Rezension: 3517 Anno Domini: Wir waren Götter – Raik Thorstad

3517-Anno-Domini--Wir-waren-GotterInhalt:

Wir schreiben das Jahr 3517, als Aiden, ein einfacher Schiffsarbeiter, an Ragnar verschenkt wird. Er soll der Lustdiener des Herrschersohnes werden. Aiden, der bisher nur das harte Leben des niederen Volkes kennt, ist wenig begeistert – gelten die Merowinger doch als brutal und gottgleich. Aiden bekommt einen Chip eingepflanzt, der ihn länger leben lässt und Krankheiten vorbeugt bzw. heilt, aber auch zu seinem Nachteil verwendet werden kann. Ragnar, sein Herr, kann ihm nach Belieben, Lust und Schmerzen bereiten. Aiden wehrt sich gegen Ragnar, denn er weiß nicht, was real ist und was durch die Fernbedienung, die in Ragnars Besitz ist, ausgelöst wird. Damit zieht er allerdings den Zorn von Takir auf sich, der nur darauf zu warten scheint, ihn und Ragnar zu bestrafen.

Ragnar wiederum freut sich sehr über Aidens Gesellschaft. Endlich ist er nicht mehr allein. Für ihn geht es nicht nur um Sex, doch das glaubt ihm Aiden nicht und entzieht sich ihm immer wieder. Ein frustrierender Kampf beginnt, der weite Kreise zieht.

Während Ragnar um Aidens Zuneigung und den Respekt seines Vaters kämpft, werden hinter den Festungsmauern Intrigen gesponnen, die alles verändern werden …

Meinung:

Dieses Buch ist wirklich brilliant und es ist nicht verwunderlich, dass es das beste Gaybook in der Kategorie SciFi geworden ist. Raik Thorstad verbindet Erotik, eine geniale wie auch schaurige Zukunftsvision und eine dramatische Liebesgeschichte zu einem unvergesslichen Lesevergnügen. Gespickt wird das Ganze noch mit einem Hauch „Vergangenheit“, denn die Herrscherfamilie hat nicht nur ihren Namen, sondern auch ihre Wurzeln bei den Merowingern, einem spätantiken/mittelalterlichen Königsgeschlecht, das als äußerst sagenumwoben gilt – man spricht von Okkultismus und Magie.

Es geht 1500 Jahre in die Zukunft. Die Welt ist nicht mehr das, was sie einmal war. Seuchen, Katastrophen und Kriege haben die Erdbevölkerung dezimiert. Die Überlebenden haben sich an die neuen Begebenheiten angepasst. Als Leser befinden wir uns in der Festungsstadt der Merowinger, eine Stadt, oberhalb der Wasseroberfläche. Das Meer ist die Hauptressource. Hier herrscht ein extremer Standesunterschied. Es gibt die einfache Bevölkerung. Deren Häuser werden von Pfeilern über Wasser gehalten und sind der Natur schutzlos ausgeliefert. Krankheit und Not stehen an der Tagesordnung. Dem gegenüber steht der Herrscherpalast – groß, luxuriös und standhaft. Takir, der regierende Herrscher, lebt mit seiner Familie in Saus und Braus. Alter und Krankheit kennt man nicht. Es ist wirklich faszinierend, wie schnell man sich in dieser doch sehr anderen Welt zurechtfindet und sich an die technischen Fortschritte, aber eben auch an die sozialen Rückschritte anpasst.

Die beiden Protagonisten Ragnar und Aiden sind sehr authentisch und auch wenn ich Aidens Schicksal sehr hart finde, flog mein Herz trotzdem direkt Ragnar zu. Er ist einfach so unschuldig und fast schon zu naiv, aber wie soll es auch anders sein, wenn man selbst als Herrschersohn wie ein Sklave gehalten wird. Aber er kämpft auch für die Menschen und Dinge, die ihm am Herzen liegen. Ein kleiner Rebell schlummert unter der Oberfläche. Doch vor allem Aiden scheint nicht klar zu sein, dass sie ein gemeinsames Schicksal teilen und sie mehr gemeinsam haben, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Das führt natürlich zu vielen Enttäuschungen, Entbehrungen und der ein oder anderen Strafe durch Takir, der sich als skrupelloser und eiskalter Herrscher entpuppt. Sich mit Göttern auf eine Stufe stellt. Ein Verhalten, das so gar nicht zu seinem zierlichen, fast schon ätherischen Äußeren passt.

Es geht allerdings nicht nur um dramatische Lebensumstände, Herrscher mit Egoproblemen und Intrigen, nein, es geht auch um die große Liebe und glühende Leidenschaft. Die Sexszenen sind ausführlich, erotisch und anregend. Momente des Glücks und des Friedens zwischen Ragnar und Aiden, die viel zu selten in dieses riesige Spinnennetz aus Macht, Angst, Folter und Ränke gewoben wurden. Daher sind sie umso kostbarer.

„Wenn die Sonne gestohlen wird und es keine Hoffnung auf einen Morgen gibt, dann hülle dich in einen Mantel aus Dunkelheit und mache die Nacht zu deinem Tag.“  (S. 427)

Ich habe diese Geschichte mit Genuss verfolgt und musste mich öfters mal ausbremsen, damit ich nicht ein paar Seiten überspringe oder gar das Ende vorziehe, nur um zu schauen, ob alles gut wird. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Eine klare Leseempfehlung – nicht nur für SciFi – Fans.

Fazit:

Eine gesellschaftskritische Dystopie, die mit vielen Intrigen und Dramen aufwartet und das Lesen zu einem Hochgenuss macht. Eine Liebe zwischen zwei Männern, die auf den ersten Blick zu verschieden sind, um jemals glücklich sein zu können. Eine Geschichte, die unter die Haut geht, zum Nachdenken anregt und lange Zeit in Erinnerung bleibt.

5stars

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1965 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 584 Seiten
  • Verlag: Incubus Verlag; Auflage: 1 (15. November 2014)
  • Preis: 8,99€
  • Hier kann man es kaufen: 3517 Anno Domini: Wir waren Götter

3 Gedanken zu “Rezension: 3517 Anno Domini: Wir waren Götter – Raik Thorstad

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