Gay Friday #34 – Moritz Hohenberg ist zu Besuch

Moritzhohenberg

Heute ist Moritz Hohenberg zu Gast. Ein wirklich sehr sympathischer Autor, der mir leider fast durch mein Leseraster gefallen wäre, hätte er mich nicht angesprochen und gefragt, ob ich sein neustes Buch „Dirty Business“ lesen und rezensieren würde. Ich muss gestehen, mich haben die Buchtitel etwas abgeschreckt, aber das ist ja gerade noch gut gegangen. Puh! Ich bin gespannt, was uns noch alles von Moritz Hohenberg erwarten wird. Deshalb hab ich ihm mal auf den Zahn gefühlt.

Bücher

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Die Abschlussprüfung – Ein Lehrer und sein Schüler, kann das gut ausgehen?  /   Der Melker – Stunden der Lust   / Der Knast – Schrei solange du willst   /   Dirty Business – Jetzt wird abgerechnet

Hier gehts zu meiner Rezension zu „Dirty Business“ *klick*

Interview

Lieber Moritz, herzlich willkommen auf meinem Blog. Ich freue mich, Dich hier begrüßen zu dürfen. Stell Dich doch mal kurz vor.

Ich freue mich sehr dein Gast sein zu dürfen und möchte mich recht herzlich für das Interview bedanken.

Geboren wurde ich 1973 in der Nähe von Linz in Österreich. Seit Juli 2013 lebe ich in Virginia, in einem Vorort von Washington DC. Diesen Umstand verdanke ich meinem Mann, der Amerikaner ist und mit dem ich seit 2013 verheiratet bin. Meine heimliche große Liebe ist allerdings eine 35kg schwere Foxhound Hündin namens Dixie, die vor einem Jahr in mein Leben getreten ist und seither jeden einzelnen Tag bereichert. Für sie mache ich mich auch gerne mal zum Kasperl und erfülle ihr soweit es geht fast jeden Wunsch. Gemeinsam mit ihr streife ich täglich zwei Stunden durch die Wälder und genieße die Natur. Ansonsten bin ich ein quirliges, lustiges Kerlchen, das gerne Freunde trifft, viel lacht und eine Leidenschaft für Süßigkeiten und gutes Essen hat.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Bis ich meinen Mann traf, führte ich ein relativ normales, eher langweiliges, Leben mit einem Bürojob in Oberösterreich. Durch die neue Beziehung veränderte sich vieles. Zuerst kam ein Umzug nach Wien, in vollem Bewusstsein, dass das nur temporär sein wird, denn ich wusste, dass mein Mann nur zwei Jahre in Österreich sein wird.

Also überlegte ich damals schon, was ich denn in den USA beruflich tun könnte. Zuerst gab es Überlegungen ein „Wiener-Café“ zu eröffnen, allerdings fehlte mir dafür letztlich der Mut. Dann kam mir die Idee, zu schreiben. Da ich immer viel reiste und einen Faible für London hatte, wollte ich einen entsprechenden Ratgeber verfassen. Er sollte dem Leser zeigen, wie er möglichst günstig seinen London Aufenthalt buchen kann. Während ich an dem Buch arbeitete, kam mir allerdings immer wieder die Idee Gay-Erotik zu schreiben. Irgendwann habe ich dann einfach begonnen an meiner ersten Story zu schreiben und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Meinen Ratgeber habe ich übrigens bis heute nicht beendet. Mittlerweile könnte ich mir das Schreiben aus meinem Leben nicht mehr wegdenken, und wenn ich Mal ein paar Tage nicht zum Schreiben komme, werde ich ganz wunderlich.

Wie sieht Dein Schreiballtag aus? Hast Du ein bestimmtes Ritual?

Ich weiß nicht, ob man es Ritual nennen kann, es ist mehr ein geregelter Ablauf. Zuerst gehe ich morgens immer mit dem Hund raus, das dauert in etwa eine Stunde. Danach bewaffne ich mich mit Kaffee und einem Croissant und setze mich zu meinem Schreibtisch.

Wenn ich nicht schon unterwegs am Telefon geguckt habe, dann sehe ich mir erst mal die Neuigkeiten auf Facebook an und beantworte Nachrichten und Emails. Anschließend wird wild drauf losgeschrieben, nachmittags so gegen 15.00 Uhr kommt dann meistens Dixie und fordert einen weiteren Spaziergang. Im Anschluss daran schreibe ich noch 2-3 Stunden und dann mache ich Feierabend und koche.

Da ich seit kurzem auch einer normalen Arbeit nachgehe und sehr unregelmäßige Arbeitszeiten habe, hat sich das total geändert. Aber ich hoffe, dass sich auch hier bald wieder eine Regelmäßigkeit ergibt und ich wieder mehr Zeit zum Schreiben habe.

Was machst Du, wenn das Schreiben mal nicht so gut läuft?

Ich überarbeite Texte, und wenn das auch nicht funktioniert, dann sehe ich mir einen Film an, oder ich koche etwas. Gelegentlich verbinde ich das auch und koche, während ich mir einen Film ansehe. Diese neunzig Minuten reichen im Normalfall. Ich hab mich da relativ gut im Griff.

Wie erlebst Du den Entstehungsprozess einer Geschichte?

Wenn mich ein Geistesblitz trifft, dann muss ich auch sofort beginnen zu schreiben. Da brennt es mir dann wirklich unter den Fingernägeln und ich bekomme panische Angst, dass ich die Idee wieder vergessen könnte. Entsprechend nehme ich auch alles rund um mich nicht mehr wahr, weil ich nur sitze und wie ein Verrückter tippe. Natürlich muss ich zwischendurch Mal mit dem Hund raus, aber selbst auf meinen Spaziergängen plane ich geistig schon, wie es weiter geht, und mache mich zu Hause sofort wieder ans Werk.

Mittlerweile korrigiere ich am nächsten Tag, das am Vortag Geschriebene noch einmal, bevor ich an der Fortsetzung weiter arbeite. Dabei zapple ich vor lauter Ungeduld am Sessel rum, weil ich es kaum mehr erwarten kann, endlich weiter zu schreiben.

Am Ende dann gehe ich die ganze Story noch einmal durch und dann bekommen sie die Betaleser. Meistens bin ich mir zu diesem Zeitpunkt extrem unsicher, ob die Geschichte überhaupt gut ist. Da ich ja vieles immer und immer wieder lese, kommt sie mir dann schon sehr langweilig vor und ich höre dann in meinem Kopf schon die „Buhrufe“ der Leser.

Wenn es dann wirklich so weit ist und ich die Geschichte hochlade, bin ich meistens so nervös, dass ich eine falsche Version online stelle, oder mir ein sonstiger Schnitzer passiert.

Wenn ich dann alles mehrfach überprüft habe und sehe, dass alles so weit passt, dann ticke ich wieder normal.

Holst Du Dir Inspiration aus Deinem Umfeld oder kommen die Ideen einfach so angeflogen?

Also die Ideen kommen immer angeflogen, meistens viel zu viele. Zurzeit ist es so, dass ich am liebsten an fünf Geschichten zur selben Zeit arbeiten würde. Oft kommen mir die Ideen, wenn ich mit dem Hund unterwegs bin und dabei Musik höre. Manchmal steckt in den Storys auch ein Teil von mir, bei der Umsetzung selbst, greife ich natürlich auf Erfahrungen und Erlebnisse aus meinem Leben zurück.

Dein neues Buch ‚Dirty Business‘ unterscheidet sich deutlich von Deinen bisherigen Werken, vor allem was den Titel angeht. Gibt es dafür einen Grund?

Eigentlich nicht. Es hängt von meiner jeweiligen Stimmung ab, worüber ich schreibe. Ob die Geschichte eine richtige Handlung hat, oder ob es sich eher um Einhand-Literatur handelt. Ich versuche die Titel immer passend zur Geschichte zu wählen, damit der Leser auch weiß, worauf er sich einlässt.

Meine erste Story, „Die Abschlussprüfung“, kam relativ schlecht weg bei den Lesern und ich plante daher nicht in diese Richtung weiter zu schreiben. Allerdings existierte die erste Hälfte von „Dirty Business“ damals schon, eine Freundin las sie und war sehr davon begeistert, sie hat mich ermutigt es fertig zu schreiben. Ich hätte mir nie erträumt, dass das Buch ein derartiger Erfolg wird, und möchte mich auch hier noch einmal bei allen meinen Lesern bedanken.

Deine Bücher sind allesamt sehr erotisch. Es geht um Sex, Leidenschaft und Liebe. Könntest Du dir vorstellen auch in einem anderen Subgenre zu schreiben, z.B. Gay Fantasy oder Gay Crime?

Das Thema Sex dominiert die schwule Szene sehr und nimmt im schwulen Leben bei den meisten einen großen Stellenwert ein. Es wird offen behandelt, Extreme sind keine Tabus und werden gelebt, man(n) schämt sich nicht dafür. In der schwulen Welt ist es ganz normal, dass man Sex hat und sich hinterher erst unterhält. Viele vertreten die Meinung, dass sich eine Beziehung ja gar nicht lohnt, wenn der Sex nicht passt. Entsprechend lasse ich das auch in meinen Büchern einfließen.

Gay Crime ging mir schon mal durch den Kopf und da kommt auch vielleicht noch etwas, ein paar Seiten einer Story gibt es schon, aber momentan habe ich einige Projekte angefangen, die ich unbedingt noch vorher fertigstellen möchte. Gay-Fantasy schwirrt mir momentan nicht durch den Kopf, aber man soll ja niemals nie sagen.

Welche Deiner Buchfiguren hat Dir den letzten Nerv geraubt?

Keine, ganz im Gegenteil! Im Grunde hänge ich an jeder meiner Figuren. In jeder steckt ein Teil von mir und ich mag jeden Einzelnen. Natürlich visualisiere ich immer alle Beteiligten und habe klare Bilder von jedem beim Schreiben im Kopf.

Meine zwei persönlichen Favoriten sind Aaron aus „Dirty Business“, den ich dem Schauspieler Steve Sandvoss aus dem Film „Latter Days“ nachempfunden habe und Bernd Bruckner aus „Die Abschlussprüfung“, das war für mich ganz klar Robert Grant aus „Queer as Folk“. Diese beiden Personen würde ich auch echt gerne Mal treffen.

Was liest Du persönlich am liebsten? Hast Du einen Geheimtipp?

Also meine absolute Lieblingsgeschichte ist seit vielen Jahren „Räubers Lust“ von Inka Loreen Minden, „Planet Hope“ und „Autumn“ von Nele Betra gefielen mir auch sehr gut. Ansonsten lese ich quer durchs Gemüsebeet Ken Follet „Die Pfeiler der Macht“, Rüdiger Jungbluth „Die Oetkers“, oder auch Walter Isaacson „Steve Jobs“, fast hätte ich es vergessen, eines meiner Lieblingsbücher seit meiner Kindheit ist „Timm Thaler“ von James Krüss.

Auf welche Bücher von Dir, dürfen wir uns in nächster Zeit freuen?

Also derzeit arbeite ich an verschiedenen Projekten, eines davon trägt den Titel „Endstation Venedig“ und wird wieder etwas für alle Leser sein, die Romantik und Herz-Schmerz mit einer normalen Dosis Erotik mögen, es wird vom Stil her an Dirty Business anschließen.

Ein weiteres Projekt an dem ich derzeit arbeite ist der zweite Teil des Melkers. Allerdings werde ich diese Art Bücher künftig unter einem speziellen Label herausbringen, damit die Leser wissen, dass es hier schon sehr zur Sache geht. Eine Leserin und mittlerweile Freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht. Mir selbst war das leider nie bewusst, dass ich mit meinen Büchern sehr unterschiedliche Lesergruppen anspreche.

Naja, eine weitere Sache geistert mir derzeit auch noch durch den Kopf. Allerdings bin ich mir noch nicht so sicher, ob ich damit auch noch anfangen soll. Es geht dabei um einen jungen Burschen, dem irgendwie klar ist, dass er schwul ist. Er kommt aber aus einer sehr konservativen Familie, die das nie akzeptieren würde. Im Grunde nichts neues, aber ein sehr interessantes Thema denke ich.

Abschließende Worte an Deine Fans.

Also auf jeden Fall Mal ein ganz großes “DANKE” an euch alle!!!

Es freut mich unheimlich, wenn ich euch für eine kurze Zeit in meine Welt entführen darf und dann auch noch so viel nettes Feedback erhalte. Oft sind es die kleinen Nachrichten, die ich per PN oder Mail erhalte, die mich unglaublich stolz auf meine Arbeit machen und mich anspornen noch besser zu werden. Ich freue mich auch sehr, über die Freundschaften, die sich teilweise daraus ergeben haben und manche von euch könnte ich mir aus meinem Leben gar nicht mehr wegdenken.

Bleibt gesund! Passt gut auf euch auf! Nehmt euch Zeit für euch selbst, denn das Wichtigste seit ihr und sonst nichts!

**********************

Lieber Moritz, vielen Dank für das Interview.

Ein Gedanke zu “Gay Friday #34 – Moritz Hohenberg ist zu Besuch

  1. Bianca Nias schreibt:

    Molto simpatico! Jetzt freue ich mich schon sehr auf deinen Trip nach Venedig, lieber Moritz!

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