Toleranz endet nicht an der Grenze der eigenen Vorstellungskraft

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Ihr habt lange nichts mehr von mir gehört, um genau zu sein, fast drei Monate. Das hatte natürlich seinen Grund. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Post online stellen soll oder nicht. Ich habe noch nie etwas derart Privates auf meinem Blog veröffentlicht, allerdings liegt mir dieses Thema sehr am Herzen und ich finde es erschreckend, dass es immer noch ein Tabuthema in unserer aufgeschlossenen Gesellschaft ist. Es geht mal nicht um Bücher oder das Gay – Genre, aber um Toleranz. Für die kämpfen wir doch alle. Und manchmal kann diese Toleranz auch Leben retten.

Erinnert ihr euch an „Broken“? Das Buch habe ich vor einiger Zeit vorgestellt. Es geht um einen Mann, der seit seiner Kindheit mit Depressionen kämpft. Ich lebe seit mehreren Jahren damit und habe vor kurzem einen guten Freund an eben diese Erkrankung verloren. Er hat sich mit gerade mal 32 Jahren das Leben genommen, weil er nicht „normal“ war. O-Ton seiner „gesunden“ Freunde.

Depressionen sind schwer in Worte zu fassen. Etwa 200 Millionen Menschen leiden weltweit unter dieser Krankheit. In Deutschland sind es ca. 5%, das entspricht ungefähr 4 Millionen Menschen (Quelle: Deutsche Depressionshilfe). Und genau so viele verschiedene Krankheitsverläufe gibt es auch. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, aber eines kann ich euch sagen – Depressionen sind die Hölle, Selbstzerstörung auf Raten, ein dunkles Loch, ein Monster, das dir Lügen einflüstert. Viele glauben, dass man dabei trauert und sich einfach nur zusammenreißen muss. Das ist allerdings weit von der Realität entfernt. Natürlich ist man auch traurig, aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was man fühlt, wenn man in eine Depression hineingleitet oder auch schlittert, wenn man mitten drinsteckt und wenn man dabei ist, herauszuklettern. Jeder Mensch erlebt Depressionen anders. Bei mir hat es mit einem allgemeinen Unwohlsein begonnen. Innere Unruhe und Niedergeschlagenheit. Es ist vermutlich eine ganz normale Reaktion, dass man versucht, etwas dagegen zu unternehmen. Man sucht nach einer Lösung, um wieder auf ein zufriedenes Level zu kommen. Aber das ist ein Wunschdenken. Irgendwann kommt der Fall. Und der ist tief und vor allem schmerzhaft und plötzlich sitzt man in dieser Schwärze und ist wie betäubt. Und dann kommt die Erkenntnis. Alles ist dunkel, der letzte Funken Hoffnung erloschen. Die einfachsten Dinge werden zu unüberwindlichen Hindernissen, man ist müde, entsetzlich müde und hilflos wie ein kleines Kind. Ich bin in dieser Zeit nicht dazu in der Lage, mich zu schützen. Alles dringt ungefiltert und ungehindert auf mich ein. Kurze Zeit später erstarrt man dann fast schon innerlich. Depressionen sind ein Quell an kontroversen Gefühlen. Deshalb muss ich mich zurückziehen, um mich zu schützen. Das ist ein Teufelskreis. Man fühlt sich wie der letzte Dreck. Unnütz, ungeliebt, unverstanden, wertlos. Und das ist nur ein winziger Teil der Symptome und Auswirkungen.

Wusstet ihr, dass alle 40 Sekunden ein Mensch durch Selbstmord ums Leben kommt? Es scheint für viele – nicht für alle – der letzte Ausweg aus der Depression oder auch anderen belastenden Situationen (z.Bsp. Mobbing oder ein Trauma ) zu sein (Quelle: Preventing suicide). Für mich war es das auch. Ich hab mich intensiv damit auseinandergesetzt. Möglicherweise hat mich die Depression auch zu meinem Studium gebracht. Als der Prof in der ersten Anatomievorlesung erklärt hat, wie man sich selbst am effektivsten in den Kopf schießt – das machen nämlich viele falsch – habe ich damit begonnen, alles in mich aufzusaugen. Möglicherweise hätte ich etwas ganz anderes studiert, wäre mir die Krankheit nicht in den Weg gekommen. Ich sehe jeden Tag die 15cm lange Narbe an meinem Unterarm. Es gibt Tage, da bin ich froh, dass ich vor 8 Jahren nicht verblutet bin, es gibt leider auch Tage, da könnte ich mir selbst in den Hintern treten, diese Chance vermasselt zu haben. Ihr seht, Depressionen und Depressive sind unheimlich kompliziert.

Wenn ich an meinen verlorenen Freund denke, dann bin ich traurig und auch sauer. Dieses junge Leben ist einfach ausgelöscht, dabei bestand doch die Möglichkeit, dass alles wieder gut wird. Und das alles nur, weil er normal sein wollte und es nicht konnte, weil er eben krank war. Weil sich andere Menschen anmaßen, jemanden verurteilen zu dürfen, der krank ist. Weil die Krankheit oft nicht als das wahrgenommen wird, was sie ist. Eine Krankheit, die u.a. auch zum Tod führen kann. Aber was ist denn schon normal? Meiner Meinung nach gibt es keine allgemeingültige Definition von „normal sein“. Es gibt gesellschaftliche Normen, an denen man sich orientieren kann, aber nicht muss. Normal ist das, was für einen selbst am besten ist. Was ist normal? Ein Haus im Grünen mit weißem Lattenzaun und den statistischen 1,6 Kindern oder die kleine 1 – Zimmerwohnung in der Großstadt? Realist oder Träumer? Seriöser Bankangestellter oder risikofreudiger und abenteuerlustiger Backpacker? Dick oder dünn? Groß oder klein? Welche Krankheit ist gesellschaftsfähig? Krebs oder MS oder doch Diabetes mellitus oder eher KHK? Normal ist relativ!

Es geht nicht darum, dass man sich in die Lage eines depressiven Menschen hineinversetzen kann, das ist schließlich nicht möglich, wenn man nicht selbst daran leidet. Ich kann mir nicht mal annähernd vorstellen, wie sich ein Krebs – oder MS – Patient fühlt. Wenn man es nicht selbst erlebt hat, dann kann man die Ängste, Probleme und Emotionen, die mit den Erkrankungen einhergehen, nur schwer nachfühlen. Man kann allerdings darauf achten, wie man sich Betroffenen gegenüber verhält, wie man sich über die Krankheit äußert und wie ernst man diese nimmt.

Das Problem

Zwischen Depressiven und Nicht – Depressiven besteht eine große Kommunikationslücke. Beide Seiten sind überfordert. Was ja auch nur allzu verständlich ist. Wie man da am besten vorgeht ist schwer zu sagen. Es hilft schon, wenn jemand da ist, auch wenn man am liebsten alleine wäre. Depressionen führen oft zu Isolation. Man kann nicht mehr mit Menschen umgehen, sie kaum noch ertragen, also zieht man sich zurück. Wenn es mir schlecht geht, dann verstumme ich, rede tagelang kein Wort und musste mich deshalb schon von anderen mit Vorwürfen und Anschuldigungen konfrontieren lassen, ohne mich wehren zu können, weil ich in dem Moment nicht ausdrücken kann, was in mir vorgeht. Das ist frustrierend und verletzend.

Was tun?

An die Betroffenen: Holt euch Hilfe. Scheut nicht davor zurück zum Arzt zu gehen oder eine Therapie zu machen. Das kann euer Leben retten. Wenn ihr keinen Ausweg mehr seht, dann wendet euch an jemanden an, der euch nahesteht oder an die Telefonseelsorge und bittet um Hilfe. Auch wenn es nicht danach aussieht, das Leben geht weiter. Wichtig ist nur, nicht aufzugeben.

An die Angehörigen und Freunde: Seid einfach da, sprecht dem Betroffenen Mut zu und bietet eure Unterstützung an. Wunder könnt ihr leider nicht vollbringen. Habt Geduld, haltet euch aber mit Ratschlägen und Vorwürfen zurück. Es geht an die Nieren, aber damit erreicht man wirklich nichts. Wendet euch an einen Arzt, wenn ihr nicht weiterwisst.

Vorurteile

Ein ganz großes Problem sind die Vorurteile, die viele im Bezug auf Depressionen haben. Sie sind – obwohl es schon große Fortschritte gab – immer noch ein Tabuthema, dessen Tragweite vielen Menschen nicht klar ist. Sie werfen mit Halbwissen um sich und verspotten Betroffene (un)absichtlich.
Stell dir vor, da sitzt ein Freund neben dir, der im Verborgenen mit dieser Krankheit kämpft und seit Wochen überlegt, ob er es dir sagen soll, und dann kommst du und lässt deine vielleicht wenig schmeichelhafte Meinung zu diesem Thema ab. Ich habe diese Erfahrung schon gemacht. Während meiner Studienzeit saß ich mit einigen Kommilitonen zusammen, als das Thema auf selbstverletzendes Verhalten kam. Ich war schockiert. Der Grundton war durchweg spöttisch bis fies. Von Empathie oder Verständnis fehlte jede Spur. Auch wenn mal selbst nicht davon betroffen ist, muss doch klar sein, dass das so gut wie niemand einfach so aus Spaß macht.

– Depression ist keine Krankheit. Reiß dich doch einfach mal zusammen! Traurig ist jeder mal.
– Einmal depressiv, immer depressiv.
– Depressiv wird nur, wer vorher schon psychisch labil war.
– Depressive wollen Aufmerksamkeit erzeugen.
– Depressive liegen den ganzen Tag im Bett und heulen.

Wenn ich so was höre oder lese, dann kann ich nur noch müde lächeln. Nichts davon ist auch nur im Ansatz wahr. Depression sind – bis auf wenige Ausnahmen – heilbar, manche Menschen haben jedoch ein erhöhtes Rückfallrisiko, manchmal liegt es aber auch einfach an der fehlenden oder mangelhaften medizinischen und therapeutischen Versorgung. Es ist eine Krankheit wie jede andere, wenn auch etwas abstrakter, aber sie geht ebenfalls oft mit körperlichen Symptomen einher, die sich in Herz-Kreislaufstörungen, Magen – und Verdauungsstörungen, Essstörungen, Schlafstörungen und Schmerzen niederschlagen. Depressionen können jeden treffen, in jedem Alter und in jeder sozialen Stellung – vom Manager bis zum Obdachlosen. Viele Depressive bewältigen ihren Alltag trotz ihrer Erkrankung. Vielen sieht man nicht mal an, dass etwas nicht stimmt. Man lernt mit der Zeit, wie man sich selbst austricksen kann, um das eigentlich Unmögliche möglich zu machen. Man rappelt sich auf, auch wenn es nur wenige Zentimeter sind, und funktioniert. Manchmal schafft man es nicht, aber das ist völlig in Ordnung. Man darf auch mal liegen bleiben. Wichtig ist nur, dass man wieder aufsteht.

Wie gesagt, ich bitte euch nicht darum, Depressionen verstehen zu können. Denkt einfach daran, dass es einen Menschen in eurem direkten Umfeld geben könnte, der an dieser Erkrankung leidet oder jemanden dadurch verloren hat, bevor ihr etwas sagt, das ihr hinterher bereuen könntet oder schlimmer noch, fatale Auswirkungen hat. Viele Depressive kämpfen um ihr Leben, da kann ein Wort ausreichen, um denjenigen endgültig über die Klippe zu katapultieren.

Ich hatte die letzten Monate selbst wieder einmal damit zu kämpfen. Und jetzt stehe ich wieder, wenn auch noch auf ziemlich wackligen Beinen, denn so eine Krise kostet enorm viel Kraft, wenn man nebenbei noch versucht, seinen Pflichten und seiner Arbeit nachzukommen. Ich hoffe, dass wir nun wieder mehr voneinander hören, das Bloggen hat mir nämlich sehr gefehlt 🙂

See you!

Ways to

Links:
WORLD HEALTH ORGANIZATION
TelefonSeelsorge
Deutsche Depressionshilfe

14 Gedanken zu “Toleranz endet nicht an der Grenze der eigenen Vorstellungskraft

  1. Bianca Nias schreibt:

    Liebe Ramona,
    gerade, wie du das Thema jetzt ansprichst und damit auch anpackst, finde ich klasse. Es gibt mir die Hoffnung, dass du wieder selbst an dich glaubst und zum Kämpfen bereit bist. Aber bei einer Sache kannst du dir vollkommen sicher sein: Du hast hier jede Menge Freunde, die hinter dir stehen. Die für dich da sind und ein offenes Ohr haben. Egal wann, egal wo, egal wie. Wir sind für dich da.
    Liebe Grüße, Deine Bianca

  2. el ma schreibt:

    Erst einmal ist es schön, wieder von Dir zu hören.
    Aus eigener Erfahrung (aus dem Freundeskreis) ist es für mich mehr als erschreckend, wie lange man auf einen Therapieplatz oder auch nur eine Gesprächstherapie warten muss, wenn man denn endlich Hilfe annehmen „will“. 6 und mehr Monate sind keine Seltenheit, wenn sich der oder die Betroffene endlich aufgerafft hat, sich Hilfe an die Seite zu holen. Meist bleibt es nicht bei einem Therapeuten, denn die Chemie muss in diesem Fall auf alle Fälle stimmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das beim ersten Therapeuten zutrifft ist sowas von klein. In meinem Freundeskreis waren es 8 Monate um eine ambulante (Borderline-) Therapie zu bekommen, die aber nach 8 Wochen auch beendet ist. Nun geht die Suche nach einem entsprechendem Fachtherapeuten wieder los… Mehr als gute Gespräche mit der Person zu führen ist mir leider nicht möglich, aber ich hoffe jedesmal, dass ich ihr Selbstbewusstsein wieder eine Zeitlang stärken konnte.

    Toleranz ist etwas, was es in unserer Zeit leider nur noch ganz selten gibt. Egal ob man im Spaß jemanden Schwuchtel, Behindi oder Psycho nennt – es verletzt Menschen und ist KEIN Spaß, aber vielen ist das einfach egal, weil sie nicht einen Zentimeter über ihren persönlichen Tellerrand hinausschauen. Aber wehe es geht um sie selbst…

    Ich kann Dir jetzt hier nur für Deine Worte danken und Dich virtuell in den Arm nehmen. Leider können wir die Welt um uns herum nicht wirklich ändern. Aber wir können unser direktes Umfeld mit Bedacht wählen. Auch dies ist ein Grund, warum sich mit dem älter werden auch der Freundeskreis verändert und verringert. Im Nachhinein betrachtet sind die, die durch den Rost gefallen sind, meist kein großer Verlust – dafür sind die, die bleiben ein großer Gewinn.

    LG El Ma

  3. Jery Schober schreibt:

    Ich lebe seit 16 Jahren damit. Mal besser, mal schlechter. Ich weiß, dass es mich nie loslassen wird, ich weiß, was es mich bereits alles gekostet hat. Ich kenne das Unverständnis von Freunden und Familie, die gutgemeinten Ratschläge, die einen nur dazu bringen, dass man sich noch schlechter fühlt. Ich stand so dicht am Abgrund, dass ich beinahe gesprungen wäre, und danke heute noch meinem Hund, dass er mich davon abhielt.
    Was mich durchhalten ließ und so wenige verstehen: Es ist eine Krankheit. Ich bin nicht schuld daran. Sie kann geheilt werden.
    Es hat beim ersten Schub Jahre gedauert, um sie zu bekämpfen, aber ich hab’s geschafft. Und als vor 3 Jahren der nächste Schub kam, habe ich den Kampf wieder aufgenommen, der noch immer andauert.
    Ich hab nur dieses eine Leben. Ich werde nicht zulassen, dass eine behandelbare Krankheit es mir nimmt.

    Du bist nicht allein, auch wenn man sich so oft genauso fühlt. Nimm dir alle Zeit der Welt, tu Dinge, die dir gut tun, umgib dich mit Menschen, die dir helfen, und meide die Verständnislosen und Herablassenden.
    Du bist wichtig. Du bist wertvoll. Und wenn dir deine Emotionen was vorlügen und dein Verstand dich betrügt, dann hör nicht auf sie. Es wird besser werden. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann wirst du die Krankheit überwunden haben.

    Ich wünsche dir Kraft und Durchhaltevermögen und sonnige Stunden, die dir Hoffnung geben. Falls du jemandem zum Reden brauchst, dann mail mir einfach.
    Hugs,
    Jery

  4. Ramona schreibt:

    Vielen Dank, Bianca ❤ Das bedeutet mir wirklich viel.
    Das weiß ich in der Regel auch, aber wenn man in der Depression steckt, dann beginnt man automatisch damit, sich abzuwerten. Dagegen kann man nichts tun. Da kann man sagen und machen was man will – leider.

  5. Ramona Ruff schreibt:

    Liebe Ramona,
    zu mir hat mal jemand den Satz gesagt: „Du darfst dir zum Leben nicht zu schade sein!“
    Ich denke, wenn man 10 Leuten diesen Satz gibt, kommt bei jedem der 10 Leute eine unterschiedliche Bedeutung dessen heraus, was der Satz ausdrücken soll. Mein erster Gedanke damals war: „Nein, ich bin nicht arrogant!“, aber so war er von demjenigen auch gar nicht gemeint. Wir sprachen lange darüber. Am Ende des Gespräches, sowie auch heute, weiß ich, dass er für mich bedeutet, dass man nur dieses eine kostbare, wunderbare, schöne, manchmal auch merkwürdige und abgedrehte Leben hat. Und die anstrengenden Kapitel in diesem Buch des Lebens sind, wenn sie überwunden sind, oftmals die, auf die man zurecht mit Stolz zurückblickt. Ich maße mir nicht an, in jemanden hineinblicken zu können, der mit Depressionen zu kämpfen und zu leben hat. Bei mir war es vor 6 Jahren ein Schlaganfall mit 35, der mein Leben aus den Angeln gehoben hat. Ich habe ihm den Namen Sami gegeben. Sami hat mich wesentliche Dinge gelehrt: 1.) Sei mutig! 2.) Sei liebevoll 3.) Sei wahrhaftig
    Naja, mit dem wahrhaftig humpelt es noch so manches Mal. Aber mutiger bin ich auf jeden Fall geworden! Mutiger auch im Zusammenhang mit anderen Mensch. Mutiger auf jemand zuzugehen, mich auf ihn einzulassen. Aber auch mutiger jemanden aus meinem Leben zu verabschieden, wenn er mir nicht gut. Und beides tut mir unheimlich gut!
    Im Grunde verlangt man nicht viel von seinem Gegenüber. Und hierbei will ich die vielbenutzten Worte Akzeptanz und Toleranz gar nicht in den Mund nehmen. Manchmal erwarte ich nicht mehr oder weniger, dass der andere gar nichts dazu zu sagen hat und einfach seine Klappe hält.

    Ich wünschte dir alles Gute in deinem Kampf mit dem/ ums Leben und vor allem liebevolle Momente und Menschen, die dir Hoffnung schenken, wenn du sie am dringendsten brauchst!

    Liebe Grüße

    Ramona

  6. Ramona schreibt:

    Hi Elke,

    erst mal vielen Dank für deinen Kommentar und deine lieben Worte.
    Du hast vollkommen recht, es ist ein großes Problem an einen Therapieplatz zu kommen und dann auch noch Glück zu haben, an einen Therapeuten zu geraten mit dem man sich versteht. Da muss sich noch viel ändern.
    Ich hoffe, dass es deiner Freundin bald besser geht und sie einen passendes Platz bekommt.
    Ich finde es toll, dass du für sie da bist und versuchst, ihr zu helfen. Das ist nicht selbstverständlich. Nicht wenige nehmen da die Beine unter die Arme und rennen weg so schnell sie können.

  7. Ramona schreibt:

    Hallo Jery,

    ich kann dir nur dasselbe mit auf den Weg geben. Ich leide jetzt auch schon seit vielen Jahren unter rezidivierenden Depressionen und jedes Mal wirft es einen dennoch aus der Bahn, aber man nimmt auch immer was Neues mit und geht stärker hervor.

    Tiere sind die besten Therapeuten. Mein Hund kam zu meiner schlimmsten Zeit in mein Leben und hat mich zurückeholt. Er verlangt nichts von mir und verurteilt mich nicht. Er ist der einzige, den ich in den schweren Phasen ertragen kann.

  8. Jery Schober schreibt:

    Haustiere sind wirklich grandiose Therapeuten, geben alles und verlangen nichts. Mir hat’s auch sehr geholfen, dass ich durch die Spaziergänge eine Aufgabe und einen strukturierten Tagesablauf hatte.
    Auch wenn meine Socke seit letztem Jahr nicht mehr unter uns ist, werde ich ihr ewig dankbar sein, dass sie mich gerettet hat und der beste Seelentröster war. Manchmal sind Hunde eindeutig die besseren Menschen 🙂

  9. KeriBlueSky (@KeriBlueSky) schreibt:

    Hallo Ramona,
    ich lese Dein Blogg sehr gerne. Für mich ist jeder Beitrag von Dir ein Highlight, denn Dein Schreibstil ist toll, und Deine Rezensionen empfinde ich als zutreffend und einfühlsam.
    Daher fehlten mir Deine Beiträge sehr.
    Umso mehr war ich betroffen, als ich las, dass es Dir in den letzten Monaten gar nicht gut ging.
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft in Deinem Kampf gegen die Krankheit. Mögest Du sie eines Tages ganz abschütteln können!
    Liebe Grüße

  10. Ramona schreibt:

    Hi Ramona,

    vielen Dank für deinen Kommentar.
    Jede Erkrankung und jedes Tief bringt etwas Neues hervor. Etwas Stärkeres und Reiferes. Aber das sieht man erst hinterher.

  11. Ramona schreibt:

    Hi Keri,

    vielen Dank 🙂
    Ich freu mich sehr, dass du immer wieder vorbeischaust und ich hoffe, dass es bald wieder war zu lesen geben wird.

  12. Kooky Rooster schreibt:

    Liebe Ramona,

    dein Text hat mich betroffen gemacht. Muss ihm aber in allem zustimmen. Ich selbst leide seit meiner Kindheit an rezidiverenden Depressionen. Lange Jahre ist es ein Dauerzustand. Gerade habe ich mich so halbwegs aus einer düsteren Zeit befreit, die über zwei Jahre angedauert hat. Es ist immer wieder erstaunlich, wie verändert das Denken ist. Aktuell darf ich von außen draufschauen, vor zwei Monaten war ich noch am Grund. Während meiner depressiven Episoden ist es das, was mir Mut macht. Zu wissen, es gibt ein Danach. Ich habe es immer noch geschafft, wieder herauszukommen. Es geht vorbei. Und vor allem erinnere ich mich, dass mein Denken in dieser Zeit verändert ist. Dass es nicht absolut ist, sondern eine Sichtweise, die sich wieder ändern wird. Dass ich ein und dasselbe auch völlig anders betrachten kann. Auch wenn ich es gerade nicht kann, zu wissen, ich kann es, wenn es mir besser geht, hilft. Nach so vielen Jahren und Therapie, Reha, Tabs und so weiter lernt man, damit zu leben. Weiß, dass es helfen kann, sich auch mal fallenzulassen, um schneller wieder herauszukommen. Dass es manchmal alles Schlimmer macht, sich zu wehren, weil es die Erkenntnis und damit die Heilung verzögert. Aber ebensowichtig ist, zu spüren, wenn da eine Leiter ins schwarze Loch ragt, und wieder hochzuklettern. Man bekommt ein Gefühl dafür. Das schafft Selbstvertrauen, auch in den schlimmsten Stunden.
    Ich kenne ebenfalls die unsensiblen Raktionen anderer zu diesem Thema. Unterstellungen, die mich schon oft an den Rand gestellt haben. Ich kenne auch den Moment, an dem man endgültig Abschied nimmt. Heute bin ich froh, dass es nicht geklappt hat. Ich hätte nie meinen Traum erfüllen können, Autorin zu sein. Das soll auch anderen Mut machen. Es geht weiter und es wird besser. Es wird immer schlechte Phasen geben, aber Phasen gehen vorbei. Mir sagte mal jemand, nach einem Karfreitag gibt es einen Ostersonntag. Ich bin zwar nicht religiös, aber das Bild hilft manchmal.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft. Und danke für diesen Blogbeitrag. Möge er dazu beitragen, dass der Umgang mit der Krankheit sensibler wird. Jemand, der „gesund“ ist kann nicht nachvollziehen, wie unbedachte Worte treffen können, wenn man gerade „ohne Haut“ ist.

    Liebe Grüße
    Kooky Rooster

  13. Ramona schreibt:

    Hallo Kooky,

    vielen Dank für deine Offenheit. Es ist immer sehr erleichternd, mit jemandem zu sprechen, der dasselbe durchmacht oder durchgemacht hat.
    Ich kann dir ebenfalls nur zustimmen. Da Leben geht immer weiter. In den dunklen Phasen kann man es zwar nicht glauben, aber sobald man halbswegs sicheren Grund unter den Füßen hat, kommt auch die Hoffnung wieder.
    Zu mir hat mal jemand gesagt, dass man immer das Gute in jedem negativen Ereignis suchen und sehen soll. Und derjenige hatte recht. Auch wenn man durch die Hölle geht und jedes einzelne Mal als veränderter Mensch aus der Depression hervorkommt, macht es einen doch auch stärker und reifer. Ich könnte gefühlt bald Methusalem Konkurrenz machen 🙂

    Das „ohne Haut“ sein ist ein sehr großes Problem und ich kann mich nie daran gewöhnen *seufz*
    Alles tut weh. Jedes Wort von anderen Menschen ist ein Angriff, die die Lügen, die einem die Krankheit einflüstert, nur weiter untermauert.
    Und diese Vorwürfe und Anschuldigungen sind auch nicht ohne. Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn mir jemand so vorwurfsvoll kommt, nur weil ich nicht viel rede oder keine gute Laune habe. Ist das verboten? Sobald man nicht in das vorgegebene Schema passt, wird man aussortiert. Es ist traurig, aber man lernt dadurch auch, auf sich selbst zu vetrauen und alle Menschen loszuwerden, die einem schaden.

    Ich hoffe auch sehr, dass es wenigstens den ein oder anderen dazu bringt, die Krankheit mit anderen Augen zu sehen. Das wäre wirklich wunderbar. Ich habe so viele Emails und PNs auf Facebook erhalten von Menschen, die selbst oder im Familien- und Freundeskreis betroffen sind. Das hat mich sehr berührt. Die Reaktionen waren durchweg positiv.
    Auch wenn es mich sehr viel Überwindung gekostet hat, das hier öffentlich zu machen, bin ich doch froh, den Schritt gewagt zu haben.

    Liebe Grüße
    Ramona

  14. Melle | Seelentief schreibt:

    Auch ich bin selbst mit Depression erkrankt. Nach einem Jahr intensiver Suche bekomme ich endlich eine Therapie. 2012 fing es bereits bei mir an. Nach einer Reha schien alles wieder toll zu sein. Lange Geschichte.

    Ich durchlebe Höhen und Tiefen. Allerdings dachte ich bis letzte Woche, ich hab die Tiefs geschafft….

    Ich habe es zur Zeit aufgegeben, nach Verständnis zu suchen. Es kann einfach keiner nachvollziehen wie es ist, damit zu Leben. Erhofft hatte ich mir natürlich Arme die mich tragen und mir wärme geben. Kälte blieb mir.

    In meinem Blog verarbeite ich viele meiner Gedanken. Ich fände es gut, wenn Du weiterhin deine privaten Gedanken mit uns teilst 🙂
    Auch ich hab den Schritt gewagt, meine Depression transparenter zu machen

    Lächelnde Grüße
    Melle von Seelentief

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