Rezension: Schuldfrage – S.B. Sasori

Inhalt:

Mika und Cedric – zwei junge Männer, eine schicksalhafte Begegnung.

Cedric hat Angst, abgrundtiefe Angst, vor der Dunkelheit. Immer wenn es Nacht wird, braucht er Licht und menschliche Wärme, oder besser gesagt – Sex. Viel Sex. Der Rausch des Orgasmus lässt seine Angst erträglich werden. Schuld daran ist ein Überfall in einer Ruine, als er zu Besuch bei seiner Großmutter war. Als seine Oma zur Kur fährt, will er sich endlich dieser Angst und auch seiner Schuld stellen, denn er war nicht nur Opfer, sondern auch Täter.

Mika schlägt sich als Landstreicher durchs Leben. Immer wieder kehrt er aber zu Greta zurück – Cedrics Großmutter und der einzige Mensch, der sich für ihn interessiert. Er sehnt sich nach Cedric, mit dem er einen einzigen Moment der Nähe genossen hat. Als er aber erfährt, dass sich ihre Begegnung negativ auf Cedric ausgewirkt hat, fühlt er nur noch eines: Schuld.

Dann treffen die beiden zufälligerweise aufeinander, und als Mika von einer Nacht erzählt, die 9 Jahre zurückliegt, ist die Zeit gekommen, der Angst und der Schuld die Stirn zu bieten.

Meinung:

Die kürzere Erstfassung „Einsameruinenäpfel“ erschien im Oktober 2014 in der Was für Früchtchen – Anthologie der Kuschelgang und wurde jetzt, in einer deutlich ausführlicheren Version, neu aufgelegt.

S.B. Sasori besticht auch hier wieder mit dem Ausbruch aus gewohnten Bahnen und bietet ein riesiges Spektrum an Emotionen und menschlichen Abgründen, die so tief und dunkel sind, dass man sich ihnen nur schwer entziehen kann. Der Ekel und das Grauen greifen mit klammen Finger nach dem Leser, während man nur langsam von den hauchzarten Fäden der Hoffnung umwoben wird. „Schuldfrage“ ist kein Buch für zarte Gemüter, dafür ist es zu speziell, stellenweise zu grausam und nervenzehrend.

„Du bist ein Psycho. Finde dich damit ab.“

Cedric hat große Probleme und kompensiert seine Angst mit Sex auf Abruf. Das macht leider keiner seiner Freunde lange mit. Seine selbstzerstörerische, fordernde Art treibt jeden an den Rand des Erträglichen. Doch wie soll man diesem Verhalten Herr werden?

„Soll ich mich totvögeln lassen, um endlich frei zu sein?“

Seit dem Überfall in der Ruine, findet Cedric keine Ruhe mehr. Ist aggressiv und ängstlich. All das, weil ein junger Mann, Mika, Nähe suchte. Zwei Jungen, die durch diese Begegnung geprägt wurden. Für den einen war es der Himmel auf Erden, für den anderen die Hölle. Beide haben Schuld auf sich geladen, beide leiden unheimlich – sind voller Sehnsucht nach Vergebung.

„Ich weiß, wie nasse Betonbrückenpfeiler schmecken.“

Auf wenigen Seiten, entführt S.B. Sasori den Leser in eine Welt voller Schuld, Angst und Sehnsucht – lässt zwei Charaktere entstehen, fernab der Norm, die unter die Haut gehen, teilweise auch eher verrückt anmuten. Philosophiert über Nasen – und Mundmenschen, die lernen müssen, zu vergeben – nicht nur dem anderen, sondern auch sich selbst.

Habkeineangstmehr

Fazit:

Ein unverblümter Einblick in menschliche Abgründe.

5stars

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 4792 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 108 Seiten
  • Verlag: BookRix (20. April 2015)
  • Preis: 2,49€
  • Hier kann man es kaufen: Schuldfrage

3 Gedanken zu “Rezension: Schuldfrage – S.B. Sasori

  1. j125 schreibt:

    Hey Ramona,

    das Buch klingt schon sehr interessant und vor allem schürst du auch mit deiner Rezension die Neugier, was denn jetzt in der Ruine vorgefallen ist.

    Schade, dass das Buch nur so wenig Seiten hat. Davon lass ich im Moment die Finger, weil ich leider an noch keinem Buch mit so wenig Seiten gefallen gefunden habe. Mir bleiben da immer einige Sachen auf der Strecke.

    Grüße 🙂
    Julia

  2. Ramona schreibt:

    Hallo Julia,

    das „neugierig machen“ finde ich immer besonders spannend am Rezi schreiben 🙂

    Ich weiß nicht, ob du schon was von Swantje gelesen hast – vielleicht die Schlangenfluchreihe? – aber ihre Bücher sind immer zu emofehlen, selbst die kurzen, obwohl sie schon sehr speziell sind.

  3. j125 schreibt:

    Das meiste was sie so schreibt ist nicht mein Genre. Aber ich hab ihre KG zu Noah und Ciro gelesen, weshalb ich unbedingt Drahtseiltänzer lesen muss. Da passt aber auch die Seitenzahl 😉
    Ich hab einfach gemerkt, dass ich mit kurzen Texten nicht so klar komme, egal wie sehr mich der Klappentext anspricht. Das ist dann für mich blöd, aber auch die Autoren, wenn ich nur deshalb eine schlechtere Rezension schreibe. Deshalb lass ich es dann, egal wie toll das Bucht klingt.

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