[Kurz & Knapp] Paragraphenreiter – Louisa C. Kamps

Florian Richter, der nicht nur so heißt, sondern auch tatsächlich Richter ist, wird nach einem Fahrradunfall ins Krankenhaus eingeliefert, was düstere Erinnerungen hervorruft. Genau in diesem hat er vor Jahren einen Teil von sich verloren. Sein Benehmen spiegelt die unterschwellige Panik wieder, die ihn fest im Griff hat. Das bekommt natürlich das Krankenhauspersonal zu spüren. Nur einer lässt sich davon nicht beeindrucken: Mathias Winkler, die Stationsleitung. Florian fühlt sich sofort zu ihm hingezogen, nach seinem fluchtartigen Abgang besteht aber keine Hoffnung, ihn je wiederzusehen. Dann spielt ihm jedoch das Schicksal in die Hände und das Chaos nimmt seinen Lauf. Gefühle entstehen und kollidieren mit Florians Vergangenheit, seinem aktuellen Prozess und Mathias Weigerung, eine heimliche Beziehung zu führen.

Fazit:

Mich hat vor allem Florians Beruf angesprochen. Es gibt viele Geschichten mit Rechtsanwälten, aber ein Richter ist mir bisher noch nicht untergekommen. Man kann ihm zwar im Gerichtssaal nicht oft über die Schulter schauen, es spielt sich eigentlich alles in seinem Büro ab, dennoch bekommt man einen guten Einblick in die Machtstrukturen im Gericht und den lästernden Flurfunk. Im Zentrum steht allerdings Florians innerer Kampf. Nach einem schweren Schicksalsschlag hat er sich zurückgezogen und Privatleben und Beruf strikt getrennt. Niemand am Gericht weiß, dass er schwul ist und das soll auch so bleiben. Da funkt ihm jedoch Mathias dazwischen, der schlechte Erfahrungen mit heimlichen Beziehungen gemacht hat. Das Drama ist also bereits vorprogrammiert.

Florians Weg zurück ins Leben wird sehr einfühlsam geschildert. Nur nach und nach wird ihm klar, was er sich selbst all die Jahre verboten, wie viele Menschen er mit seinem abweisenden Verhalten verletzt hat. Es ist wundervoll mitzuerleben, wie Florian immer öfter den schützenden Kokon verlässt und endlich wieder er selbst ist –  frei und glücklich sein kann. Aber auch Mathias hat sein Päckchen zu tragen und seine Lektion zu lernen. Die beiden machen unheimlich viele Fehler, weil jeder Angst davor hat, den letzten Schritt zu wagen und zu vertrauen, den Weg ins Ungewisse zu riskieren, der natürlich eine Menge Probleme mit sich bringen wird, aber auch eine ganz neue Welt eröffnen kann.

Eine Liebesgeschichte mit Hindernissen, dramatischen Entwicklungen, frustrierenden Rückschlägen, heißen Liebesnächten und humorvollen Passagen in Plattdeutsch, die durchaus dem Prozess und den Drohungen mehr Platz hätte einräumen dürfen.

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