Monday thoughts #62 – Das ist wie Topfschlagen im Minenfeld

AchtungRezensionVon was ich spreche? Vom Rezensieren. Das ist ja die letzten Monate zu einer gefährlichen Aktivität geworden.

Der Trend zum „Nicht-Rezensieren“ hat stark zugenommen. Ich hab schon von vielen Lesern gehört, die gar nicht mehr rezensieren bzw. nur noch, wenn  sie dem Buch die volle Punktzahl geben können. Viele Autoren, die selbst lesen, rezensieren auch nicht mehr.

Woran liegt das?

An den Reaktionen der AutorInnen, die immer schlimmer werden. Beleidigungen, Anfeindungen und öffentliche Hetze, sind nur kleine Beispiele aus dem unerschöpflichen Vorrat des „Rezensenten fertigmachen“ – Repertoire . Zum Glück sind das nur wenige, die so extrem reagieren, dennoch kann man schon deutliche Konsequenzen spüren.

Was vielen AutorInnen nicht klar zu sein scheint, ist, dass sie sich, mit der Veröffentlichung ihres Buches, auch der öffentlichen Meinung stellen. Und jeder Leser hat das Recht das Buch zu bewerten und Stellung zu seiner Entscheidung zu nehmen. Eine schlechte Bewertung bedeutet nicht, dass das Buch Mist ist. Es wurde entweder nicht der Geschmack getroffen oder es sind eben Fehler da. Vielleicht sollte man vor dem verbalen Rundumschlag, erstmal darüber nachdenken, ob an der Kritik was dran sein könnte.

Eine Rezension ist Werbung und gerade Selfpublisher können doch gar nicht genug Werbung machen bzw. bekommen. Was, wenn jetzt keiner mehr, aus Angst vor den Folgen, rezensieren würde? Das kann doch nicht Sinn und Zweck der Sache sein. Kritik ist kein persönlicher Affront, sondern eine Art Hilfestellung bzw. Erklärung, warum so entschieden wurde. Es gibt sogar Leser, die sich von schlechten Rezensionen anlocken lassen und genau deshalb das Buch kaufen und lesen.

Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die willkürlich schlecht bewerten oder besser gesagt, das Buch in ihrer Rezension zerreissen. Das ist sehr unschön und auch absolut respektlos. Aber danach alle anderen, die keine volle Punktzahl vergeben, beleidigen oder von den eingefleischten Fans demontieren zu lassen, ist auch nicht die feine Art.

Aber zum Glück gibt es auch AutorInnen, die dankbar sind, wenn sie konstruktive Kritik bekommen. Die ihren Nutzen daraus ziehen. Vielen Dank. Das ist eine willkommene Abwechslung und zeigt, dass hier die Mühe und Zeit des Rezensenten gewürdigt wird. So sollte es auch sein. Es bringt ja nichts, wenn einem jeder Honig ums Maul schmiert. Da kann sich dann ja nicht wirklich was weiterentwickeln.

Interessant ist auch ein neuer Umgang mit Rezensionen. Das „Darüber hätte man doch reden können.“ 😉 Da gehts aber nicht darum, sich über die Kritik zu unterhalten, sondern eher darum, die Rezension verschwinden zu lassen. Ja, ihr habt richtig gehört. Einige AutorInnen finden es sehr unattraktiv neben ihren zweizeiligen 5* Rezensionen, eine ausführliche 2/3* Rezension zu sehen. Das geht ja auch gar nicht! Die Masche: Schlechtes Gewissen machen und hoffen, dass der Rezensent darauf reinfällt und die Rezension ändert bzw. löscht.

Ihr könnt gerne mit mir reden, wenn ihr Fragen zu einer Rezension habt. Ich kann Euch gerne noch mal ausführlich meine Kritikpunkte, wenn es welche gibt, darlegen. ABER an der Bewertung ändert das nichts.

Das Lesen und Rezensieren sollte nicht in einen Krieg ausarten. Es geht doch um unser aller liebstes Hobby: die Bücher!

Dank Facebook und Co. ist es ganz leicht, viele Leute zu erreichen. Leider nutzen viele das auch aus und verletzen Menschen, wenn ihnen was nicht passt. Das finde ich einfach nur respekt- und niveaulos. Manch einem scheint auch nicht bewusst, wie das auf andere Menschen wirkt. In den letzten Wochen haben sich ein paar Autoren extremst in die Nesseln gesetzt, aber das scheint ihnen gar nicht klar zu sein. Vielleicht wird es das, wenn sie die Konsequenzen spüren. Leserverlust ist nur eine davon.

Liebe AutorInnen, ich bewundere Eure Arbeit. Da ich selbst seit einiger Zeit an meinem ersten Buch schreibe, weiß ich, wie viel Herzblut und Energie darin steckt. Aber es ist absolut kontraproduktiv, diejenigen zu beleidigen und zu verprellen, auf die ihr angewiesen seid. Die Leser. Denkt mal darüber nach.

22 Gedanken zu “Monday thoughts #62 – Das ist wie Topfschlagen im Minenfeld

  1. Ginva schreibt:

    Danke für diesen Beitrag. Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich selbst gehöre mit zu den Lesern, die sich nicht mehr trauen, eine Rezension zu verfassen, aus Angst, negative Reaktionen zu erhalten. Dabei sollten gerade die Selbstpublisher froh um jede Rückmeldung sein, weil sie über eine große Leserschaft Ansätze bekämen, um an den Schreibfähigkeiten zu feilen. Nur weil jemand ein Buch veröffentlicht, heißt das doch noch lange nicht, dass es gut ist. Wie viele Bestsellerautoren werden kritisiert? Ich denke da gerade an „Shades of Grey“ oder auch andere Werke. In meinen Augen stellt doch gerade die unterschiedliche Sichtweise auf ein Werk einen guten Ansatzpunkt dar, um sich konstruktiv darüber auszutauschen. Wenn der Autor das Bedürfnis verspürt, den Rezensenten oder den Leser über das Zustandekommen seiner Meinung zu befragen, könnte er doch eine FB-Gruppe oder dergleichen einrichten, um sich auf einer sachlichen Ebene über die Kritikpunkte mit den Lesern auszutauschen.
    Das aktuelle Gebaren verleidet mir aber auch die Lesefreude, weil ich mich dabei ertappe, dass ich einige Autoren aufgrund ihres Verhaltens nicht mehr unterstützen kann, obwohl ich deren Werke gerne gelesen habe. Das kann es doch nicht sein. Zumal die „Community“ in dem Genre, auf welches du Bezug nimmst, auch so klein ist, dass jede Zwistigkeit droht, großen Schaden zu hinterlassen. Zudem finde ich es auch immer sehr „lustig“, wenn sich die Autoren in ihren Werken mit dem Thema „Toleranz“ beschäftigen, sich aber intolerant dem kritischen Rezensenten gegenüber verhalten. Hinzu kommt noch eine Sache, die auch nicht gut für das Genre ist. Die meisten Rezensionen erscheinen mir gefällig. Ich bin schon so oft auf ein Buch hereingefallen, weil ich vorher die Fünf-Sterne-Rezensionen gelesen und ihnen Glauben geschenkt habe. Genau diese Werke meide ich, wenn ich den Autor nicht schon von früheren Büchern kenne und weiß, dass er gut schreibt. Neulinge, die über den Klee gelobt werden, bekommen von mir aber schon keine Chance mehr, aus der Angst heraus, mein Geld nicht gut angelegt zu haben.
    Ich gelobe mir auch die Autoren, die sich lesernah zeigen und denen eine ehrliche Rückmeldung wichtig ist.

    • bigeyesramona schreibt:

      Ganz meine Meinung. Auch die ganz großen Beststellerautoren müssen Kritik einstecken. Da kommt niemand drum rum.

      Schade ist es allerdings, da hast du vollkommen recht, dass diese wenigen Negativbeispiele dem Genre großen Schaden zufügen.
      Auch die ganzen Gefälligkeitsrezensionen stellen vieles in ein schlechtes Licht und ich hab mich auch schon öfters geärgert, wenn ich ein Buch kaufe, das nur gute Rezensionen hat, aber eigentlich grottenschlecht ist.
      Da kommt automatisch die Frage auf, ob ich ein anderes Buch gelesen habe oder ob die Leser überhaupt noch in irgendeinerweise reflektieren.

  2. Bianca Nias schreibt:

    Hi Ramona,
    ich denke, dass jeder, der schon einmal eine schlechte Kritik bekommen hat, weiß, wie sehr das schmerzen kann. Man hat wirklich viel Arbeit, viel Zeit und Herzblut in sein Schaffen gelegt und fühlt sich durch manche Kritikpunkte vielleicht persönlich angegriffen, gerade weil man den einen oder anderen Kritikpunkt selbst gar nicht nachvollziehen kann. Man hat als Autor einen ganz anderen Blick auf das Geschriebene, als mancher Leser.
    Ehrlich – wenn ich in der gleichen Zeit, die ich in meine Autorenarbeit stecke, einem Putzjob nachgehen würde, hätte ich rein finanziell mehr davon 🙂 Also ist es doch etwas anderes, was mich antreibt – der Spaß an einer guten Geschichte. Und wenn die dann in Einzelheiten zerlegt und jedes Wort (und jeder Schreibfehler, der beim hundertfachen drüberlesen durchrutschte) bewertet und angeprangert wird, ist das schon bitter.
    Trotzdem gehöre ich zu denjenigen, die sich von einzelnen Kritikpunkten durchaus angesprochen fühlt und merkt: Ach ja, da hätte ich deutlicher werden müssen, da kamen die Gedanken und die Gefühle meines Protas offenbar nicht richtig rüber…..und so weiter.
    Auch ich hatte vor der Veröffentlichung meines Buches nicht erfassen können, wie viel man von sich selbst einer Öffentlichkeit preisgibt. Leute, die dich nicht einmal kennen, reden plötzlich mit einem (was mich immer freut) oder über einen (was ich nicht gerade toll finde).

    Letztens habe ich in meinem ‚richtigen‘ Beruf von einem der Chefs eine „übergebraten“ bekommen und habe zwei Tage gebraucht, um mich mental davon zu erholen. Danach habe ich eingesehen: die Kritik selbst war berechtigt (ich hatte eben einen blöden Fehler gemacht), nur der Ton und die Art und Weise, mich vor anderen Kollegen anzufahren und bloßzustellen, war wirklich nicht in Ordnung. Aber Chefs sind auch nur Menschen, die einen haben einen guten Führungsstil, die anderen weniger.

    Was ich damit sagen will: der Ton macht die Musik. Solange eine schlechte Kritik in höflicher, sachlicher Form vorgetragen und begründet wird, sollte eigentlich jeder damit klar kommen.
    Und dass es Autoren gibt, die in völlig überzogener, herabwürdigender Art (und schlimmstenfalls auch noch in der Öffentlichkeit!) dagegen schießen … ein solches Verhalten finde ich ebenfalls stil- und respektlos. Und sowas kann doch dem Autor selbst eher schaden, als nutzen.

    Letztendlich bleibt es nur bei einer Wahrheit : In der Literatur ist alles eine Geschmackssache.

    Liebe Grüße,
    Bianca

    • bigeyesramona schreibt:

      Hallo Bianca,

      du hast vollkommen recht, der Ton macht die Musik. Eine schlechte Bewertung muss nicht beledigend oder demütigend sein, sondern eher eine Hilfestellung für den Autor. Damit der weiß, was er sich vielleicht anschauen sollte. Oder eben halt die Rückmeldung, dass es nicht dem Geschmack entsprochen hat.

      Kritik ist hart, aber es kommt halt wirklich darauf an, in welcher Art und Weise sie rübergebracht wird.

  3. M. S. Kelts schreibt:

    M. S. Kelts

    Also ich bin ja noch sehr neu hier, aber über den Umgang miteinander teilweise echt erschrocken. Im Grund machen wir doch alle das Gleiche: wir beschäftigen uns mit Büchern. Die einen lesen, die anderen schreiben. Es ist jammerschade, das manche, die schreiben, sich irgendwie über die breite Masse hinweg heben müssen. Dazu gibt es keinen Grund.
    Wie oben bereits genannt, nicht jeder mag das selbe Buch, ich mag auch keine Muscheln, ein anderer liebt sie.
    Ich freue mich über jede Rezension. Was mich betrübt ist, wenn ich lesen muss, dass man einem Buch, das zu viele gute Bewertungen hat, schon gar keine Chance gibt, weil es ja Gefälligkeitsrezensionen sein können.
    Hallo? Ich kenne bis heute keinen der Autoren und nur extrem wenige Leser persönlich, was verspricht sich jemand von so einer Gefälligkeit? Wenn ich einem Autor verbunden bin und sein Werk bewerten soll, es aber weniger gut finde, tue ich es entweder privat, oder gar nicht, aus eben jenen Gründen.
    Ich bitte wirklich jeden: rezensiert weiter! Nur so kann ich doch sehen, was ich falsch, oder unverständlich geschrieben habe. Und ich muss auch nicht darüber mit dem Leser diskutieren, außer er wendet sich an mich direkt. Es ist ihr gutes Recht, etwas gut, oder schlecht zu finden.
    Und wie oben angedeutet: Wo wären wir Autoren ohne euch? Ohne Leser und Menschen die sich von unseren Geschichten mitreißen lassen und sie dann auch bewerten? Es gäbe uns schlichtweg nicht! Punkt!
    Ein klein wenig Bodenhaftung und Dankbarkeit wäre echt angebracht und ein sehr viel größerer Brocken von der viel genannten Toleranz.

    Liebe Grüße aus Süddeutschland
    M.S. Kelts

    • bigeyesramona schreibt:

      Ja, der Umgang ist tweilweise echt heftig.
      Es gibt halt wirklich viele Autoren, natürlich auch in den anderen Genres, die schon lange die Bodenhaftung verloren haben und jede Kritik als persönlichen Affront sehen und sofort um sich schlagen.

  4. Maria Stein schreibt:

    Ja, diese Tendenz immer nur, wenn überhaupt eine 5 Sterne-Rezension zu schreiben, erkenne ich auch und sie geht mir gehörig auf die Nerven.

    Als Vielleserin und neuesten auch Autorin finde ich kritische Rezensionen gut.
    Als Leserin bewahrt es mich Bücher zu lesen, die ich mit großer Sicherheit nicht mögen würde. Manchmal wenn die Rezensionen so vernichtend sind, mache ich mir den Spaß und lese das Buch trotzdem – man lernt auch so einiges.
    Als Autorin hilft es mir, mich weiter zu entwickeln.
    Das mein Stil und meine Geschichte nicht allen gefällt, damit muss ich leben können. Im richtigen Leben ist das nicht anders, da kann man es auch nicht allen Recht machen.
    Wer immer nur Lob ohne Kritik hören will, bleibt in seiner Entwicklung stehen. Heuchelei finde ich viel schlimmer als ein offenes Wort.

    Also Mut zu 4-2 Sternen-Rezensionen und bitte schreibt ruhig mehr als nur zwei Zeilen.

    Liebe Grüße
    Maria Stein

    • bigeyesramona schreibt:

      Hallo Maria,

      ja, leider ist es der neue Trend überall 5* zu vergeben. Gerechtfertigt oder nicht, sei mal so dahin gestellt.
      Eigentlich schade, denn so hat der Autor vielleicht einige gute Rezis, aber noch ne Menge mehr verärgerter Leser, die sich auf die Rezis verlassen haben und nun bereuen das Geld überhaupt ausgegeben zu haben.

      • Maria Stein schreibt:

        5 Sterne vergebe ich nur an Roman, die handwerklich gut sind (sorry ich tue mich auch schwer mit Orthographie, dass ist aber keine Entschuldigung, dann nimmt man sich doch einfach ein Korrektorat oder lebt mit einem Stern weniger), auch eine gute Story haben und dazu mindestens ein Charakter enthalten, der mir gefällt.

        Eine Rezension ist immer subjektiv und das ist auch gut so. Ich mag zum Besispiel keine zuckersüssen Liebesgeschichten, andere mögen genau das! Anhand den ausführlichen Renzensionen kann man gut feststellen wie ein Roman so tickt oft besser als durch die Kurzbeschreibung des Autors. Als Leser bin ich also über kritische und etwas längere Rezenzionen dankbar.

        Wie schon gesagt ich kann damit gut leben, dass mein Roman nicht allen gefällt, dazu ist er auch zu polarisierend geschrieben. Das Buch muss in erster Instanz mir gefallen. Da will ich auch kein Kompromiss machen, wenn es anderen auch gefällt umso schöner.
        Handwerklich muss ich sicherlich noch einiges dazulernen. Dafür bin ich über jede kritische Stimme dankbar, die mir hilft, mich weiter zu entwickeln.

        Liebe Grüsse
        Maria Stein

  5. Bianca81 schreibt:

    Oha, ganz ehrlich? Ich hab davon noch nichts mitbekommen! Also ich hab schon öfter gelesen, dass manche von Autoren oder Fans angegriffen wurden, weil sie ein Buch negativ bewertet haben. Aber mir selbst ist das noch nicht passiert, und ich hab es auch noch nirgendwo wirklich gesehen (Und ich gucke eigentlich in viele Bücherblogs rein, aber natürlich auch nicht jeden Tag jeden Eintrag.).
    Das ist sehr schade, wenn Leute deshalb aufhören, Rezensionen zu schreiben! Da ich wie gesagt damit noch nie konfrontiert wurde, werde ich auch weiterhin rezensieren, auch wenn meine Rezis scheinbar keiner liest. 😀

  6. France Carol schreibt:

    Machen wir uns doch nichts vor, 80 % der Rezis sind Gefälligkeiten. Nicht, dass ich behaupten will, dass diese positiven Kritiken ‚gekauft‘ wurden, aber natürlich will ein Leser dem Autor, mit dem er vielleicht auf FB ‚befreundet‘ ist und den er mag, eine Freude bereiten, nicht wahr?

    Nicht wenige Autoren machen sogar Aufrufe, um Rezis (natürlich positive) zu ergattern, aber wozu? Vielleicht um Umsätze zu steigern und an Achtung zu gewinnen, was natürlich absolut zulässig ist. Rezis sind somit selten wirklich objektiv, sondern wohl eher subjektiv. Eine gewisse Objektivität kann lediglich erlangt werden, wenn man eine Kritik immer nach den gleichen Massstäben verfasst (z.B. Aufbau der Story, Rechtschreibung, Preis/Leistung usw.). Leider ist dies höchst selten der Fall! Ich habe sogar schon Rezis gelesen, die wirklich unter die Gürtellinie gingen, weil sie den Autor persönlich angegriffen haben.

    So gesehen sind mir Rezis eigentlich eher suspekt. Es kommt natürlich immer darauf an, weshalb jemand schreibt und wie sein Ziel aussieht. Will ich Ruhm und Ehre? Möchte ich mein Einkommen aufbessern? Wenn ja, dann sind positive Rezis und wohlgesonnene Blogger ein ‚MUSS‘.

    Doch nicht jeder hat diese Ambitionen. Manche schreiben ‚just for fun‘ und weil sie meinen, etwas sagen zu wollen! Ich erhalte Feedbacks zu meinen Storys meist per PN oder Mail, was für mich persönlich absolut ausreicht, denn ich will lediglich wissen, ob das, was ich mit meiner Geschichte ausdrücken wollte, auch beim Leser angekommen ist. Somit kann es durchaus sein, dass eine Rezi über ein heikles Thema wie zum Beispiel Nationalsozialismus nicht gut ausfällt, aber damit hat die Story genau das an Empfindungen hervorgelockt, was beabsichtigt war. Für mich ist somit das Ziel erreicht.

    Auch ich habe früher sehr viel in diesem Genre gelesen und rezensiert, doch mittlerweile ist mir die Freude daran vergangen. Nicht wegen möglicher Anfeindungen gegen meine Person, damit kann ich umgehen, weil ich zu meiner Meinung stehe. Sondern viel eher, weil ich sehe, wie man oft schon einen Jungautor damit demoralisiert, nur weil zu viele Schreibfehler in seiner Story vorzufinden waren. Natürlich geht es dabei immer um den Ton, den der Kritiker anschlägt, doch allzu oft muss ich miterleben, dass man sich dabei einfach vertut.

    Schade, denn gerade all die neuen Schreiberlinge haben doch so viel Farbe in dieses Genre gebracht! Selbstverständlich entspricht es der Tatsache, dass Schreibfehler vermieden werden sollten, aber was, wenn es der Autor nicht besser kann und sich auf Betas verlässt, die behaupten, es zu können? Ich selbst weiss, wie es ist, wenn man die Sprache nicht wirklich beherrscht, komme ich doch aus der Schweiz und musste in den letzten Monaten an der deutschen Sprache, wie ich sie in meinem Land lerne, einiges ändern (ich sag bloss dieses verflixte Doppel-S, das bei uns inexistent ist und mir oft vorgeworfen wurde).

    Das Genre ‚Gay‘ ist im Moment noch sehr klein. Jeder kennt fast jeden und somit haben FB-Freunde und Blogger nun einmal sehr viel Macht. Aber will man sich wirklich von der Gunst virtueller User beeinflussen lassen? Nun, das ist etwas, was wohl jeder mit sich selbst ausmachen muss. Ich für meinen Teil habe erkannt, dass Rückzug für mich persönlich das Beste ist, denn die ewigen Streitigkeiten, die manchmal über zahllose Plattformen (FB, Bx, Blogg und Amazon) ausgetragen werden, sind ermüdend und nicht nach meinem Geschmack. Ich wollte ursprünglich Spass haben und mein Hobby mit jemandem teilen, doch wiedergefunden habe ich mich zuweilen in einer Grube voll Missgunst, Bösartigkeit und Neid, was mir immer mehr zusetzt.

    So gesehen sind es also nicht nur Rezensenten, die von Autoren fertiggemacht werden können, sondern auch der umgekehrte Fall ist eine Tatsache. Warum aber muss das denn sein? Für mich ist eine Story, die mir persönlich nicht gefällt, nicht automatisch schlecht. Alles ist eine Geschmackssache, nicht wahr?

    Hier wird die Frage gestellt: Was, wenn jetzt niemand mehr aus Angst vor Folgen rezensiert? Ich stelle die Gegenfrage: Was, wenn niemand mehr aus Angst vor mutwilligen Rezensionen schreibt? Beides dürfte wohl für niemanden von Interesse sein!

    In diesem Sinne appelliere ich an die Vernunft beider Seiten, damit Leser wie auch Autor weiterhin Freude daran haben, Fantasien niederzuschreiben oder sie zu lesen. Persönliche Angriffe (auch wenn keine Namen genannt werden) gehören auf keine Plattform, sondern – wenn sie denn ausgetragen werden müssen – bitte per Mail oder PN.

    Abschliessend sei noch etwas erwähnt: Hinter einem Autor, genauso wie hinter einem Rezensenten steckt ein Mensch mit einem Reallife, in dem er Höhen und Tiefen zu durchleben gilt. Einer wie der andere ist nicht jeden Tag guter Laune und vertut sich mal in seinem Ton. Wie also soll man damit umgehen, wenn man gerechtfertigt oder auch ungerechtfertigt in die Schusslinie gerät? Ich für meinen Teil halte es mit Nachsicht und versuche herauszufinden, ob es wirklich ein persönlicher Angriff oder nicht eher nur eine schlechte Phase des anderen ist!

    France Carol

    • bigeyesramona schreibt:

      Hallo France,

      ich kann deine Punkte stellenweise nachvollziehen. Ich versuche mal der Reihe nach darauf einzugehen.

      – Die Gefälligkeitsrezensionen sind ein wirklich großes Problem, weil es eben die eigene Meinung verfälscht.
      Ich hab kein Problem auch mal ne schlechte Bewertung zu geben für Autoren mit denen ich auf FB befreundet bin. Gerade denen sollte man doch ein wirklich sehr ehrliches Fazit zukommen lassen. Das bringt für beide Seiten nichts, wenn man sich in die Tasche lügt.
      Leider ist es auch so, wie du sagst. Viele Autoren werben mit Rezi-Exemplaren und fischen geradezu nach positiven Bewertungen und wenn das nicht klappt, dann redet man dem Rezensenten eben ein schlechtes Gewissen ein.

      – Ich persönlich finde Rezis eigentlich ganz wichtig. Sie sind nicht ausschlaggebend für den Kauf, aber ich lese sie dennoch sehr aufmerksam, damit ich weiß, was auf mich zukommt.
      Mir persönlich wurde schon vorgeworfen, dass ich meinen Blog nur betreibe, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das stimmt nicht. Ehrlich gesagt bin ich ein sehr ruhiger und ernster Mensch, der alles andere als gerne im Mittelpunkt steht. Ich bin am meisten davon überrascht, dass überhaupt jemand meinen Blog liest. Aber es macht mir einfach unglaublich Spaß.
      Dahinter steckt ganz sicher nicht der Antrieb Autoren zu schädigen, sonst wäre ich ja blogtechnisch bald arbeitslos.

      – Ich bin auch der Meinung, dass man sehr auf seinen Ton achten muss. Auf beiden Seiten. Auch eine schlechte Rezension kann positiv gehalten werden und wenn du dir mal meine Rezis ansiehst, dann weißt du, dass ich diese noch nie als Waffe benutzt habe.

      – Wenn ich Rechtschreibfehler in meine Rezension mit einbeziehe, dann aus zwei Gründen, die beide nichts damit zu tun haben, den Autor zu schädigen oder demontieren.
      1. Es sind sehr viele Rechtschreibfehler, Zeitenfehler, grammatikalische und auch konjugative Abweichungen, die so gehäuft auftreten, dass es nicht mehr feierlich ist. Ich sehe nämlich oft auch mal über kleine Fehler hinweig, wenn mir die Geschichte super gefällt.
      2. Meine Leser verlassen sich darauf, dass ich ehrlich bin und man sollte immer das komplette Buch bewerten, dazu gehört halt auch das Handwerk. Wenn ich jetzt ein Buch anpreise, das viele Fehler aufweist und ich das unerwähnt lasse und die kaufen das dann, dann hauen die mir das um die Ohren und fragen sich, ob ich noch ganz bei Trost bin.

      Ich hab im Text schon erwähnt, dass man sich als Autor der Öffentlichkeit stellt und das gilt auch für Jung- und Hobbyautoren. Was bringt es denn, wenn man denjenigen die Fehler einfach so durchgehen lässt. Man muss sich auch kritisch mit seiner eigenen Leistung auseinandersetzen. Muss ich in der Wissenschaft auch, wenn ich was veröffentliche.

      Ich hab am WE eine Kurzgeschichte gelesen, die hat nur so gestrotz vor Fehler und ich war einfach nur genervt. Im Vorwort stand noch ein Danke an den Beta. Ganz ehrlich, wäre das mein Beta gewesen, ich hätte ihm das um die Ohren gehauen.

      Natürlich ist das oftmals eine Kettenreaktion. Wenn man selbst nicht ganz so schreibfest ist, weshalb auch immer, und dann hat man noch einen Beta, der zuviel Stücke auf sich selbst hält. Ja, dann ist man echt verloren.

      – Es gibt viele Fälle, da hast du recht, da wird der Rezensent sehr ausfällig. Das ist ebenso respekt- wie niveaulos. Da schenken sich beide Seiten nicht wirklich viel, aber wie oben schon erwähnt, benutze ich meine Rezis nicht als Waffe.

      – Deine Gegenfrage kann ich absolut nachvollziehen. Das kann natürlich auch sein. Für beide Seiten ist der derzeitige Zustand nicht wirklich hilfreich.

      – Zu deinem letzten Punkt. Ja, auf beiden Seiten verbergen sich Menschen mit Gefühlen.Das sollte nie vergessen werden!

  7. Sven schreibt:

    @France Carol, natürlich sind Buchbesprechungen immer subjektiv. Es ist immer die persönliche Meinung, die in eine solche Bewertung eingeht und diese Meinung ist auch immer von sehr vielen Einflüssen geprägt. Eine objektive Betrachtung ist deswegen nicht wirklich möglich und wäre auch Langweilig.

    Wer sich einen ersten Eindruck von einem Buch machen möchte, der sollte immer mehrere Buchbesprechungen lesen. Nur so ist es möglich, sich wirklich ein Bild vom Buch zu machen, eben weil Buchbesprechungen immer subjektiv sind.

    @All:

    Das ist inzwischen der zweite Artikel den ich über Bücherblogs lese, der von irgendwelchen Problemen spricht. Ich kann dann wohl froh sein, dass mein Bücherblog, der schon 10 Jahre im Netz ist, noch relativ unbekannt ist, denn ich kenne die Probleme nicht wirklich. Ich wurde noch von keinem Autoren angeschrieben, weil ich sein Buch nicht mochte, aber es ist auch nicht mein Ziel, die Autoren fertig zu machen, sondern ich möchte meine Leseeindrücke teilen.

    Gruß,
    Sven

    • bigeyesramona schreibt:

      Sven,
      da hast du vollkommen recht. Eine Rezension ist immer die ganz eigene Meinung des Lesers.
      Wäre ja schlimm, wenn alle das gleiche mögen würden.

      Wenn du noch keine Probleme hattest, ist das doch toll.
      Ich hatte bisher auch nicht wirklich ein Problem und ich versuche mit meinen Rezis auch niemanden fertig zu machen.

      • Sven schreibt:

        Da kann ich dann nur sagen, wenn die Autorin keine Kritik vertragen kann, sollte sie keine Bücher veröffentlichen. Wer sich der Öffentlichkeit stellt, der wird nicht nur positive Kritiken bekommen, es werden auch immer negative Kritiken dabei sein und damit sollte ein Autor/eine Autorin leben können.

      • bigeyesramona schreibt:

        Ja, genau meine Meinung. Das hab ich ja im Beitrag selbst auch schon gesagt.
        Wenn ich einen wissenschaftlichen Text veröffentliche, muss ich auch mit Kritik rechnen.
        Das ist immer so, wenn man was publiziert.

  8. Norma schreibt:

    Hallo Ramona,

    was mich an kritischen Rezensionen „stört“ ist nicht die Rezension an sich. Es sind die Punkte, Sterne, (ja nach Plattform), die eine so extrem plakative Signalwirkung entfalten, dass die Chancen des Buchs am Markt praktisch in den Keller gedrückt werden. Ein oder zwei Punkte sind sehr viel auffälliger als vier oder fünf Punkte. Freilich gibt es auch Leute, die ein Buch gerade kaufen, wenn es nur ein oder zwei Punkte hat. Die sind aber in der Minderheit.

    Das System ist eben so und als Autor hat man damit zurechtzukommen. Da kann man sich dann einen Sekt, Schnaps, Cocktail oder Martini zum Trost reinziehen (ja nach persönlichem Geschmack), noch ein bisschen privat grummeln und dann muss auch gut sein.

    Wir Autoren und Blogger sind in der Unterhaltungsbranche und beleidigte Leberwurstgefechte sind nur bedingt unterhaltsam. Die Leserinnen und Leser wollen oft einfach auch nur in guter Stimmung von uns informiert werden. Sorgen wir also dafür, dass die miese Stimmung im Kämmerlein bleibt. Und wer lächelt, bekommt ein Lächeln zurück :-))

    Liebe Grüße
    Norma

    • bigeyesramona schreibt:

      Hallo Norma,

      ja, die Bewertungssysteme sind etwas anprangernd.
      Aber ein Stern oder auch zwei, heißt ja nicht, dass das Buch total Mist ist.

      Ich hab z. Bsp. „Der Duft der Omega-Wölfe“ mit einem Stern bewertet. Warum? Weil es mir wirklich viel zu extrem war. Für mich was das Lesen unerträglich. Das hat aber nichts mit dem Buch zu tun. Ich hab auch erwähnt, dass es handwerklich sehr gut ist. Es gibt da aber auch unglaublich viele 5 Sterne Rezis von Lesern, die das Buch toll fanden.
      Das ist eben alles Geschmackssache.

      Du hast schon recht, dass man solche Kleinkriege nicht in der Öffentlichkeit austragen sollte.

  9. j125 schreibt:

    Ich will gar nicht so viel zu deinem Beitrag sagen, in den meisten Punkten sprichst du mir aus der Seele!
    Zu dem „darüber hätte man doch reden können“-Abschnitt. Wenn ich (gerade bei Amazon) sehe, dass ein Buch nur fünf Sterne bekommen hat, schau ich mir das meistens gar nicht näher an bzw. überfliege nur ein oder zwei Rezensionen. Vielleicht manchmal zu Unrecht, weil es sicher auch Bücher gibt, die so gut sind, dass (fast) alle Rezensenten das Buch mit fünf Sternen bewerten, aber grundsätzlich macht mich das skeptisch. Außerdem schaue ich mir sehr gern an, was andere an dem Buch nicht so gut finden, weil ich daran viel besser entscheiden kann ob das Buch mir gefallen könnte oder nicht. Vielen fällt es oft leichter Kritikpunkte darzustellen, als positives (vor allem wenn einem das Buch wirklich richtig richtig gut gefallen hat). Da nützt mir ein: „Mir hat das Buch nicht so sehr gefallen, weil der Schreibstil zu poetisch war.“ mehr, als ein „Das Buch ist so super, der Schreibstil ist so toll“.

    Einen schönen Samstag wünsche ich dir,
    Julia

    • bigeyesramona schreibt:

      Hallo Julia,

      das sehe ich auch so. Am aussagekräftigsten sind ausführliche Rezensionen, sei es positiv oder negativ.
      Ich hab auch erst kürzlich ein Buch gelesen, da war alles voll von 5 Sterne Rezensionen und am Schluss hatte ich das Gefühl ein ganz anderes Buch gelesen zu haben. Das war sprachlich eine Katastrophe. Entweder reflektieren die Leser nicht mehr oder sie wollen den Autor nicht verletzen. Nur helfen sie ihm nicht dabei. Leider.

  10. Suey schreibt:

    Ich bin gerade über einen anderen Blog auf diesen Artikel gestoßen und find deine Meinung 100% korrekt. Gerade dieser Absatz „Darüber hätte man doch reden können“ finde ich besonders bescheuert. Wenn dein Buch nicht überzeugt, wenn du nicht das rüber bringen konntest, was du wolltest, dann hat der Leser das Buch nicht falsch gelesen, sondern du warst einfach als Autor nicht genug. Es hinter her noch mal klären wollen – was bringt das? Vielleicht überzeugt man ja so einen Rezensenten, aber was ist mit der breiten Masse die die Stellen Buch auch anders versteht, als es die Intention war? Man kann ja nicht jedem das Buch erklärem – es muss in sich selbst stimmig sein und hinter her darüber reden zu wollen, ändert nichts an dem eigentlichen Werk.

    Liebe Grüße,
    Susanne

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