[Rezension] Der Inbegriff von Biederkeit – Tharah Meester

Inhalt:

Drystane Marshall ist bekannt für seine scharfzüngigen Zeitungsartikel und die verbalen Auseinandersetzungen mit Donatien Giancovelli, der rechten Hand des Chef de Police. Den Höhepunkt erreicht ihre Hassliebe, als die Geliebte eines Politikers ermordet wird. Donatien verwehrt Drystane den Zugang zum Tatort. Der nimmt das Ganze sehr persönlich. Beim nächsten Fall, einer Geiselnahme, will sich Drystane nicht so einfach abservieren lassen und greift zu drastischen Mitteln, um an seine Story zu kommen. Eine fatale Entscheidung, die eine Kettenreaktion in Gang setzt und in einer Katastrophe endet. Der Hass lodert stärker als je zuvor, dabei hat Drystane schon vor Monaten ein Auge auf den stummen Polizisten geworfen.

Meinung:

„Der Inbegriff von Biederkeit“ hat mich umgehauen. Es war nicht mein erstes Buch der Autorin, hat jedoch mit Leichtigkeit meine Lieblingsgeschichten „Ein eisig kalter Lord“ und „Die Zähmung des Prinzen“  in den Schatten gestellt. Für mich besteht ein Buch aus zwei Herzen, die zu Beginn noch leer sind, aber nach und nach Leben eingehaucht bekommen. Das Herz des Autors ist bereits voll, wenn der Leser die ersten Seiten aufschlägt. Es ist gefüllt mit Ideen, Emotionen, Hoffnungen und einer Menge Zeit und Herzblut. Der Leser hält sein Herz völlig unvoreingenommen in der Hand und packt alles rein – Gedanken, Wünsche, Empfindungen und viele Lieblingsstellen. Am Ende treffen sie aufeinander und dann entscheidet sich, ob die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht. Bei dieser Geschichte läuft es allerdings ganz anders. Schon nach wenigen Seiten wird einem das Herz entrissen und auf den Boden geworfen. Es zerschellt in tausend Teile, es verteilt sich überall. Man muss es in liebevoller Kleinarbeit wieder zusammensetzen. Dabei stößt man schon mal irgendwo an oder geht etwas gröber zu Werke, dann bricht es wieder auseinander, bis man zum Schluss endlich den richtigen Kleber gefunden hat, um es zu kitten. Es ist nicht mehr so makellos wie zuvor, dafür hat man es mit Liebe und Geduld geflickt, ist um viele Erfahrungen reicher und hat etwas Einzigartiges geschaffen. So ergeht es auch den beiden Protagonisten. Donatiens Herz ist ein Scherbenhaufen, es ist zerstört und hat den Glauben an die Menschheit und die Liebe tief unter sich begraben. Das Leserherz ist das perfekte Korrelat dazu. Man erfährt am eigenen Leib, welche Hoffnungslosigkeit und welche Schmerzen sich in Donatien breitgemacht haben, wie viel Liebe und Erfindungsreichtum Drystane aufbringt, um seinen Mann aus den tiefen Klauen der Dunkelheit zu befreien. Man leidet, weint, hofft und bangt.

Bei dem Gedanken verspürte er ein Beben in der Brust, als wäre sein Herz gestolpert und hingefallen. Dann schmerzte es, als hätte es sich das Knie aufgeschlagen.
(Position 2220)

Er fühlte einen lang gezogenen Schmerz, als würden ihn scharfe Nadeln nähen, und darauf folgte die Erleichterung. Vernarbt und hässlich, aber vollständig, pochte sein Herz so hart gegen seinen Brustkorb, wie er es noch nie erlebt hatte.
(Position 5881)

Drystane und Donatien sind auf den ersten Blick total verschieden, sie teilen aber eine Gemeinsamkeit: Selbstzweifel und Selbsthass. Diese sind auf unterschiedliche Art und Weise entstanden, prägen sie aber und schränken sie in ihrem Leben ein. Nur zusammen können sie den Dämonen der Vergangenheit den Kampf ansagen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, der nicht einfacher wird, als sie zufällig über den ominösen Geheimbund stolpern, der sie natürlich nicht so ohne weiteres von dannen ziehen lässt. Die beständige Gefahr, die ihnen im Nacken sitzt, und das permanente Knistern, verleihen der Geschichte eine spannende Note und ein angenehmes Erzähltempo. Das fügt sich perfekt in die düster anmutende Atmosphäre ein.

Die Geschichte lebt von den liebevollen Details, den sympathischen Protagonisten und den tiefen Gefühlen, die ohne Umwege im Herzen landen. Ich war stellenweise total aufgelöst und hab nur noch geweint, weil mir das Schicksal und der Schmerz der beiden Männer so ans Herz ging. Tharah Meester hat ein ganz inniges Band zwischen dem Leser und den beiden Protagonisten geschaffen, man wird in die Geschichte hineingezogen und kommt bis zum Ende nicht mehr davon los. Das ist grandios, aber auch anstrengend. Ich möchte die Gefühle, die Drystane und Donatien mir entlockt haben aber nicht mehr missen.

Fazit:

Eine wundervolle Geschichte über die Kraft der Liebe. Emotional, romantisch und prickelnd. Ein absolutes Highlight

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 4410 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 668 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B06XP4ZQ1Y
  • KindleUnlimited: ja
  • Preis: 5,99€
  • Homepage der Autorin: Tharah Meester
  • Hier kann man es kaufen/leihen: Der Inbegriff von Biederkeit

Weitere Rezensionen findet ihr auch bei Gabi vom Laberladen *klick* und bei Sabrina’s Welt der Bücher *klick*.

3 Gedanken zu “[Rezension] Der Inbegriff von Biederkeit – Tharah Meester

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