Gay Friday #35 – Justin C. Skylark mit Dylan & Thor

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Heute hab ich Justin C. Skylark zu Gast, aber nicht allein, sondern mit Dylan Perk und Thor Fahlstrøm, die Frontsänger von RACE und Wooden Dark. Die beiden begleiten mich schon ein paar Monate und haben mir einige schlaflose Nächte, „fast“-Nervenzusammenbrüche, Heulattacken, Mordgelüste, aber auch viele schöne Momente beschert. Selten hab ich eine Geschichte gelesen, die dermaßen fesselt und die einem fast alles abverlangt.

Deshalb musste ein „Special“ her und als ich Justin in Berlin getroffen habe, war die Sache geritzt 🙂 Ich wünsche Euch viel Spaß!

Justin hat mir auch ein paar Musiktipps mitgegeben, ich kenne mich nämlich in dieser Musikrichtung so gar nicht aus. Wem es ähnlich geht, kann hier mal schuppern, welche realen Bands in Richtung RACE und Wooden Dark gehen.

Wooden Dark ähnelt God Seed

RACE ähnelt Din [A] Tod

Und seid ihr schon eingestimmt?!

Die Bücher

ThorundDylanBücher

Bis dass der Tod euch scheidet  /  Thors Valhall   /   Reise til helvete   /   Flyktet

Mehr Bücher von Justin C. Skylark gibts auf der Autoren-Homepage *klick* oder beim „dead soft“ Verlag *klick*

Hier gehts zu meiner Rezension *klick*

Die erste Begegnung

Damit meine ich allerdings mein erstes Zusammentreffen mit Thor und Dylan, das war nämlich alles andere als einfach. Anfang Oktober entschloss ich mich „Bis dass der Tod euch scheidet“ in Angriff zu nehmen. Das gehörte nämlich zu den wenigen Büchern, die ich noch nicht aus dem „dead soft“ Verlagssortiment gelesen hatte. Ich war eigentlich der Meinung, dass das überhaupt nicht zu mir passt. Rosa Glitzerwelt trifft auf dunkle Black Metal und EBM – Musik (EMB: Electronic Body Music). Aber weit gefehlt. Ich war von der ersten Seite an gefesselt und von dem mir fremden Lifestyle fasziniert. Doch je weiter ich voranschritt, umso intensiver und extremer wurde die „Beziehung“ bzw. das Verhalten von Thor und Dylan. Exzesse ohne Ende. Zur Mitte hin, war ich komplett überfordert. Emotional überfordert. Wie würden die Amerikaner sagen: Crazy shit! Ich hab es erst mal zur Seite gelegt und darauf gewartet, dass sich meine Neugier und meine überbordenden Gefühle einig werden. Aber das war gar nicht so einfach. Es gibt nämlich 4 Faktoren, die diese Geschichte auszeichnen und sie zu einem Lesegenuss der besonderen Art machen.

Untitled

Eine brutale und sehr anstrengende Mischung. Alkoholexzesse, Schlägereien, harter Sex, Drogen und Waffen sind allgegenwärtig. Und man fragt sich als Leser automatisch, wo das wohl hinführen mag. Wann bringen sich die beiden gegenseitig um? Wie viel kann ein Mensch ertragen? Wie viel kann Liebe aushalten?

Die komplette Geschichte ist ein Drahtseilakt auf einem hauchdünnen Faden, der Absturz ständig in greifbarer Nähe. Der tödliche Aufprall wird an manchen Stellen nicht nur von den Protagonisten herbeigesehnt. Ein Balanceakt zwischen Wahnsinn und Liebe, Gewalt und Tod. Alles untrennbar miteinander verbunden und dicht verwoben.

Doch was steckt hinter diesen beiden außergewöhnlichen Menschen? Was verbindet sie?

dylan&thorAggressive Diva mit Alkoholproblem und unverarbeiteter Vergangenheit meets wortkargen Naturburschen mit anhänglichen Altlasten und mysteriösem Vorleben.

So in etwa kann man die beiden Protagonisten beschreiben. Auf den ersten Blick erkennt man keine Gemeinsamkeiten. Beide sind grundverschieden und treiben sich und den Leser ständig an die Grenze des Wahnsinns und des Erträglichen. Die beiden können nicht mit und auch nicht ohne einander. Doch unter all dem Drama, der Trauer und der Gewalt blüht eine kleine, zarte Pflanze: Liebe.

Dylan

Dylan erinnerte mich direkt an Bill Kaulitz von „Tokio Hotel“. Ich weiß nicht warum, aber sein Bild hatte ich beim Lesen ständig vor Augen. Dylan kommt aus der Gosse, schönreden braucht man das nicht. Er hat ein hartes Leben mit viel Schmerz und Entbehrungen hinter sich und dann kommt der Ruhm mit seiner Band. Geld, Fans, Aufmerksamkeit und hin und wieder ein williger Groupie. Dylan ist ein Mensch, der sehr viel Bestätigung von außen braucht und die bekommt er. Als exzentrische Diva begeistert er tausende Menschen. Auf den ersten Blick hat er alles, was man sich wünschen kann, doch in seinem Inneren ist er ein sensibler und verletzter Junge, dessen Hilflosigkeit in Gewalt umschlägt und in Alkohol ertränkt wird. Als Thor in sein Leben tritt, werden Dylans Eskapaden schlimmer. Zu der allgemeinen Unzufriedenheit, kommt jetzt auch noch Unsicherheit. Gefühle, die er nicht einordnen kann, lassen ihn schneller ausrasten als jemals zuvor.

Thor

Thor ist das Abbild eines Wikingers. Lange, wallende Haare und kräftige Muskeln an den richtigen Stellen. Ein schweigsamer, naturverbundener Mann mit einigen Problemen. Er saß 5 Jahre wegen Mordes im Gefängnis und lebt seither sehr zurückgezogen in der Wildnis Norwegens. Ein Mann mit vielen Geheimnissen, die er nur sehr ungern und sehr zögerlich preisgibt. Auch Thor hat eine unschöne Vergangenheit hinter sich. War immer anders. Rebellisch, eigenbrötlerisch. Er liebt seine Musik, meidet aber den Rummel um seine Band und seine eigene Person. Er ist sehr zielgerichtet und verschwendet weder Zeit noch Worte. Er zeigt seine Gefühle lieber durch Gesten, als mit hochtrabenden Liebesschwüren. Für Dylan, der die Bestätigung braucht, dass man ihn liebt, eher frustrierend. Aber auch Dylan verlangt Thor einiges ab. Für ihn gibt er stellenweise sein geliebtes Alleinsein auf und er hilft Dylan. Ist immer da, wenn dieser ihn am dringendsten braucht. Seine Methoden sind nicht immer sehr feinfühlend und Dylan landet das ein oder andere Mal dadurch im Krankenhaus, aber sie helfen.

Mein Fazit

Die Geschichte um Dylan und Thor wird mich noch lange begleiten, denn sie ist anders, als alles, was ich bisher so gelesen habe und das soll was heißen. Mir sind die beiden sehr ans Herz gewachsen, allerdings ist es mir ein Rätsel, wie die beiden 4 Bände überlebt haben, ohne sich gegenseitig umzubringen. Während dem Lesen schwankte ich stets zwischen Hoffnung, Frustration und dem Wunsch, die beiden langsam und genüsslich zu erwürgen. Man kann nicht erwarten, dass ihnen zum Schluss rosa Herzchen aus den Ohren fliegen, die beiden werden immer wieder aneinandergeraten, dennoch bin ich sehr zufrieden mit dem Abschluss des vierten Bandes und irgendwie erleichtert, dass ich die beiden nun etwas loslassen kann.

Es ist schwierig, diese Geschichte in Worte zu fassen, aber ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick in das Buch selbst und meine Gefühlswelt während dem Lesen geben. Wenn ihr die Geschichte noch nicht kennt, dann nichts wie ran. Ansonsten würde ich mich auch über Meinungen zu den beiden Jungs und ihrer doch sehr schweren Geschichte freuen.

Interview

Justin, herzlich willkommen. Ich freue mich, Dich hier begrüßen zu dürfen. Stell Dich doch mal kurz vor.

Hallo Ramona. Danke für die Interviewanfrage, über die ich mich natürlich gefreut habe. Ich bin 1975 in Kiel geboren und lebe noch immer in einem kleinen Vorort dieser Stadt. Ich liebe das Meer und den Norden, und obwohl ich auch gerne reise, bin ich eher ein sesshafter Mensch. Neben dem Schreiben verdiene ich mein Geld hauptsächlich mit der Arbeit im Kieler Uniklinikum. Wenn ich mich nicht gerade für Konzerte oder andere Events aus meinen eigenen vier Wänden begebe, geht es bei mir eher ruhig zu. Ich lebe seit über 12 Jahren in einer Beziehung, pflege ein paar Haustiere, liebe die Natur und Sprachen, sehe gerne Filme und sitze oft viel zu lange am Computer.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ich kann mich erinnern, dass ich schon als Kind viel geschrieben habe. Hauptsächlich Tagebücher und lustige Geschichten. In der Schule mochte ich Aufsätze am liebsten und im Fach Philosophie konnte ich mich so richtig ausleben. Anfang der 90er, in der ich mit einer Art Selbstfindung begann, habe ich vermehrt düstere Gedichte geschrieben. Die Entdeckung der britischen Band Suede brachte mir das Thema Androgynität und Bisexualität näher, ich knüpfte vermehrt Kontakte zur Schwulen- und Transgenderszene. 1998 reifte in mir der Gedanke, eine Geschichte zu schreiben, in der ich meine Interessen und mein Faible für den Sänger von Suede (Brett Anderson) verarbeiten konnte. So schrieb ich (damals noch mit Schreibmaschine) die ersten Romane meiner Neal Anderson-Reihe, eigentlich nur für mich. 1999 lernte ich dann über das Zillo Musikmagazin Simon Rhys Beck kennen. Wir teilten den gleichen Musikgeschmack und stellten erst einige Briefe später fest, dass wir beide Gay Literatur schreiben. So kam ich zu dem dead soft Verlag, wo mein Debutroman „Craig’s little Dawn“(2001) und zuerst auch einige Kurzgeschichten veröffentlicht wurden, weitere Romane folgten jährlich. Meine Neal Anderson-Reihe wurde später im Himmelstürmer Verlag herausgebracht.

Wie entstand die Idee zu Deiner Reihe um Thor und Dylan?

Darüber kann ich immer nur den Kopf schütteln, denn eine Reihe hatte ich niemals geplant. Seit meiner Jugend bewege ich mich in der schwarzen (Musik) Szene. Durch meinen Roman „Szandor’s Erbe“ (2003) wuchs bei Recherchen mein Interesse am modernen Satanismus und an Black Metal-Musik.

Über Jahre begleitete mich der Gedanke: „Irgendwann möchtest du einen Black Metal-Roman schreiben!“

2009 war ich dann endlich so weit. Mir kamen konkretere Ideen dazu, die ich erst bei der Entstehung des Buches ausbaute. Ich las viel über die Black Metal Bewegung, lernte, die Musik zu lieben, ebenso wuchs mein Interesse für Norwegen und die norwegische Sprache. Aus der Idee „Electro Freak vs Black Metal Sänger“ wurde dann der Roman „Bis dass der Tod euch scheidet“.

Nach der Veröffentlichung spukten mir Ideen für eine Fortsetzung im Kopf herum und ich begann „Thors Valhall“ zu schreiben. Ich hatte erst Zweifel, ob der Inhalt aussagekräftig genug sein würde, doch der Verlag sagte zu und der zweite Teil kam bei den Lesern so gut an, dass ich meine Zweifel über Bord warf. Die Idee zum dritten Teil und der einsamen Insel (Reise til helvete) kam dann wie von allein. Thor und Dylan entwickelten ihr Eigenleben und machten mir das Weiterführen der Geschichte einfach. Nach den drei Bänden musste es einfach einen vierten Teil geben, der alles abrundet und viele offene Fragen klärt.

Könntest Du Thor und Dylan selbst kurz vorstellen? Oftmals unterscheiden sich ja Autoren – und Lesersicht etwas. Wie siehst Du die beiden?

Auf den ersten Blick sind Thor und Dylan sehr unterschiedlich. Dylan kommt aus einfachen Familienverhältnissen, ist nicht sonderlich intelligent und musste in seiner Kindheit Spott und Prügel erleben. Durch seinen Durchbruch als Sänger erlebt er nun genau das Gegenteil. Er wird von den Fans geliebt und umjubelt, er kann sich finanziell einiges leisten. Seine schlechten Erlebnisse kompensiert er durch rebellisches Verhalten. Er wird zur Diva, rastet gerne aus, wenn er mit Worten nicht weiter kommt und versteckt sein wahres Ich hinter einem exzentrischen Äußeren. Er hat sich selbst nicht gefunden, flüchtet in alkoholische Exzesse und selbst die Liebe zu Thor verwirrt ihn zunächst mehr, als dass sie ihm hilft, auf einen geraden Weg zu kommen.

Thor ist die bodenständigere Persönlichkeit. Er gibt sich ruhig und wortkarg, hat einen festen Willen und weiß, was er tut. Obwohl er ebenfalls mit seiner Band Erfolg hat, sucht er die Abgeschiedenheit und aufgrund der Mordgerüchte, die ihm nachhängen, meidet er soziale Kontakte. Er liebt die Freiheit und die Natur; wenn man sein privates Umfeld stört, kann er sehr unangenehm werden und dann macht er auch von gezielter Gewalt gebrauch. Da er nicht gerne spricht (über sich selbst schon gar nicht) muss man seine Antworten zwischen den Zeilen suchen. Seine Worte legt er lieber in seinen Handlungen, doch die haben Hand und Fuß. Im Gegensatz zu Dylan weiß er, was es heißt, zu lieben, doch seine Vergangenheit mit Magnus hemmt ihn in der Auslebung von Gefühlen.

Auf den zweiten Blick sind beide Männer einsame Persönlichkeiten, die ihre Vergangenheit aufarbeiten müssen und daran zu knabbern haben.

Welcher der beiden hat am meisten an Deinen Nerven gezehrt? Und mit wem kannst Du Dich am ehesten identifizieren?

Man könnte meinen, dass mir Dylan graue Haare beschert hat. Viele Leser haben in Rezensionen wiedergegeben, dass sie ihn oftmals gern geschüttelt hätten oder sogar genervt waren von seinem divenhaften Benehmen. Auch sein Manager Tony kam nicht bei jedem gut an, denn seine ständigen Sorgen hören einfach nicht auf.

Im Grunde genommen war es für mich persönlich jedoch Thor, der mir schlaflose Nächte bereitet hat. Selbst ich, als Autor, brauchte Jahre, um ihn zu knacken, um an ihn heranzukommen und sein Wesen zu ergründen. Nach dem vierten Teil müsste ich eigentlich froh sein, dass ich näher an ihn herangekommen bin und doch frage ich mich manchmal: „Ist es wirklich so, oder doch anders?“ Er ist wohl der schwierigste Charakter, mit dem ich mich bisher befasst habe.

Lustig ist, dass ich meist mit Dylan verglichen werde; vielleicht weil ich selbst auf Bondageklamotten mit Ketten und Schnallen stehe, gern Süßes esse und mich auch schminke, doch ich bin weder eine Diva, noch prügel ich mich gerne. Da habe ich mit Thor mehr Ähnlichkeit. Ich liebe die Ruhe, ich bin sehr gern allein, auch auf Reisen. Ich benötige meine „Auszeiten“ und wenn es nicht sein muss, rede ich auch nicht viel. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch, der irgendwie immer einen ‚Plan’ hat. Wenn mich jemand extrem reizt, kann ich allerdings auch sehr unangenehm werden.

Thors und Dylans Beziehung ist geprägt von Gewalt, Exzessen, Wahnsinn und Liebe. Eine sehr anstrengende Mischung. Wie hast Du den Entstehungsprozess erlebt?

Es war für mich nie anstrengend, über ihre Beziehung zu schreiben, im Gegenteil. Besonders im ersten Band hat es mir Freude bereitet, sie in die Machtspielchen zu schicken, je extremer es war, desto besser gefiel es mir. Die Leser haben es sicher anstrengender erlebt, als ich.

Ich mag die Beziehung der beiden Männer, denn man kann nie wissen, was passiert, wenn sie zusammen sind. Sie können erfüllten Sex haben und sich 2 Minuten später anbrüllen oder prügeln. Es wird mit ihnen nicht langweilig. Und auch wenn sich der ein oder andere Leser wünscht, dass sie endlich ihren Frieden zusammen finden sollten, ganz ohne Reibereien werden sie es wohl nie schaffen. Und genau das macht sie m.E. so liebenswürdig, weil sie trotz der Streitigkeiten auch immer wieder zusammenfinden. Nach dem ersten Teil war eigentlich für mich klar, wie sie beide ticken – allein und auch zusammen – sodass der Prozess schnell zum Selbstläufer wurde.

Mich hat der erste Band emotional ziemlich überfordert. Ging es Dir beim Schreiben ähnlich? Ich stelle mir das sehr schwierig vor, sich in zwei solch extreme Menschen hineinzuversetzen.

Wie ich bei der vorangegangenen Frage schon sagte, konnte ich mich gut und schnell in die Charaktere einfinden. Wer meine Geschichten kennt, der weiß, dass ich es gerne etwas dramatisch mag. Liebesschnulzen oder rosaroter Blümchensex liegen mir nicht. Zumindest in literarischer Hinsicht mag ich es gern etwas morbid. In fast jedem Roman von mir wird einer meiner Protas verletzt oder landet im Krankenhaus. Wieso, weiß ich nicht wirklich. Vielleicht, weil leidende Personen höchst interessant sind und viel „Spielraum“ liefern und Medizin ist ohnehin ein spannendes Thema, woraus ganz viel wachsen kann – psychisch ebenso, wie physisch.

In meiner Arbeit im Krankenhaus stehen Schmerz, Sterben und Tod an der Tagesordnung und trotzdem kann man so viel Freude und Spaß an dem Umgang mit kranken Menschen haben; vielleicht verarbeite ich einiges in meinen Geschichten.

Mir fiel es nie schwer zwischen Thor und Dylan hin und her zu switchen, es brachte Spaß und war zugleich – besonders auf Thor bezogen – eine Herausforderung.

Woher nimmst Du Deine Ideen? Kommen die einfach so angeflogen oder haben, in unserem Beispiel heute, Dylan und Thor reale Vorbilder?

Meist kommen meine Ideen „angeflogen“ und irgendwo von Innen. Wie bei der Thor und Dylan Reihe können sie aus einem einzigen Funken wachsen. Viele Eingebungen kommen dann beim Schreiben und eigentlich bin ich 24 Stunden „online“ und somit immer bereit Eindrücke oder Erlebnisse in meine Geschichte, an der ich arbeite, einfließen zu lassen.

In der Tat hat mich für die Figur Thor der Sänger Gaahl von God Seed (ehem. Gorgoroth) stark inspiriert. Zunächst war es nur optisch, und als ich mehr und mehr zum Fan der Band und der Person wurde, flossen auch ein paar Fakten ein. Nicht zu vergessen: die ganze Geschichte der Black Metal Bewegung, die ja tatsächlich passierte. Der Mord an Øystein Aarseth und der Selbstmord von Dead lieferten mit Inspirationen zu Magnus.

Für Dylan hatte ich am Anfang auch ein optisches Vorbild (mir hilft es oft, einen Charakter zu kreieren, wenn ich ein reales Foto vor mir sehe und das hat dann nicht gleich was mit fanfiction zu tun) Doch da sich Dylan in den vier Bänden auch äußerlich verändert, war das später nicht mehr maßgebend.

Wie sind die Lesermeinungen zu Thor und Dylan? Ich vermute mal stark, dass sie extrem polarisieren. Ich hätte sie oft auch am liebsten erwürgt, konnte mich aber auch nicht von den beiden lösen.

Die Meinungen sind in der Tat unterschiedlich. Was die Protagonisten angeht, ist es interessant, dass nach dem ersten Band der Großteil von Dylan sehr angetan war und mich jetzt meistens Stimmen erreichen, die überwiegend für Thor schwärmen, aber auch Erik wird von vielen gemocht. (Dazu sei angemerkt, dass ich Erik eigentlich für den wichtigsten Akteur der Story halte, denn ohne ihn wäre vieles anders gelaufen.)

Natürlich gab es auch negative Stimmen zur Geschichte an sich. In einer Leserunde wurde „Bis dass der Tod euch scheidet“ regelrecht verrissen. In einigen Rezensionen wurde die Gewalt unter den Männern als „verherrlichend“ und als NO GO beschrieben. Der Großteil meiner Leser hat die beiden (oder auch die vier) Chaoten jedoch in all den Jahren herzlich begleitet und mich erreichten Lob und auch schöne Fanarts. Das bestärkte das Gefühl, mit der Reihe das Richtige getan zu haben.

Du hast gesagt, dass Du den 4. Band ‚Flyktet‘ so konzipiert hast, dass viele offene Fragen geklärt werden. Die beiden haben ein passendes Endebekommen und das sage ich als ‚Happy-End‘ – Süchtige. Kannst Du Dir vorstellen noch einen weiteren Teil zu schreiben oder hast Du für Dich mit den beiden abgeschlossen und möchtest erst mal andere Wege gehen?

Erst einmal sind Dylan und Thor (Spoiler!) unterwegs. Ihre „Reise“ kann natürlich ganz unterschiedlich verlaufen und könnte sogar Stoff für einen 5. Band liefern, ebenso wird sich der ein oder andere fragen, ob und wie sie ‚wiederkommen’ könnten. (Mich reizt es zudem sehr, die Beziehungen Thor/Magnus und Thor /Erik näher zu beschreiben.)

Ich halte mir die Antwort darauf offen und schließe es nicht aus, in naher Zeit noch eine Fortsetzung zu bringen. Jedoch widerstrebt es mir, eine Fortsetzung zu schreiben, nur weil es viele wünschen.

Der Inhalt muss ebenso spannend und unterhaltsam sein, wie die Vorgänger. Darauf lege ich großen Wert. Sehr wohl habe ich schon Ansätze für eine Fortsetzung im Kopf, doch die müssen noch reifen, um ein sehr gutes Buch füllen zu können.

In der Zeit werde ich natürlich andere Geschichten schreiben, denn nur Fortsetzungen zu bringen kann nicht nur für den Autor ermüdend sein, sondern auch für die Leser.

Arbeitest Du gerade an einem neuen Projekt und auf was dürfen wir uns in nächster Zeit freuen?

Zum Glück sind mir Ideen für neue Werke noch nicht ausgegangen. Meist schreibe ich schon an etwas Neuem, während ich noch auf die Veröffentlichung des aktuellsten Romans warte. Für das Frühjahr 2015 plane ich einen kleinen Miniroman (ebook), an dem ich schon lange arbeite und den ich endlich abschließen möchte. Und ich hoffe, dass spätestens im Herbst 2015 ein neuer Roman fertig wird, an dem ich auch schon arbeite und der thematisch etwas ganz Anderes wird. Zu dem Inhalt der Werke möchte ich mich noch nicht äußern.

Abschließende Worte an Deine Fans.

Zum Schluss danke ich meinen Lesern für die Treue und die Unterstützung. Ich bin zwar schon sehr lange im Geschäft, aber v.a. in den letzten Jahren sind die Kontakte zu den Lesern (durch Plattformen wie FB; Twitter und auch durch Buchmessen) intensiver geworden. Und ich spreche wohl für alle Autoren: Ohne die Leser und ihren guten Zuspruch, würde man nicht immer weitermachen.

Ich hoffe sehr, dass ich euch auch in Zukunft mit meinen Geschichten gut unterhalten kann, auch wenn Dylan und Thor nicht mehr so präsent sind.

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Vielen Dank Justin, für das aufschlussreiche und spannende Interview. Thor und Dylan werden auf jeden Fall einen Ehrenplatz in meinem „Leserherzen“ behalten.

3 Gedanken zu “Gay Friday #35 – Justin C. Skylark mit Dylan & Thor

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