Monday thoughts #66 – Wo ist die Grenze?

Grenze1Man hört immer wieder, dass einige Fans ihren LieblingsautorInnen ziemlich auf die Pelle rücken und teilweise sehr intime Fragen stellen bzw. sie gar nicht mehr in Ruhe lassen. Das ist natürlich sehr unangenehm und hat meist zur Folge, dass sich die Autoren etwas abschotten. Das wollen wir aber nicht, oder?

Wenn man ein Buch gelesen hat, bedeutet das nicht, dass man auch den Autor kennt. Natürlich fließen da die Träume, Wünsche, Sehnsüchte, Erinnerungen, Gedanken und Erfahrungen des Autors/der Autorin ein, dennoch gibt es eine klare Grenze zwischen Autor und Protagonist. Ein Buch zu lesen, heißt nicht, dass man das Recht hat sehr private Fragen zu stellen und ihn/sie als „Freund“ oder gar Eigentum zu betrachten.

Das ist wie bei den Schauspielern. Man kennt die fiktive Person, aber mehr nicht. Man weiß nicht, wie der Mensch im realen Leben ist. Wie er fühlt, handelt und lebt.

Ich denke, dass jeder Autor/jede Autorin bereit zu Diskussionen und Gesprächen über ihre Bücher ist, aber das Privatleben sollte privat bleiben.

Ich kenne einige AutorInnen persönlich von den Buchmessen, wie die meisten Blogger/Leser, mit anderen habe ich schon lange regen Kontakt, dennoch würde ich mich nie erdreisten und fragen, was sie so privat „treiben“ (ja, das soll zweideutig klingen), im Sinne von „Ich hab dein Buch gekauft, also lass mich gefälligst an deinem Leben teilhaben„. Hallo?! Klar, manchmal ergeben sich schon private Gespräche, wenn man sich etwas länger kennt und dauernd in Kontakt ist, aber auch das erlaubt keine „frechen“ Fragen oder belästigendes Verhalten.

Viele Autoren lassen die Fans ja schon teilweise an ihrem Privatleben teilhaben. Posten Bilder, Gedanken und die aktuellen Aktivitäten. Das sollte doch reichen, oder?

Wie seht ihr das?

13 Gedanken zu “Monday thoughts #66 – Wo ist die Grenze?

  1. susanbhunt schreibt:

    Da muss ich dir voll und ganz zustimmen. Ich persönlich finde es toll, wenn Autoren nicht so unnahbar sind, wie das vielleicht früher der Fall war (Facebook sei dank), aber wenn man z.B. auf eine Erotikszene angesprochen wird, nach dem Motto: „Du musst aber ein außergewöhnlich intensives Sexleben haben, wenn du so etwas schreibst“, finde ich das echt voll daneben. Ich glaube viele Autoren halten gerne Kontakt mit ihren Lesern und geben auch gerne etwas von sich preis, doch wie du schreibst, es muss da schon Grenzen geben.
    Trotzdem habe ich zum Beispiel durch eine Veröffentlichung eine Freundin gefunden, die ich inzwischen sogar persönlich kenne und die mein Leben bereichert.

    • bigeyesramona schreibt:

      Nee, also das geht ÜBERHAUPT nicht. Man kann doch nicht von der Fantasie des Autors auf dessen Sexleben schließen.
      Sorry, aber da hört der Spaß echt auf.
      So was bespricht man ganz sicher nicht mit Fremden.

  2. Sabine schreibt:

    Ich finde das eine spannende Frage. Wie sensibel sind Autoren auf die Impulse, die von ihren Lesern kommen? Brauchen sie sie vielleicht als Ansporn zum Schreiben?
    Oder schotten sich viele lieber ab, um sich vor den von Dir genannten zu intimen Fragen zu schützen?
    Haben wir Leser da nicht auch eine sehr große Verantwortung?

  3. Arin Moon schreibt:

    Hallo!
    Wie sagt man so schön? Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps.
    Das soll heißen…wer schreibt, der schreibt und das hat nichts oder nicht unbedingt etwas mit dem Privatleben des Autors zu tun. Das sind zweierlei Schuhe.
    Privates zu erfahren, kann sich ergeben, muss aber nicht. Man sollte immer wissen, dass jeder Mensch ein Recht auf Privatleben hat. Dies kann sich einem erschließen, muss jedoch nicht.
    Sicher, wenn man sich persönlich kennt, sei es durch Buchmessen oder woanders her, entsteht eine gewisse Nähe zum Autor. Was jedoch nicht zwingend heißen muss, ihm allzu Nahe zu kommen.
    Letztendlich liegt es an einem selbst, wieviel eine andere Person einem über sich verrät. Plump, derb oder direkt, ist eindeutig nicht der richtige Weg, über jemand etwas zu erfahren.
    Überhaupt, warum will man das? Reicht es nicht, wenn da jemand ist, der schreibt? Sich mitteilt? Intimes dalegt? Das ist doch schon eine ganze Menge, die ein Autor schenken kann, oder?

  4. susi schreibt:

    Vielleicht ist es aber auch nur eine Auslegungssache? Wie empfindlich also ist man? Und ich denke man ist alt genug zu wissen, ob man etwas erzählen will oder nicht! Punkt. Die Fragen können einem so was von Schnuppe sein. Das Ergebnis ist doch wohl entscheidend.

    Ich als Leser und auch als Schreiber hinterfrage ständig irgendetwas. Ob sinnvoll oder nicht! Ob angemessen oder nicht! Aber ich stelle mir die Fragen im Grunde selbst. Und diese Form ist für mich ein Zeichen, dass ich diese Storie gut finde. Denn sie löst in mir eine Reaktion aus. Ein Buch was ich nur lese und es so vorbeifließt ist für mich keine Storie, sondern eine Aneinanderreihung von Wörtern ohne Charme. Und man spürt, ob ein Autor der Story gegenüber distanziert war oder irgendetwas von sich da mit eingeflossen ist. Egal was es ist. Das spielt keinerlei Rolle. Fakt ist nur, dass es dadurch authentischer wird.

    Und die Frage, die man sich zuvor stellen sollte. Abgesehen mal davon, dass Fragen niemals beantworten werden müssen! Will der Leser es wirklich wissen oder sind es Fragen, die durch die Storie aufkommen, weil man sich damit voll und ganz beschäftigt. Aber gar keine Antwort erwartet. Mir geht es jedenfalls so. Ich stelle mir Millionenfragen während des Lesens und die erfährt keiner. Im Idealfall. Sie sind für mich ein wichtiger Teil im auf ich wirken einer Geschichte und ich will das alles gar nicht wissen was ich mich da frage.
    Es ist für mich nur ein interessanter Nebeneffekt, der mir bei meinem eigenen Schreib/Leseverhalten Aufschluss über mich gibt. Denn ich wiederrum für meinen eigenen Schreibstil benutze. Da ich durch andere Bücher erfahre, was mir gefehlt hatte oder was ich berücksichtigen würde wollen. Das heißt lange nicht, dass es mich tatsache interessiert Tut es nicht. Und spätestens nachdem Buch habe ichs bereits wieder vergessen. Denn es ist für mein Leben nicht von Bedeutung ob der Autor dies oder jenes in sein Werk verarbeitet hat oder nicht. Aber für mich sind meine Gedanken und Schlussfolgerungen höchst interessant. Denn ich bin so egozentrisch, dass ich mir selbst das liebste Studienobjekt bin.

    Wenn ich daher an keiner Leserunde teilnehme, dann erfährt glücklicherweise auch keiner davon. Das ist wahrscheinlich der Beste weg. Zurück zu den Wurzeln, als ein Autor nur die Verkaufszahlen sah, aber nicht wusste, was der Rest über seine Werke dachte oder oder oder.

    Autoren müssen durchaus lernen Grenzen zu ziehen. Wer das nicht kann, sollte von vorneherein Vorkehrungen treffen. Nicht umsonst gibt es die Möglichkeit Anonyme zu nutzen und auch anonym zu bleiben. Was also ist mir wichtig? Es gibt in jedem Bereich Vor-und Nachtteile. Will ich in die Öffentlichkeit und kommunizieren. Dann muss mir bewusst sein, dass hier auch eine große Schattenseite auf mich wartet.
    Will ich das nicht. Dann tue ich es nicht. Ein gutes Buch verkauft sich so oder so. Mit oder ohne Werbung. Mit natürlich in deutlich anderen Zahlen.

  5. susanbhunt schreibt:

    Also ganz ehrlich. Ich versteh diesen Kommentar auch nicht so richtig. Es geht doch darum, dass man als Autor ein recht auf Privatsphäre hat oder nicht? Was hat das mit Werbung zu tun?Oder mit Buchverkäufen? Schließlich muss man keinen Seelenstriptease hinlegen und total transparent sein, nur weil man Bücher schreibt. Der Leser kauft ja nicht den Autor, sondern seine Arbeit.

  6. Nadja Bookworm schreibt:

    Hallo 🙂
    Das ist mein Kommentar im Rahmen des Kommentiertages. Ich finde persönlich schon, dass es eine gewisse Grenze immer zwischen Buch und Leben gibt, es sei denn man liest eine Biografie. Man selber möchte ja auch nicht alles über sich preisgeben, wenn man in der Öffentlichkeit steht und jemanden nicht kennt. Ich erzähle ja auch nicht einem „Wildfremden“ etwas über mich, auch wenn er meine Bücher (die ich übrigens nicht habe) lesen sollte. Es ist schon nett von den Autoren über die Social Media heutzutage so in der Öffentlichkeit zu stehen.
    Liebe Grüße,
    Nadja

  7. Nati schreibt:

    Ich sehe das genauso wie du…

    Klar finde ich es toll das heutzutage die Autoren so offen sind und auch auf die ein oder andere Frage antworten und sich mit ihren Lesern austauschen. Aber hey was geht es uns an was sie so ganz privat machen….wir wollen doch auch nicht alles von uns preisgeben 😀

  8. Sonny von Sonnysblogde schreibt:

    Ich sehe es genauso. Autoren können in ihren Büchern eine fixe Idee verarbeiten und diese ausleben, obwohl sie dies nie im realen Leben tun würden. Das ist vollkommen okay, ich würde mich sehr wundern, wenn z.B. Sebastian Fitzek Menschen töten würde, Kai Meyer sich in einen Panther verwandelt oder Antonia Michaelis sich umbringt. Also Abstand muss da schon sein. Ich wundere mich, dass Menschen mit normalen Menschenverstand so verhalten können, es ist, so wie du es beschreibst, schon krankhaft.

  9. Ninespo schreibt:

    Hallo!
    Ich finde die Arikelidee zunächst einmal sehr gut. Ich könnte deinen Artikel auch genau so unterschreiben, wie er hier ist. Ich finde, dass jeder Mensch sein Recht auf Privatsphäre hat und niemand dieses Recht umgehen kann. Ich will auch eigentlich gar nicht wissen, was der Autor so ganz privat gerne macht. Natürlich ist es ganz schön für den Leser, wenn man feststellt: Oh, sie/er macht dasselbe Hobby! Es bringt einem einen Menschen generell näher, wenn man Gemeinsamkeiten hat. Aber über die Figuren auf den Autor zu schließen finde ich dann doch zu weitgedacht. Immerhin kreiieren Autoren gleich mehrere Fuguren pro Buch, welche könnte also die richtige sein? Es muss ja zwangsläufig nicht immer der Protagonist sein.
    Ein wirklich tolles Diskussionsthema. 😉
    Liebe Grüße Ninespo

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