Rezension: Zusammen finden (Benefiz-Anthologie) – J. Walther et al.

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Anmerkung:

15 Autoren haben sich zusammengefunden und mit 13 ganz unterschiedlichen Geschichten eine Anthologie erschaffen, deren Erlös einer jungen Autorin zugute kommt, die aufgrund ihrer Erkrankung sehr stark in ihrer Mobilität eingeschränkt ist. Mit „Zusammen finden“ wollen sie ihr ein kleines Stück Freiheit schenken.

Die Autorenliste :

Susann Julieva, Chris P. Rolls, Bianca Nias, Justin C. Skylark, Raik Thorstad, J. Walther, Moritz Berg, Paul Senftenberg, Tanja Meurer, Juliane Seidel, Rosha Reads, S.B. Sasori, Jobst Mahrenholz, Karolina Peli und Schännieh Dunkelstrauch.

Meinung:

So eine Anthologie ist natürlich immer ein „Abenteuer“ oder eher wie eine Schachtel Pralinen – man(n) weiß nie, was man(n) bekommt. Bei dieser Autorenmischung habe ich mir allerdings keine Sorgen gemacht. Es gab zwar einige wenige AutorInnen, von denen ich noch nichts gelesen habe und dennoch gibt es keine Geschichte, von der ich behaupten müsste, dass sie mir überhaupt nicht gefallen hätte. Natürlich gibt es immer Erzählungen, die einen etwas mehr ansprechen oder die stärker berühren, aber alle haben ihren ganz eigenen Charme und sind definitiv eine Empfehlung wert.

Der Facettenreichtum dieser Geschichtensammlung ist beeindruckend, dabei haben sie alle ein Thema: das Zusammenfinden. Das Finden von Liebe, Freundschaft und kleinen Momenten des Glücks. Das geschieht auf ganz verschiedenen Ebenen und unter unterschiedlichsten Bedingungen. Mal romantisch und unschuldig, wild und erotisch, aber auch freundschaftlich und bittersüß. Die AutorInnen entführen nach Italien und England, durch ganz Deutschland, in die Vergangenheit und in magische Gefilde. Manchmal ist der Ton eher melancholisch und trotzdem schwebt da immer ein Hauch Hoffnung mit.

*Der Werwolf von nebenan*

Dunkler, geheimnisvoller Fremder trifft auf tollpatschigen Buchhalter.

Mit Noah und Oliver sind Susann Julieva und Bianca Nias zwei ganz zauberhafte Protagonisten gelungen, die mich sofort in ihren Bann gezogen haben. Eine Gestaltenwandler – Geschichte mit Humor, Sexappeal und viel Dramapotential. Wer kann da schon widerstehen?! Ich jedenfalls nicht. Ich will mehr. VIEL MEHR!!

*Zwillingsmond*

Zwei junge Männer, beide durch die Zauberprüfung gerasselt, ein blutroter Zwillingsmond und eine überraschende Wendung.

Juliane Seidel präsentiert zwei gescheiterte Magier, die ihre Zukunft schon in Scherben zu ihren Füßen liegen sehen, sich durch Zufall finden und erkennen müssen, dass sie Teil etwas ganz Großen sind. Ruhig, magisch und irgendwie auch süß.

*Charlys Chips*

Gondeln in England 

Jobst Mahrenholz hat mit Charly einen verträumten jungen Mann erschaffen, der seinen ganzen Mut zusammen nehmen muss, um sich seinen Traum zu erfüllen. Ein Hauch von Italien im regnerischen England. Unschuldig und doch voller Hoffnung.

*Rabendieb*

Der dreißig Jahre alte Rabe Jakob

In gewohnter Art und Weise zaubert S.B. Sasori eine Geschichte, die zugleich in rabenschwarze Finsternis und in unschuldiges Weiß gehüllt ist. Ein Balanceakt zwischen Hoffen und Leid. Sehr speziell, aber liebenswert. Der wortkarge und etwas mürrisch anmutende Ornithologe Falk ist gar nicht so leicht zu durchschauen.

*Thor und Dylan*

Diese Liebe raubt mir irgendwann noch mal den letzten Nerv

Justin C. Skylark lässt uns ein weiteres Mal an Dylans und Thors Reise teilhaben. Immer noch auf der Flucht – vielleicht sogar vor sich selbst und vor dem jeweils anderen – gibt es so einige Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen. Reden wäre eine Lösung. Das können sie aber leider immer noch nicht. Mein sonst winzig kleines, eigentlich kaum vorhandenes Aggressionspotential ist schon auf den ersten Seiten in schwindelnde Höhen geschossen. Es geht mir wie den beiden selbst, ich kann nicht mit, aber auch nicht ohne sie.

*Hunger*

Eine Liebe im ersten Weltkrieg

1916, Deutschland. Der Krieg hat das Land in seiner Gewalt. Hunger beherrscht das Denken der Menschen und so manch anderer Gestalt. Tanja Meurer erzählt in teilweise sehr beklemmender Weise von dem jungen Heinrich und seinem Geliebten Konrad, die sich bedeckt halten müssen in dieser kalten, grauen, brutalen Welt. Ein bestialischer Mord lässt Zweifel aufkommen, ob sie wirklich so vorsichtig sind, wie sie bisher vermutet haben.

*Das steinerne Bild*

Manchmal sieht man nur das, was man sehen möchte

Raik Thorstads Geschichte von einem namenlosen Paar – das hier nur mit ‚du‘ und ‚ich‘ angesprochen wird – hat mich am meisten berührt. Vielleicht weil sie auf jeden Menschen übertragbar ist, weil sie den Spiegel vorhält und weil sie zeigt, dass vieles nicht so ist, wie es scheint. Manchmal muss man eben ganz genau hinsehen.

*Sehnsucht ist ein subtiles Gefängnis*

Das starke Band einer Freundschaft

Rosha Reads‘ Protagonist Jonas hat ein großes Herz. Als sein bester Freund eine Reifenpanne hat, zögert er nicht lange und eilt ihm zu Hilfe und das, obwohl er eigentlich beschäftigt ist, es über eine Stunde Fahrzeit bedeutet und er eigentlich Abstand halten möchte. Aber was kann man schon gegen ein Herz ausrichten, das verzweifelt versucht zu seinem Liebsten zu kommen?

*Liebe ohne Namen*

Oscar Wilde

In Paul Senftenbergs Beitrag geht es um Oscar Wilde, genauer gesagt, um den Film Oscar Wilde. Es geht um einen Mann, der ein bewegtes, aber kurzes Leben hinter sich hat – der nie eingeknickt und dessen Zerrissenheit fast schon mit Händen greifbar ist, der mit seinen Geschichten und Gedichten viele Menschen berührt und dessen Homosexualität ins Verderben geführt hat.

*Von Liebe, Anhänglichkeiten und Fluchten*

Liebe auf den „zweiten“ Blick

Karolina Peli lässt eine berufliche Veranstaltung zu einem Treffen werden, das für zwei Männer – Jan und Camille – der Anfang einer großen Liebe wird. Überschattet wird dieses Glück von einem nervigen Anhängsel, das sie unbedingt loswerden wollen. Die Lösung ist etwas schräg, dafür aber effektiv.

*Zwischen Sojamilch und Pinot noir*

Von Hipstern, Vegetariern und Veganer sowie Spritzmittelallergien

Schännieh Dunkelstrauchs Beitrag hat mir einige Lacher und Seufzer entlockt. Der Protagonist Finn arbeitet in einem kleinen, alternativen Supermarkt und trifft auf allerhand interessante Leute. Das müssen nicht immer bekennende Vegetarier oder Veganer sein, manchmal betritt auch ein Großstadtweibchen den Laden, weil sie an einer Spritzmittelallergie leidet. Jeden Samstag kommt allerdings auch ein süßer, kleiner Twink zum Einkaufen. Dieser beobachtet ihn immer aus der Ferne. Seit einem Jahr. Zu einem Gespräch ist es dabei nie gekommen. Doch das soll sich ändern. Herrlich erfrischend erzählt, mit einem Hauch Tragik und einer großen Portion Gefühl.

*Nie vergessen – Non dimenticato mai*

Moritz Berg und J. Walther schicken den Leser auf eine nostalgische Reise nach Italien. Daniels Eltern sind verstorben und nun macht er sich daran, auf ihren Spuren zu wandeln. Dabei trifft er auch auf Paolo, einen jungen Mann, den er nie vergessen konnte. Aus einer ehemals zarten Annäherung, als sie beide 14 Jahre alt waren, könnte nun etwas Bedeutendes werden.

*Die Anmut von Gras*

Abschied und Neuanfang

Chris P. Rolls lässt ihren Protagonisten im Osten von Mecklenburg wandeln. Es geht um den Verlust eines Freundes, den Schmerz verlorener und nicht verstandener Worte, um Erinnerungen, fröhliche Sommer, den Duft von Gras und die Weite des Horizonts – gleichzeitig aber auch um einen Neuanfang. Eine melancholische Geschichte, die gleichzeitig auch Hoffnung vermittelt.

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Diese Anthologie sollte man sich auf jeden Fall zulegen. Die Geschichten sind so vielfältig – es ist wirklich für jeden was dabei. 15 wundervolle Erzählungen mit Herz ❤

Fazit:

Eine gelungene Idee, um eine sehr nette, junge Autorin zu unterstützen. Klare Leseempfehlung.

5stars

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 4901 KB
  • Preis: 5,99€
  • Hier kann man es kaufen: Zusammen finden

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