Rezension: Einsam kann ich auch allein – Frederick Becker

einsamkannichauchalleineInhalt:

Waldek ist obdachlos und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Eines Abends stolpert er über den jungen Matze, der zwar auch auf der Straße lebt, aber dringend jemanden braucht, der ihn an der Hand nimmt. Fortan ziehen sie gemeinsam durch die Straßen. Während Waldek in den Tag hineinlebt, die Sorgen wegsäuft und keine Perspektive mehr für sich sieht, träumt Matze von einer gemeinsamen Zukunft. Ein Clubbesuch ändert jedoch alles. Waldek trinkt, nimmt Drogen und verschwindet dann auch noch mit einer Frau. Matzes Welt bricht zusammen, und er muss schweren Herzens akzeptieren, dass aus ihnen niemals etwas werden kann. Matze schafft den Absprung in ein (scheinbar) besseres Leben, derweil stürzt Waldek komplett ab und muss sich entscheiden. Will er kämpfen oder gibt er endgültig auf?

Meinung:

„Einsam kann ich auch allein“ gehört eigentlich zu der Sorte von Büchern, um die ich gerne einen Bogen mache, weil ich bei einer solchen Thematik schon vor dem Lesen Beklemmungen bekomme. Wie soll so eine Konstellation gut ausgehen? Was mag da Schlimmes passiert sein, dass die Protagonisten in diese Situation geraten sind? Und wie sollen sie da wieder rauskommen? Das sind alles Fragen, die ich mir als „Happy-End“ – Suchti stelle. Aber jetzt bin ich einfach nur froh, diese Geschichte gelesen zu haben. Frederick Becker hat mich wirklich positiv überrascht.

Gleich zu Beginn wird man mitten hineingeworfen in das Leben auf der Straße. Ich war sofort gefesselt vom täglichen Kampf um das Essen, 1-Euro Jobs, der Angst um den Schlafplatz und den kleinen Ritualen, die ein Stück Normalität bewahren sollen. Man mag sich das selbst gar nicht vorstellen, wie es ist, wirklich ganz unten anzukommen.

Matze und Waldek sind komplette Gegenteile. Der toughe Waldek hat sehr schlimme Jahre hinter sich. Er verkörpert das Klischee eines Obdachlosen. Mit seinen langen Haaren und den vielen Piercings wird er gerne mal in diese Schublade gesteckt. Er lebt in den Tag hinein, hat eigentlich schon mit allem abgeschlossen und ertränkt seine Probleme, Sorgen und Träume im Alkohol. Meistens hat er sich jedoch trotzdem gut im Griff. Allerdings hat er, seit er mit seinem rothaarigen Anhängsel umherzieht, ziemliche Schwierigkeiten, seine sexuelle Orientierung richtig einzuordnen. Matze wiederum ist sehr jung und noch voller Hoffnung. Er hat für sich und Waldek Zukunftspläne, die leider im Drogen- und Alkoholrausch zerplatzen. Er ‚trennt‘ sich von ihm und macht damit Platz für weitreichende Veränderungen.

Alles in allem ist es eine wirklich schöne Geschichte, die flüssig zu lesen ist. Sie überzeugt mit leisen Tönen. Und trotz der Kürze lassen die Charaktere tief blicken.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch. Als ich den Klappentext gelesen habe, habe ich eigentlich eine sehr dramatische und extrem emotionale Geschichte erwartet, die meinen Taschentuchverbrauch in die Höhe treibt. Das ist sie natürlich auch. Es gibt Stellen, die haben mich wirklich sehr berührt. Bei anderen hatte ich wiederum das Gefühl, als läge ein Puffer zwischen mir und dem Buch, der die Gefühle nur abgeschwächt bei mir ankommen lässt. Dadurch habe ich mich beim Lesen ein bisschen außen vor gefühlt.

Trotzdem gibt es eine klare Leseempfehlung.

Fazit:

Frederick Beckers Debüt macht Lust auf mehr. Diese ungewöhnliche und wunderschöne Liebesgeschichte sollte man sich nicht entgehen lassen.

4stars

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1760 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 107 Seiten
  • Preis: 3,49€
  • Hier kann man es kaufen/leihen: Einsam kann ich auch allein

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