Rezension: Untier hat das letzte Wort – Sandra Busch

untierInhalt:

Björn wohnt mit seinem besten Freund Mario in einer WG. Er pflegt kaum soziale Kontakte und hat sich zu einem absoluten Stubenhocker entwickelt. Verübeln kann man es ihm nicht, da er von einem Unglück ins nächste schlittert. Gesellschaft bietet ihm nur Untier. Den Beo hat er vom Vormieter übernommen und mittlerweile sind die beiden unzertrennlich.
Björn ist unsterblich in Lionil verliebt, doch dieser scheint keine Notiz von ihm zu nehmen. Was soll er auch mit so einem Tollpatsch.
Das Drama nimmt seinen Lauf, als sich Björn dazu überreden lässt, in einen Club zu gehen. Ein paar Bierchen zu viel und 5 Männer später, hat Björn den Ruf eines Flittchens weg. Zumindest bei Lionil. Wie soll er ihn jetzt noch davon überzeugen, dass er eigentlich ganz anders ist? Der Kampf um die Liebe scheint aussichtslos. Unterstützung bekommt er jedoch von Mario, dessen Freundin Lila, einer Rockergang und der Polizei.

Meinung:

Ich liebe Sandra Busch’s Geschichten. Dank ihrer „Song & Far“ – Reihe bin ich dem Gay-Genre verfallen, sie war eine der ersten, die mich auf die andere Seite entführt hat. Ich hab all ihre Bücher verschlungen und liebe jedes einzelne davon abgöttisch, aber mit „Untier hat das letzte Wort“, hat sie echt den Vogel abgeschossen. Das ist mit Abstand die genialste Geschichte des Jahres. Ich habe beim Lesen noch nie so viel lachen müssen.

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Mit Björn hat Sandra Busch einen unheimlich sympathischen und bezaubernden Protagonisten geschaffen. Tollpatschiger kann man allerdings kaum sein. Björn ist eigentlich eine Gefahr für sich selbst, da er wirklich nichts auslässt – Fahrradunfälle, Schlägereien, übereifrige Polizisten und eine beinahe Selbstbeschneidung. Klingt lustig, ist es auch – zumindest für den Leser. Björn wiederum leidet sehr unter seinen zwei linken Füßen und der Pechsträhne, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgt. Das Einzige, das er wirklich beherrscht, und bei dem er alles vergessen kann, ist das Malen.

Die Nebenfiguren sind aber auch nicht zu verachten. Mario, Björns bester Freund, wird gerne mal von Untier auf die Schippe genommen. Herrlich. Lila, Mario’s Freundin, ist unheimlich sympathisch, was ich bei den wenigstens weiblichen Buchfiguren sagen kann, und hat Untier und Björn direkt ins Herz geschlossen sowie Till und Can, ein befreundetes, schwules Pärchen, das die Finger nicht voneinander lassen kann. Eine bunte Mischung, die im Laufe der Geschichte noch um einige Unika erweitert wird.
Und natürlich Lionil. Ein absoluter Traumtyp mit einem großen Herzen und einer sehr verletzlichen Seite.

Das ‚Untier‘ ist der Star der Geschichte. Ein Beo, der liebend gerne Filmzitate rezitiert. Er hat ein untrügliches Gespür dafür, wann welcher Spruch angebracht ist. Grandios. Ich hab mich gekugelt vor Lachen. Dieser Piepmatz ist der Hammer. Er duscht nicht nur unheimlich gerne, und hat eine Vorliebe für Bananen, er baut sich durchaus auch mal ein Nest mit einer Beanie und einem knallorangenen Stringtanga. Er kann aber auch anders. Neben seiner frechen Klappe hat der Kleine auch ein ganz großes Herz, das bricht, als er sich in eine vergebene Taubendame verguckt. Der arme Kleine!

tumblr_nc7nzh8YJC1tjsogwo1_500Aber nicht nur Untier hat Pech in der Liebe, auch für Björn sieht es nicht gut aus. Er ist total verknallt, allerdings glaubt er nicht, dass sein Schwarm, Lionil Wilder, auch nur einen Gedanken an ihn verschwendet. Was soll dieser Sunnyboy mit einem Tollpatsch, der sich ständig blamiert? Zwischen Missverständnissen, einer ‚Orgie‘, homophoben Schlägern und einem eifersüchtigen Vogel, versuchen die beiden, es endlich auf die Reihe zu bekommen. Das ist aber alles andere als einfach.

Man könnte jetzt natürlich sagen, dass die komplette Geschichte sehr überspitzt dargestellt wird. Björns Tollpatschigkeit könnte man schon fast als lebensgefährlich einstufen und Untiers Kommentare passen immer perfekt. Geht das denn wirklich? Ist mir, ehrlich gesagt, total egal. Björn und Untier muss man einfach lieben. Die beiden sind so authentisch und sympathisch, dass man sie am liebsten zu sich nach Hause holen würde.

*Mein Wecker klingelt. Aus dem Käfig klingelt es auch. Schnell stelle ich das nervige Ding aus. Lediglich unter dem Handtuch, das über Untiers Behausung hängt, klingelt es weiter.
„Pscht!“, zische ich.
„Gott sprach, es werde Licht.“
„Gott könnte noch ein bisschen schlafen.“
„Küsschen. Gott sprach, es werde Licht.“
Ich ziehe eine Grimasse und nehme artig das Handtuch ab.
„Küsschen, Wonneproppen.“
„Küsschen. Aber leise sein, hörst du?“*
(S. 192)

Man schwankt während dem Lesen ständig zwischen ungläubigem Kopfschütteln, explosionsartigen Lachanfällen und einem Zuckerschock. Diese Geschichte ist ein absolutes Muss. An Situationskomik ist dieses Buch wirklich nicht zu übertreffen. Sie regt aber auch zum Nachdenken an, denn aus der Luft gegriffen sind die homophoben Übergriffe nicht.

Fazit:

Diese Geschichte hat wirklich alles, was man sich als Leser nur wünschen kann. Einen liebenswerten und ziemlich tollpatschigen Protagonisten, eine zuckersüße Liebesgeschichte und einen Vogel, der immer den passenden Spruch parat hat. Ein „Gute Laune“ – Buch!

5stars

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 525 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 281 Seiten
  • Verlag: dead soft verlag (4. August 2015)
  • Preis: 5,99€
  • Hier kann man es kaufen: Untier hat das letzte Wort
  • Oder direkt beim Verlag *klick*
  • Homepage der Autorin: Sandra Busch

9 Gedanken zu “Rezension: Untier hat das letzte Wort – Sandra Busch

  1. mattygrace schreibt:

    Unterschreib ich sofort. Seit 1 Woche steht es jetzt auch gedruckt in meinem Regal. Das wird eines meiner Buchhighlights 2015 werden und bleiben. *gg*

  2. Ramona schreibt:

    Ich LIEBE dieses Buch!
    Es ist so herrlich erfrischend.
    Das MUSS einfach ins Regal *hach*
    Es sollte mehr Bücher dieser Art geben.

  3. el ma schreibt:

    ich habe selten -trotz der vielen sicherlich überspitzt dargestellten Situationen – ein so stimmiges Buch gelesen. Ich wurde einige Male dumm angesehen, als ich alleine da sitzend mit dem ebook-Reader in der Hand – schallend gelacht habe 🙂

  4. Ramona schreibt:

    Da hast du absolut recht – bei diesem Buch passt einfach alles.
    Ich musste noch nie so viel beim Lesen lachen.
    Untier ist einfach klasse ❤

  5. Julias Sammelsurium (j125) schreibt:

    Hallo Ramona,

    das klingt nach einer wirklichen guten und vor allem lustigen Empfehlung, auch wenn ich bei tollpatschigen Charakteren ja schnell Sorge habe, dass es zu überzogen werden könnte.

    Das Untier klingt aber richtig toll. Ich finde Vögel ja eigentlich eher lngweilig, aber ein Filme rezitierender Beo könnte mir auch gefallen 😀

  6. Ramona schreibt:

    Bei der Geschichte kommst du gar nicht zum Nachdenken.
    Das ist einfach nur herrlich ❤
    Ich liebe es!
    Definitiv eines der besten Bücher des Jahres.

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