Rezension: Fünf Wochen: Der Kampfschwimmer (Band 1) – Sydney Stafford

kampfschwimmerStärke wächst nicht aus körperlicher Kraft – vielmehr aus unbeugsamen Willen.“ Mahatma Gandhi

Sönke Liebig steht an einem Scheideweg. Nach seinem Vater und seinem Bruder Malte wird auch er die Kampfschwimmerlaufbahn einschlagen. Kurz vor Beginn des Auswahlverfahrens, das sich über 5 Wochen erstrecken wird, natürlich nur nachdem er den Eingangscheck bestanden hat, trennt sich seine langjährige Freundin von ihm. Plötzlich sieht es sich seinen inneren Dämonen ausgeliefert. Seine Homosexualität hat er jahrelang unterdrückt – aus Angst vor der Reaktion seiner Familie und seiner Kollegen. Am ersten Tag des Auswahlverfahrens gesteht er sich im psychologischen Gespräch zum ersten Mal ein, dass er schwul ist. Und das setzt eine ganze Reihe an Kettenreaktionen frei. Während Höchstleistungen von ihm verlangt werden, entdeckt sein Körper endlich, was ihm lange Jahre vorenthalten wurde: Herzklopfen und prickelnde Leidenschaft. Zwei Männer bringen ihn schier um den Verstand. In Rekordzeit verliert er sein Herz. Doch für wen wird er sich entscheiden? Bleibt zwischen den Schikanen seines Ausbilders und den körperlichen und geistigen Anstrengungen überhaupt noch Zeit für die Liebe?

Meinung:

Nach der GSG9 und dem LKA sowie der KSK hat nun ein weiterer Zweig des Militärs das Licht der Buchwelt erblickt: die Kampfschwimmer – das deutsche Pendant zu den amerikanischen Navy Seals. Sie sind für den triphibischen Einsatz ausgebildet, also an Land, im Wasser und in der Luft einsetzbar.

Sydney Staffords Geschichten begleiten mich nun fast schon zwei Jahre. In dieser Zeit hat sie sich permanent gesteigert und gehört für mich zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Es ist völlig egal, welches ihrer Bücher man aufschlägt, es heißen mich jedes Mal zwei Komponenten willkommen, die ich zu schätzen gelernt habe und auf die ich mich immer wieder freue: Zusammengehörigkeit und harte Fakten.
Die Autorin hat einen Kontrast, einen Bruch geschaffen, der mir bei vielen Military Romance – Geschichten fehlt. Sie vereint detailliert recherchierte Hintergrundinformationen zur Ausrüstung, den Waffen und Fahrzeugen, zu Übungen und Einsatzorten mit toughen Protagonisten, die jeder Situation gewachsen sind, gleichzeitig aber über einen empfindsamen, weichen Kern verfügen, der sie so menschlich und sympathisch macht und Platz für die zarten Bande der Liebe schafft. Unheimlich schön finde ich auch die Tatsache, dass alle Geschichten in irgendeiner Weise miteinander verbunden sind. Es taucht immer ein vertrauter Name auf. Es ist eine einzige große Familie, die mich als Leser immer wieder in ihrem Schoss aufnimmt, die dieses wohlig warme Gefühl in meinem Inneren hinterlässt. Im „Kampfschwimmer“ hat zum Beispiel Brigadegeneral Arne Seeliger einen namentlichen Auftritt. Hallo, Kopfkino! Der Kerl ist so verdammt heiß. Der personifizierte feuchte Traum. Seid froh, dass ich keine Videorezensionen mache, sonst dürftet ihr mir jetzt dabei zusehen, wie ich dümmlich grinsend mit Herzchenaugen in die Luft starre. Und das alles, weil sein Name gefallen ist. Kaum zu glauben. Aber Arne ist einfach so sexy … Sorry, ich schweife ab.

Das Element Wasser, das eine große Rolle in dieser Geschichte spielt, hat mich vor eine Herausforderung gestellt. Ich mag nämlich keine tiefen Gewässer. Ich krieg Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, was in der Tiefe lauert. Dunkelheit, Kälte, Stille, der Tod. Ich hab Hochachtung vor allen, die sich diesen Gewalten aussetzen und ihnen trotzen. Das Auswahlverfahren stellt den härtesten Teil auf dem Weg zum Kampfschwimmer dar. Wer das übersteht, schafft alles. Ich hab mit den Jungs mitgelitten, die ihre Grenzen um Kilometer überschritten haben. Ich konnte ihren Schmerz, ihren Hunger, ihre Erschöpfung spüren und die Zweifel hören, die immer präsent waren, sich letztendlich aber dem eisernen Willen, dem Überlebensinstinkt beugen mussten.

Ich muss gestehen, Sydney Stafford hat mich dieses Mal ziemlich lange an der Nase herumgeführt. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis mir ein Licht aufgegangen ist und klar wurde, an wen Sönke sein Herz verschenkt. Mit viel Humor, aber auch dem nötigen Ernst führt sie durch die 5 harten Wochen des Auswahlverfahrens und schneidet auch unschöne Themen an – Intoleranz und PTBS. Sönkes Vater hat sich einen großen Platz in meinem Herzen erkämpft. Was für ein lieber, fürsorglicher Mensch. Aber Sönkes Mutter … Für die fehlen mir leider die Worte.

Eine rundum gelungene Geschichte über den Mut, zu sich selbst zu stehen, Grenzen zu überwinden, über die Liebe, das Leben, Enttäuschungen und Intrigen.

Fazit:

Eine schöne Liebesgeschichte, die vielen Widrigkeiten trotzen muss und schon zu Ende scheint, bevor sie überhaupt begonnen hat. Volle Punktzahl und eine klare Leseempfehlung.

5 Stars

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1355 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 221 Seiten
  • Preis: 5,99€
  • KindleUnlimited: ja
  • Hier kann man es kaufen/leihen: Der Kampfschwimmer

 

6 Gedanken zu “Rezension: Fünf Wochen: Der Kampfschwimmer (Band 1) – Sydney Stafford

  1. besassique schreibt:

    Hätte ich jetzt von selbst nie ausgewählt aber mit deiner tollen Zusammenfassung hast Du doch mein Interesse geweckt. Da ich zur Zeit ein duales Studium an der Bundeswehruni mache (als externe) wär es ja auch vom Thema her durchaus interessant.
    Danke für den tollen Tipp
    Liebe Grüße
    Sassi

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