Rezension: Broken – Nicola Haken

broken1Inhalt:

Voller Vorfreude und Enthusiasmus tritt Theodore Davenport seinen neuen Job bei Holden Publishing an. Bis auf wenige Ausnahmen schließt er schnell Freundschaften und genießt seine Aufgaben. Alles läuft nach Plan, bis ein Mann in sein Leben platzt und alles durcheinanderbringt. Theodore ist mit Freunden feiern, als er zufällig auf eine jüngere Version von David Gandy trifft, mit dem er schließlich auf der Clubtoilette Sex hat. Bestimmend, rücksichtslos, schnell. One – Night – Stands gibt es in Theodores Leben nicht, umso mehr schämt er sich, dass er der Versuchung nicht widerstehen konnte. Aber es kommt noch schlimmer. Sein „Ausrutscher“ ist kein Geringerer als James David Holden, CEO von Holden Publishing – sein Chef.
James verschwendet nie einen zweiten Gedanken an seine Eroberungen, doch Theodore bekommt er einfach nicht aus dem Kopf. Ein weiterer schneller Fick sollte genug sein, um mit diesem Kapitel abzuschließen. Er kann es sich nicht leisten, jemanden näher an sich heranzulassen. Doch das Schicksal hat etwas anderes mit ihm vor. Theodore ist der erste Mensch, der hinter seine Fassade blicken und einen Bruchteil des wahren James erahnen kann. Doch ist Theodore wirklich stark genug, es mit seinen Dämonen aufzunehmen und kann James wirklich seine Mauern fallen lassen?

Meinung:

trigger

Ich habe noch nie weinend rezensiert, aber hier geht es einfach nicht anders. Keine Sorge, es gibt ein Happy-End, sonst würde ich es nicht empfehlen. Darüber habe ich mich bereits vor dem Kauf informiert. Es fällt mir sehr schwer, meine Eindrücke und Empfindungen in Worte zu packen. Ich glaube, es ist noch keiner Geschichte gelungen, im wahrsten Sinne des Wortes ein Loch in mein Herz zu reißen, aber „Broken“ hat es geschafft. Mir war klar, dass dieses Buch keine leichte Lektüre wird, aber ich hätte nie mit dieser Intensität, mit diesem Schmerz und dieser Authentizität gerechnet.

Bereits auf den ersten Seiten bekommt man einen Vorgeschmack auf den Verlauf der Geschichte. Ein Mann sitzt alleine in seiner Badewanne, beide Handgelenke sind aufgeschlitzt. Es gibt keinen anderen Ausweg mehr, um dem allgegenwärtigen Schmerz in seinem Kopf und seinem Herzen zu entfliehen. Mit jedem Herzschlag pumpt er das Leben aus seinem Körper. Jeder Tropfen Blut bringt ihn seinem Frieden näher. Er kann endlich frei sein.

„Pain is inevitable, suffering is optional.“

James leidet an einer Erkrankung, die jeden Tag, jede verdammte Minute Menschen tötet. Und dennoch gehört sie zu den Tabuthemen der Gesellschaft. Sie ist nicht immer heilbar, aber behandelbar. Man kann mit ihr leben. Aber dafür muss man sich helfen lassen wollen. Dazu fehlt vielen jedoch der Mut und die Kraft. Manchmal fehlt es auch an medizinischer und therapeutischer Versorgung. Vielen Betroffenen würde vermutlich schon eine helfende Hand und ein offenes Ohr guttun – nicht heilen – aber zu wissen, dass da jemand ist, der einem in der schwärzesten Stunde zur Seite steht und als fester Anker fungiert, kann Mut machen. Aber wir wissen ja alle, wie einfach es ist, ein simples und nichtssagendes „Es geht mir gut“ zu akzeptieren, anstatt sich mit der unschönen Wahrheit auseinanderzusetzen.

„I was breaking right in front of them and nobody knew.“

Nach diesem schwer verdaulichen Prolog lernt man Theodore kennen. Ein junger, lebensfroher Mensch, der seine romantische Seite im Schreiben von Büchern auslebt, dessen Leben sich durch den One-Night-Stand mit James komplett ändert. Zunächst lebt man in einer Art Seifenblase. Die Anziehung zwischen den beiden ist fast schon mit Händen greifbar. Es knistert vernehmlich, wenn sie aufeinandertreffen. James ist ein Mysterium. Er leitet den Verlag mit harter, kontrollierter Hand. Er weiß, was er tut und gibt gerne den Ton an. Er strahlt Stärke und Autorität aus. Aber gleichzeitig ist da auch diese unterschwellige Dunkelheit, die von ihm ausgeht. Theodore kann sich James nicht entziehen, auch wenn er weiß, dass das die einzig richtige Entscheidung wäre.

„There isn’t a choice. I belong to James Holden. I can try to fight it, but the truth is this beautiful, haunted man has owned me since the first time I looked into his eyes.“

Nach und nach lüftet sich das Geheimnis um James. Er nimmt nicht nur Theodore, sondern auch den Leser an die Hand und führt sie hinab in seine dunkelsten Tiefen. Dort ist es quälend einsam, eisig kalt und so schmerzhaft, dass sich jeder Atemzug, jede lebende Zelle wie Hohn anfühlt. Jede Seite, jedes einzelne Wort hat mein Herz zerrissen und für James bluten lassen.

Ich ziehe meinen Hut vor der Autorin, die auf so brillante Art und Weise mit dieser Thematik umgegangen ist. Mit den Betroffenen ist nichts „falsch“. Man sollte niemanden aufgrund seiner Krankheit definieren. Alle Menschen sind gleich, Normalität ist relativ. Gleichzeitig verfluche ich sie aber auch, weil es stellenweise fast zu viel war. Ich bin immer sehr emotional – es gibt viele Bücher, die mich zum Weinen bringen, in der Regel ist das aber sehr begrenzt und meist situationsbedingt – diese Intensität ist mir jedoch neu. Ich bin fix und fertig, aber froh, dass ich James‘ und Theodores Geschichte gelesen habe. Sie bereichert auf so vielen Ebenen, obwohl sie einem das Fleisch bei lebendigem Leibe von den Knochen reißt. Es geht um Depressionen, Selbsthass, Selbstverletzung, Selbstmord, die Liebe und den Mut zu kämpfen. Keine leichte Kost, aber eine lohnenswerte. Danke, Nicola Haken!

„The mind is life’s most powerful tool … and the most fragile.“

Fazit:

James‘ Geschichte hat mir das Herz gebrochen, aber dennoch einen Funken Hoffnung entflammt. Man kann der Schwärze nicht entfliehen, aber mit den richtigen Menschen an seiner Seite, kann man sie bekämpfen und immer wieder zurückdrängen – glücklich sein. Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht und mit einem Tabuthema bricht, Depressionen und deren Folgen greifbar macht.

„Broken crayons still color.“

5 Stars

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1918 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 404 Seiten
  • Preis: 3,19€
  • KindleUnlimited: ja
  • Hier kann man es kaufen/leihen: Broken

5 Gedanken zu “Rezension: Broken – Nicola Haken

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