Rezension: Die Stille Seite der Musik – Svea Lundberg

musik_800x1200_72dpiInhalt:

Ein einziger Moment kann dein ganzes Leben zerstören. Wenn du es zulässt.
Valentin hat eine prächtige Karriere als Pianist vor sich, doch dann kommt alles anders. Auf dem Rückweg von einem Club wird er in einen Autounfall verwickelt und kommt erst wieder im Krankenhaus zu sich. Dort muss er sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass seinem Traum ein Ende gesetzt wurde. Seine Hand ist zertrümmert, das Klavier spielen in weite Ferne gerückt. Nach endlosen Reha-Maßnahmen und Diskussionen mit seiner Mutter, die sich als größtes Opfer seines Unfalls sieht, macht er Urlaub an der Ostsee bei seiner Tante, die einen Reiterhof betreibt. Bereits am ersten Tag macht er Bekanntschaft mit dem gehörlosen Flo, der auf dem Hof eine Ausbildung macht und sein Schicksal umfänglich zu akzeptieren scheint. Aus der anfänglichen Zuneigung wird schnell mehr, aber Valentin muss ja bald wieder zurück …

Meinung:

„Die stille Seite der Musik“ ist nicht mein erstes Buch der Autorin, aber keines hat mich bisher so berührt. Wenn ich die Geschichte mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es Ruhepol.

Bücher mit sehr jungen Protagonisten – in diesem Fall 17 und 19 – zählen nicht unbedingt zu meinem bevorzugten Beuteschema, allerdings wirken Flo und Valentin aufgrund ihrer Schicksalsschläge deutlich reifer. Und wer könnte auch schon so einem Sonnenschein wie Flo widerstehen? So ein sympathischer Junge, der seine Beeinträchtigung einfach weglächelt. Er hat sich bewusst gegen das Hören entschieden und gleicht es einfach aus, indem er mit seinen restlichen Sinnen und seinem Körper hört. Die Ruhe, die Ausgeglichenheit und die positive Art, die Flo ausstrahlt, sind während dem Lesen auf mich übergegangen und Seite um Seite weiter in mich hineingeflossen. Am Schluss war ich tiefenentspannt. Das hört sich jetzt natürlich an, als würde in der Geschichte rein gar nichts passieren. Falsch gedacht.

Im Mittelpunkt stehen drei Aspekte, die sich durch die ganze Geschichte ziehen. Neben der Freundschaft zwischen Flo und Valentin, die sich im Laufe des Urlaubs wandelt und einer prickelnden Verliebtheit weicht, erfährt man auch sehr viel über Pferde und Pferdesport. Man merkt deutlich, wie verbunden sich die Autorin den Tieren fühlt. Der Umgang mit Schicksalsschlägen und Beeinträchtigungen – die man wirklich nicht als solche sehen muss – nehmen viel Raum ein. Jeder Mensch geht anders damit um, wenn ihm etwas genommen wird, das er als selbstverständlich angesehen hat. Aber es muss ja nicht das Ende sein. Manchmal muss man dann halt andere Wege suchen, seine Träume zu leben.
Umrandet wird das Ganze von der ruhigen Idylle und den familiären Streitigkeiten. Und dann gibt es da noch einen kleinen Krimianteil, der im Gegensatz zum Rest der Geschichte recht blaß wirkt und zum Schluss sehr schnell abgehandelt wird. Das hat mich aber nicht weiter gestört. Ich war so gefangen in dieser zauberhaften Atmosphäre des Buches. Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Es ist, als wäre man während dem Lesen in eine Seifenblase gerutscht. Die Geräusche verstummen, der Herzschlag wird langsamer. Mir kam es so vor, als würde man sich automatisch an Flos Wahrnehmung anpassen, und das, obwohl das Buch aus Valentins Sicht erzählt wird.

Fazit:

Eine Geschichte, die durch ihre ruhigen Töne bezaubert.

5 Stars

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 567 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 210 Seiten
  • Verlag: Traumtänzer-Verlag Lysander Schretzlmeier (29. Januar 2017)
  • Preis: 4,99€
  • Hier kann man es kaufen: Die Stille der Musik 
  • Hier geht es zum Verlag: Traumtänzer – Verlag

Lieblingsstelle

Wieder schließe ich die Augen und … hebe nur einen Moment später die Hände, um mir die Finger fest in die Ohren zu stecken. Denn plötzlich ist da der Drang, den Moment genauso zu erleben, wie Flo es tut. Tatsächlich gelingt es mir, Möwenschreie und Wellenrauschen aus meiner Wahrnehmung auszuschließen. Ich sehe und höre nichts mehr. Hole tief Luft und atme ganz langsam aus. Konzentriere mich auf die Empfindungen, die mir geblieben sind. Und vielleicht ist es nur Einbildung, reines Wunschdenken, doch mit einem Mal kann ich das Meer riechen. Konnte ich zuvor schon. Doch nun ist alles viel intensiver. Es ist eine Mischung aus Salz, Seetang und … Ich kann’s nicht so genau einordnen und öffne die Lippen leicht, um den Geruch auch in meinen Mund zu lassen. Ihn auf meiner Zunge in Geschmack umzuwandeln. Und es scheint sogar zu gelingen.“ (Seite 108)

4 Gedanken zu “Rezension: Die Stille Seite der Musik – Svea Lundberg

  1. j125 schreibt:

    Hey Ramona,

    ich habe das Buch auch erst vor ein paar Tagen gelesen und stimme dir in allen Punkten zu. Es ist so ein tolles Buch. Großartig.

    Ich mochte vor allem Flo so gern. Wie er Tino und auch den Leser immer wieder in seine Welt mitnimmt, seine Sicht der Dinge erklärt. Zum Beispiel als es darum geht, dass Tino Flo für benachteiligt hält, weil die Welt der Hörenden doch besser ist.

    Und deine Lieblingsstelle hat mir auch sehr gut gefallen ♥

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