[Herzensempfehlung] Ich wollte nur, dass du noch weißt … Nie verschickte Briefe – Emily Trunko

Das Buch basiert auf dem Projekt Dear My Blank auf Tumblr, das von Emily Trunko im Jahr 2015 ins Leben gerufen wurde. Dort veröffentlicht sie anonym eingesandte, unveröffentlichte Briefe. Innerhalb kürzester Zeit wurde daraus ein Phänomen, das mehrere zehntausend Menschen angelockt und eine wahre Flut an Briefen ausgelöst hat. 

Seit Wochen ist das Buch in aller Munde. Mir ist es ständig begegnet. Auf Facebook, auf Instagram, auf Blogs. Da mich Inhalt und Cover so gereizt haben, konnte ich nicht länger widerstehen. Das war aber eine der besten Buchentscheidungen, die ich je getroffen habe. Die Idee hinter dem Buch ist so berührend. Ich gehöre auch zu den Menschen, die Briefe schreiben, die niemals ihren Empfänger erreichen werden.

Im Leben gibt es viele Scheidewege. Man verliert die Liebe, Familie und Freunde an den Tod, durch die Entscheidung, einen anderen Weg einzuschlagen und durch Verletzungen, die tiefe Wunden gerissen haben, so verheerend, dass die Bande nie wieder gekittet werden können.

Allein die Worte niederzuschreiben hilft aber ungemein. Es ist völlig egal, ob der Brief danach verbrannt wird oder bis zum Sankt – Nimmerleins – Tag in den Tiefen eines ausrangierten Schuhkartons oder einer Schatulle verschwindet. Man ist die Worte los und kann gute Nachrichten mit einem verstorbenen Liebsten teilen, um diesen weiterhin am aktiven Leben teilhaben zu lassen, sich die Wut aus dem Bauch schreiben, seiner Enttäuschung Luft machen, möglicherweise auch jemandem danken.
All das und noch viel mehr findet man in „Ich wollte nur, dass du noch weißt …“
Das Buch ist unheimlich schön illustriert und setzt mit etlichen Handletterings eine ganz persönliche Note.

Sehr berührend fand ich den Brief einer jungen Frau, die bald sterben wird und sich bei ihrer großen Liebe entschuldigt, weil sie sich nie kennenlernen und nie die Möglichkeit haben werden, all die Dinge zu tun, die Paare eben machen. Diese Zeilen haben sich mir regelrecht eingebrannt, denn sie tragen eine wichtige Botschaft: Die Zeit rennt uns davon.
Und das ist nur die Spitze des Eisberges, es gibt so viele Briefe. Adressiert an sich selbst, die Eltern, die Freunde, die Ex – Freunde, an Menschen, die etwas bewegt haben – aus Liebe, Wut, Schmerz, Enttäuschung, Resignation, Verlust, Dankbarkeit und Freude. Als Neuanfang und Abschied. Sie berühren alle. Manche mehr, andere weniger. In vielen der anonymen Briefe kann man sich auch selbst finden. Möglicherweise erlebt man gerade Ähnliches oder wird an ein längst vergangenes, einschneidendes Erlebnis erinnert.

Man klappt das Buch mit einem weinenden und einem lachenden Auge zu, weil es auf so vielen Ebenen bereichert und viele Worte direkt ins Herz wandern und sich dort festsetzen.

Ihr fragt euch jetzt sicher, warum ich das Buch auf dem Blog vorstelle, schließlich dreht sich hier alles um schwule Literatur. Es ist nicht nur ein absolutes Herzensbuch, nein, in diesem Büchlein findet man auch queeren Content. Ein junger, schwuler Mann, der sich nicht traut seiner besten Freundin die heimliche Beziehung zu einem Mann zu gestehen. Ein Transmädchen, das sich nach Gesellschaft sehnt. Zwei Kumpels, die Gefühle füreinander haben, sie aber nicht zulassen wollen.

Ein ergreifendes Buch, das ich euch wärmstens ans Herz lege.


Hier kann man es kaufen: Ich wollte nur, dass du noch weißt …: Nie verschickte Briefe

4 Gedanken zu “[Herzensempfehlung] Ich wollte nur, dass du noch weißt … Nie verschickte Briefe – Emily Trunko

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