Gay Friday #53 – Interview mit der Autorin Tharah Meester

Heute habe ich Tharah Meester zu Gast, die uns seit Jahren mit ihren Geschichten nach Farefyr entführt. Mit „Der Inbegriff von Biederkeit“ hat sie mich vor Begeisterung in die Knie gezwungen, deshalb freue ich mich umso mehr, dass sie heute ein bisschen aus dem Schreibkästchen plaudert.


Veröffentlichungen

– Farefyr Lovers –

– Weitere Geschichten –

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Interview

Stell dich doch mal kurz vor. Wer ist Tharah Meester?

Eine (schreib-)verrückte, hundeliebende Österreicherin von 27 Jahren, die schon immer lieber in ihrer Fantasie als in der Realität lebte, aber sich dennoch an ihrem Ehemann und ihrem Hund erfreut. Also, ich schreibe seit einer Ewigkeit und habe im August 2013 gemeinsam mit meinem Mann das erste Werk veröffentlicht. Seither folgten an die 30 Romane und Kurzgeschichten, und es werden immer mehr *lach*

Gab es ein Schlüsselerlebnis oder war für dich schon immer klar, dass du schreiben willst?

Ich habe schon als Kind irrsinnig viel gelesen und war ständig dabei, in meinem Kopf Geschichten zu erfinden, die ich dann – Achtung, es wird peinlich – mit mir selbst ausspielte. Irgendwann mit 10 oder 11 bemerkte ich, dass mir das Lesen nicht mehr reicht, sondern ich niederschreiben möchte, was in meiner Fantasie so passiert. Na ja, und ab dem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Da fingen die heimlich durchzechten Nächte an *lach*

Wie sieht dein Schreiballtag aus? Hast du bestimmte Rituale?

Nein, Rituale habe ich eigentlich nicht beziehungsweise nicht mehr. Als hauptberufliche Schrifstellerin ist das Schreiben zum Großteil auch der Lebensinhalt. Man setzt sich halt an den Laptop und schreibt *gg*

Was machst du, wenn du mal nicht schreibst?

Ich mag gute Filme, Serien, YouTube-Unterhaltung und Bücher. Mit meinem Mann spiele ich MTG (Magic: The Gathering), ein strategisches Sammelkartenspiel. Seltener zocke ich auch an der Konsole, wenn es ein gutes Spiel gibt – dann dafür exzessiv. Ich liebe das Tanzen, Motorräder und das Schießen am Jahrmarktstand, und obwohl ich mich eigentlich als Sportmuffel bezeichnen würde, trifft man mich, wenn ich nicht gerade am Schreibtisch sitze, meist beim Gassi gehen mit meinem dicken Liebling (meinem Hund *hihi*), in einem Schwimmbecken oder seltener auf Inline-Skates an.

Kannst du uns ein bisschen was über dein aktuelles Projekt erzählen? Woran schreibst du gerade?

Ich bin ein sehr abergläubischer Mensch und will nichts zwischen den kreativen Prozess der Erfindung einer neuen Geschichte und mich kommen lassen, daher sind meine Lippen an dieser Stelle versiegelt 😀

Die fiktive Welt, in der deine Geschichten spielen, ist sehr umfangreich und detailliert mit Zeittafeln und Landkarten. Wie entstand die Idee zu Farefyr?

Ich saß gerade an einer etwas vertrakten Heteroromanze, an der es nicht so recht voranging, als mein Mann zu mir sagte: „Du wolltest doch schon immer mal was gemeinsam schreiben. Lass es uns tun!“ 😀
So kam es, dass wir uns die Nächte gemeinsam um die Ohren schlugen und an unserem ersten Fantasyroman „Die Gossen von Farefyr“ arbeiteten. Die Landkarten waren erst nur für uns, damit wir besser in diese Welt abtauchen konnten. Mein Mann schrieb alsbald die geschichtlichen Hintergründe nieder, weil er ein Pedant ist, der sowas braucht 😛 (Spaß!)
Tja, und wie man sieht, ist mein Schriftstellerherz bis jetzt in Farefyr und Umgebung geblieben. Deshalb mussten immer bessere und feiner ausgearbeitete Karten her, damit auch der Leser eine Vorstellung davon hat, wo er sich gerade aufhält.

Als Autor liebt man natürlich all seine Buchfiguren, aber welcher deiner Charaktere ist dir am meisten ans Herz gewachsen und welcher hat dich die meisten Nerven gekostet?

Am meisten ans Herz gewachsen ist mir ein Pärchen. Der eine, weil er glaubte, ein Monster zu sein, letztendlich aber bewiesen hat, dass er ein Herz aus Gold besitzt. Der andere, weil er dachte, jemanden zu hassen, und dennoch dazu fähig war, seine Liebe für diesen Mann zu erkennen. Natürlich spreche ich von Vrila & Hyacinthe aus ‚Der Liebreiz einer Hyazinthe‘.

Am meisten Nerven gekostet haben mich die Protagonisten aus ‚Der Inbegriff von Biederkeit‘. Im bedrückenderen Sinne Donatien, weil er einfach so ein leidender Charakter war, der es hervorragend verstand, mich seinen Schmerz jede Sekunde mitfühlen zu lassen. Im positiven Sinne war es sein Gegenstück Drystane, der mit seiner plappernden Art manchmal sogar mir den Kopf rauchen ließ. Obwohl da auch James Hartwick aus ‚Der Anwalt des Don‘ gut mithalten kann, wenn auch auf eine etwas andere Weise. Und Franco Deveraux aus ‚Der Tischler und sein Stutzer‘ brachte mich mit meinem Starrsinn oft an den Rand des Wahnsinns.

Man kann zusammenfassend sagen, dass sie mich alle ein paar Nerven kosten *lach*

Deine Buchfiguren haben ganz außergewöhnliche Namen. Mein Favorit ist Hyacinthe. Fliegen dir die Namen nur so zu oder ist es ein längerer Weg, bis du den richtigen gefunden hast?

Das ist jetzt sehr witzig, denn für gewöhnlich ist es so, dass mir der Charakter seinen Namen recht früh nach dem ersten Flüstern seiner Erlebnisse mitteilt oder gar schon währenddessen. Die kommen mir tatsächlich einfach so in den Sinn und ich spüre, dass sie richtig sind. Wenn einer so heißt, dann heißt er eben so *lach*

Hyacinthe war da allerdings eine große Ausnahme. Der hat mir nämlich nicht verraten, wie sein Name lautet. Und ich rätselte von Jim bis Jeremy. Bei Jeremy blieb es dann ein paar Seiten, doch ich fühlte, dass es nicht gänzlich passte. Irgendwann tippte Cinth mir auf die Schulter – sehr vehement – und meinte: „Hyacinthe! Ich heiße Hyacinthe! Sehe ich etwa aus wie ein Jeremy? Nein? Gut. Dann streich das jetzt und schreib gefälligst meinen richigen Namen hin.

Ich hab kürzlich „Der Inbegriff von Biederkeit“ gelesen und war danach glücklich, aber auch emotional aufgewühlt. Die Geschichte ist sehr dramatisch und problembehaftet. Wie hast du den Entstehungsprozess erlebt?

Das Schreiben und damit das Durchleben dieser Geschichte hat mir einiges abverlangt. Ich habe viel geheult und noch mehr gelitten. Ich denke natürlich an all meine Protagonisten sehr viel, doch während der Monate, die ich an jenem Roman gearbeitet habe, haben Donatien und Drys mein Leben fast gänzlich eingenommen. Wenn die Gefühle mir ein paar Momente zum Verschnaufen gelassen haben, recherchierte ich ausgiebig bezüglich der Gebärdensprache und Donatiens ‚Problem‘. Mehr als einmal saß ich da und versuchte nachzuspielen, wie es ihm ergehen muss, wenn er sprechen möchte. Der Gedanke, sich nicht verständlich machen zu können und etwas so Elementares wie verbale Kommunikation nicht zu wagen/nicht zu können, bereitet einem starkes Unbehagen und ich fühle mit jedem, den es betrifft.

Zudem baute ich in diesen Roman noch etwas mehr Persönliches ein, als in meine anderen, was es mir unmöglich machte, mich in irgendeiner Form von dem Buch und den Geschehnissen darin zu distanzieren. Ich stand tatsächlich einige Male kurz vor der Verzweiflung und gerade gegen Ende hin konnte ich nächtelang nicht richtig schlafen, weil es mir derart zusetzte.

Das klingt jetzt alles furchtbar negativ, doch in der Realität habe ich es – trotz all diesen Aspekten – geliebt, die Geschichte niederzuschreiben. Sie musste einfach raus und ich habe sie genossen. ‚Der Inbegriff von Biederkeit‘ ist einer von jenen Romanen, die einem als Schriftsteller sein Leben lang im Gedächtnis bleiben.

Gibt es ein Thema, über das du gerne schreiben würdest, dich aber (noch) nicht herantraust?

Ja, meine eigene psychische Krankheit/Störung, die mein Leben bis vor etwa einem Jahr bestimmte und sie auch jetzt noch massiv beeinträchtigt. Allerdings wage ich mich da nicht ran. Warum das so ist, weiß ich selbst nicht genau. Vielleicht, weil das Schreiben für mich meist eine so befreiende, schöne Sache ist, dass ich meine Probleme von dort raushalten möchte. Die hab ich immerhin im echten Leben mit mir herumzuschleppen 😀

Mit welcher Buchfigur würdest du gerne mal einen Tag tauschen?

Mit Matthew Shardlake aus C. J. Sansoms historischer Krimireihe, die sich um eben diesen buckligen Rechtsanwalt dreht. Ich würde zu gerne einen Tag lang durch das London des 16. Jahrhunderts wandern und einen Einblick in seine Abenteuer gewinnen. Gerade seine Verbindungen zum königlichen Hofe würden mich stark interessieren. Da könnte man ja den ein oder anderen historischen Charakter mal persönlich treffen *gg*

Abschließende Worte an Deine Fans.

Ich möchte mich bei jedem einzelnen Leser für seine Unterstützung bedanken. Seine größte Leidenschaft zum Beruf zu machen, ist ein riesiges Geschenk, das ich euch da draußen zu verdanken habe. Die vielen Rückmeldungen und Rezensionen, von denen ich jede einzelne lese, berühren mein Herz auf ganz spezielle Weise, die ich nicht mehr missen möchte. Zu wissen, dass es Menschen gibt, die ich mit meinen Geschichten berühren kann, bedeutet mir unheimlich viel! Danke, dass ihr euch immer wieder nach Farefyr entführen lasst und dort ein Weilchen bleibt. Ihr seid stets willkommen.


Vielen Dank, Tharah, für deine Zeit, die ausführlichen Antworten und die freundliche Genehmigung, deine Bilder nutzen zu dürfen.

Weitere Karten, Zeittafeln und Informationen rund um die Bewohner von Farefyr findet ihr auf der Website von Tharah Meester *klick*

3 Gedanken zu “Gay Friday #53 – Interview mit der Autorin Tharah Meester

  1. Tharah Meester schreibt:

    Liebe Ramona!

    Danke für die Einladung zum Interview!
    Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, deine Fragen zu beantworten 🙂

    Ganz liebe Grüße!
    Tharah

  2. laberladen schreibt:

    Ein tolles Interview mit einer Autorin, die auch in diesem Beitrag hier wieder mal total sympathisch rüberkommt – und die Bücher ganz nach meinem Herzen schreibt.
    Danke, Ramona und Tharah!

    LG Gabi

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