leicht wird. Ich schreibe aus seiner Sicht, und hoffe zeigen zu können, wie sehr er selbst leidet und sich keine Entscheidung leicht macht. Wir werden sehen, wie es ausgeht. Und letztendlich entscheiden ohnehin die Leser, ob es ankommt oder nicht.

Ansonsten kann ich mir schon noch einige Geschichten aus „Silver“ vorstellen. Für Aidan, Mikes amerikanischen Kollegen habe ich schon eine spannende Idee. Ebenso für Kevin. Was mich überrascht hat, dass viele Leser auch über den amerikanischen Mike, den Bodyguard mehr wissen wollen. Vielleicht fällt mir für ihn ja auch noch was ein. Ebenfalls denkbar wäre es, mich nochmal speziell Jamie zu widmen und in Episoden seine Vorgeschichte aufzugreifen.

Hast Du parallel noch ein anderes Buchprojekt am Laufen bzw. eine Idee, die Du unbedingt umsetzen willst?

Ja, ich schreibe noch an der Geschichte von Chris, der mit 19 ein Trauma erlebt hat und erst durch seinen Traummann mit den Problemen und Ängsten konfrontiert wird. Es spielt ebenfalls hier und auch da werden Mike und Jamie vorkommen. Chris und Roman werden zum Freundeskreis der beiden dazu kommen und auch bei Dirk eine Rolle spielen.

Ansonsten habe ich eigentlich noch zwei langwierige Fantasygeschichten in Planung und möchte zwei ältere Manuskripte umarbeiten.

Und zwischendurch möchte ich ein paar Ideen in Kurzgeschichten umsetzen, aber das ist noch in der Schwebe.

Liest Du selbst auch viel in diesem Genre? Hast Du ein Lieblingsbuch bzw. einen absoluten Geheimtipp?

Ja, ich lese auch viel in dem Genre, eigentlich kreuz und quer. Mir gefallen Chris P. Rolls Bücher sehr gut, ich mag ihren Stil. Lieblingsbuch direkt ist sehr schwer, weil mir auch Bücher aus anderen Bereichen gut gefallen. Sehr beeindruckt hat mich die Kushiel Saga von Jaqueline Carey. Ein Geheimtipp ist für mich „Ein Weltreich zu erobern“ von Mary Renault. Das ist die Geschichte der Liebe von dem Diener Bagoas zu Alexander dem Großen. Absolut schönes Buch! Und wen ich irre gern lese, obwohl es Kurzgeschichten sind: P.H. Lovecraft. Das sind die absoluten Horrorstorys überhaupt!

Wie sieht Dein Schreiballtag aus? Hast Du ein besonderes Ritual?

Ich versuche eigentlich jeden Tag etwas zu schreiben. Wenn das aus beruflichen Gründen nicht funktioniert, verbessere ich bereits Geschriebenes oder feile an Passagen herum, die mir noch nicht gefallen. Wenn ich tatsächlich mal ein paar Tage nicht dazu komme, werde ich kribbelig. Das Schreiben ist für mich ein super Ausgleich zu meinem anstrengenden Job und ich brauch das regelrecht.

Ein Ritual direkt gibt es nicht. Ich brauche halt Ruhe. Wenn ich den Umgebungslärm, der ja auf dem Dorf ohnehin eher gering ist, mal nicht abstellen kann, setz ich mir meinen Ipod auf und lenke mich ab. Was übrigens auch hilft, wenn ich in einer Geschichte mal den Faden verliere. Irgendwie hat jedes Buch bei mir eine eigene Musik. Was bei „Silver“ recht lustig war, weil ich oft Duddelsackmusik laufen ließ.

Wie geht Deine Familie und Dein Freundeskreis damit um, dass Du homoerotische Geschichten schreibst? Sind das Deine größten Fans?

Mein Freundeskreis sieht das eigentlich recht locker, ebenso meine Familie. Da überwiegt inzwischen der Stolz auf „Silvers“ Erfolg. Einige haben es gelesen, auch Kolleginnen. Ansonsten ist es hier etwas zwiespältig. Viele, denen ich es erzähle reagieren zwar cool und sagen sie finden es gut, aber wir sind halt doch auf dem Land und sie halten sich zurück.

Letzte Worte an Deine Fans.

Ich möchte mich einfach für die Begeisterung bedanken. Das „Silver“ so gut ankommt und Mike und Jamie so beliebt sind, bedeutet mir natürlich unheimlich viel. Es macht unheimlichen Spaß Rückmeldungen dazu zu bekommen. Jetzt bleibt mir nur zu hoffen, dass die Nachfolger ebenso gut aufgenommen werden und den Leser Spaß machen.

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Liebe Martina, vielen Dank für Deine Zeit und das ausführliche und spannende Interview. Ich freue mich schon darauf, mehr von Dir zu lesen.

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